Dienstag, 23. September 2014
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04.04.12 19:14 Nachrichten
Grass löst mit Gedicht Kritik-Welle aus

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23 Kommentare

13.04.2012 21:11:36

majaschwarz.wordpress.com

@Fenris

Wow! Ihre Annahme, ich hätte Germanistik oder Philosophie studiert fasse ich einfach mal als Kompliment auf. Vielen Dank dafür.
 
 Es liegt mir durchaus fern, mit geschwellter Brust Fremdwörter um mich zu hauen oder irgendwen um des Zitierens willen zu zitieren, und schon gar nicht will ich beim Leser Betroffenheit ob Unkenntnis auslösen. Wenn ich Dinge nicht weiß, oder sie mich weiter interessieren, schlage ich - ähnlich wie Sie das getan haben - im Lexikon oder anderen Büchern und Webseiten dazu nach. Die Ergebnisse dazu schreibe ich manchmal in Blogform auf, auch um zu weiteren Diskussionen anzuregen und auch, um Feedback für meine Sichtweisen zu bekommen - dieses muss nicht immer nur den direkten Weg der Kommentare auf meinem Blog gehen.
 Wenn Sie statt der von mir favorisierten Seiten eher andere Quellen verwenden, liegt das in der Natur der Sache - es wäre schrecklich, wenn alle nur dasselbe Buch zur Hand nehmen würden. Wichtig ist vielmehr, zu welchen Schlüssen man gelangt.
 
 Als Subtext geht es in meinem Beitrag "Was gehört wird" auch um die allgemeine Interaktion zwischen Sprecher und Hörer. Es ist schade, wie oft sich in Kommentaren, sei es zu Grass oder zu anderen Themen, in unsachliches Feedback gestürzt wird, oder wie oft sachliche Kommentare Polemik zu weichen haben.
 
 Weiterhin dem Ideal folgend, dass Kommunikation zueinander führen sollte anstatt voneinander weg,
 
 MajaSchwarz

13.04.2012 20:08:08

Fenris

@majaschwarz.wordpress.com

Für mich sind sie der Sieger in diesem Thread. Sie haben als erste „Auschwitz“ gesagt. Ich gehe davon aus, dass sie wissen was ich meine. Denn ich habe versucht ihren Blog, den sie hier wie sauer Bier anbieten, zu lesen. Wirklich, ich bemühte mich nach Kräften, ihren Gedanken zu folgen. Leider, so ist meine Vermutung, versuchen sie ihre Unkenntnis über einige Dinge hinter Phrasen und Fremdworten zu verstecken, die beim Leser Betroffenheit ob des eigenen Unwissens auslösen sollen.
 Betroffenheit über die Unkenntnis solcher Leute wie Adorno, Horkheimer und Judith Butler.
 Um zu wissen was sie meinen, musste ich erst Wikipedia bemühen.
 Dann begriff ich, dass sie in der ganzen Zeit des Bestehens ihres Blogs, insgesamt DREI (3) ! Kommentare hatten und dringend Publikum brauchen, welches sie anschließend aufs Schafott führen können, weil diese nicht über ein Germanistik- respektive Philosophiestudium verfügen.
 Ihre Ideale in allen Ehren, aber denken können hier alle selber. Dazu bedarf es keiner zitierten Havard Absolventen, jüdischen Philosophen (denen ich durchaus zutrauen würde die heutige zionistische Politik zu verurteilen) oder orwellscher Neusprech-Politiker.
 Wenn eine Regierung einen nuklearen Erstschlag vorbereitet, ist in meinen Augen die Lage glasklar. Um nichts anderes geht es in Günther Grass' Gedicht. Um es mal wie Ken Jebsen gestern Abend auszudrücken: Wenn die israelische Atombombe auf ein Volk von 75Mio. fällt, glauben sie allen Ernstes, das die iranische Regierung ausgelöscht wird? Wer von den 75 Mio. geht drauf? Und werden sich dann die Überlebenden bedanken? Ich glaube ja. Dies wird ganz speziell für die Unterstützer der zionistischen Regierung dann zum Problem werden. Man braucht doch keine Atombombe. Wissen sie was eine schmutzige Bombe ist? Und was sie über Großstädten wie Tel Aviv, Paris, Berlin oder London anrichten kann? Da habe ich keinen Bock drauf!
 Und sie versuchen Gedichte zu zeranalysieren anstatt ihre grauen Zellen zu benutzen? Berichten sie in ihrem Blog lieber über die Facebookaktion eines jüdischen Familienvaters. Der schrieb an der zionistischen Regierung vorbei.
 
 http://www.n-tv.de/panorama/Israel-liebt-Iran-article5834111.html
 Oder um nochmal El Baradei zu bemühen. Es gibt keine Alternative zur Diplomatie.
 Fenris

13.04.2012 12:17:38

Gaukler der Medien

Wer bin ich? Ich bin jeder und niemand!

majaschwarz.wordpress.com
 
 Aufpasser
 
 Siegfried Müller
 
 W. Marschner
 
 Kein Antisemit!
 
 informierter Bürger
 
 nobodi
 
 Kritiker
 
 antipoliker
 
 Keiner von euch ist auf einen Namen festgelegt.
 Was soll das Gehabe?
 Man kann doch hier "Selbstgespräche" noch und nöcher führen.
 Man kann seiner eigenen Darstellung widersprechen, und keiner merkt es.
 Für das alles genügt mir doch "WORD" als Schreibprogramm.
 Warum tummel ich mich hier eigentlich?
 4 Mal habe ich mir hier selbst widersprochen. Warum?
 Fade Diskussionen hasse ich, darum tu ich es, mir selbst zu widersprechen.

13.04.2012 11:53:59

Aufpasser

@Siegfried Müller

Wissen Sie, das Grundrecht nur für mich in Anspruch zu nehmen wäre absurt. Was machen denn aber die Damen und Herren Politiker?
 Genau diese "Personen" haben die Wahrheit gepachtet und zwingen sie uns auf. Ein kleiner Jucks ist immer erlaubt.
 Wer sich den Mund verbieten läßt, ist selbst drann schuld, wenn er schweigt.
 Sich dann euforisch darüber auszulassen, was letzten Endes sowieso keiner liest, ist das andere.
 Das schöne an den Kommentaren hier bei der MOZ ist doch, den Scheiß liest niemand anderes.
 Eine handvoll Leute werfen sich alles Mögliche an den "Kopf", aber ändern werden und könne sie damit nichts.
 Es ist ein kleiner Spaß, den ich mir hier "gönne".

07.04.2012 17:36:06

Siegfried Müller

@ Aufpasser

Zitat Aufpasser
 „@majaschwarz.wordpress.com
 Es wäre besser gewesen, Sie hätten hier geschwiegen. „
 
 Was man selbst als Recht einfordert, Israel endlich mal kritisieren zu können, wird anderen , die die Kritik kritisieren , verklausuliert formuliert mit quasi DEN MUND ZU HALTEN verwehrt.
 
 Das Grundgesetz Art 5 (1) wollen Sie demnach nur für sich in Anspruch nehmen , kann ich nur als Outing von antidemokratischen Ansichten interpretieren , Herr Aufpasser.
 
 Bleibt nur zu hoffen , dass diese Kritikeuphorie gegenüber Israel dahingehend Früchte trägt , dass bei Kritik gegenüber anderen gesellschaftlichen Missständen der gleiche Maßstab angelegt und man da auch nicht gleich als Rechter eingestuft. wird
 
 Aber da wäre es natürlich GAAANNNZZZ anders.

07.04.2012 16:07:27

W. Marschner

Der Zorn des Alten Mannes

Danke, Herr Grass! Endlich spricht einmal einer das aus, was einen selbst bewegt, was man aber nicht so öffentlich kundtut aus den Bedenken heraus, sofort in die rechte Ecke gestellt oder des Antisemitismus verdächtigt zu werden. Mit Antisemitismus hat das aber nichts zu tun. Ich sehe hier vielmehr den Ausdruck einer tiefen Sorge und die Angst vor der Arroganz, Ignoranz, Machtbesessenheit und dem Opportunismus von Politikern und den Faktoren, die die Politik bestimmen bzw. manipulieren.

05.04.2012 21:11:14

Aufpasser

@majaschwarz.wordpress.com

Es wäre besser gewesen, Sie hätten hier geschwiegen.
 Ob man nun die Wahrheit in der Form eines Gedichtes schreibt oder direkt ausspricht, scheint kein Unterschied zu sein.
 Ist es aber doch.
 Denn die Wahrheit einfach darzustellen hat noch nie etwas gebracht oder bewirkt.
 Grass hat einen "Kunstgriff" angewendet, um die Politiker aufzuscheuchen.
 Jetzt müssen sich die Damen und Herren Politiker melden und Rede und Antwort stehen.
 In diesen paar Zeilen steckt ganz einfach die Wahrheit unserer Zeit, Machtstreben, koste es was es wolle.
 Da spielt doch am Ende der Glaube absolut keine Rolle.
 Der Glaube, egal an welchem Ort dieser Erde wurde und wird immer von den Machthabern "festgelegt". Wehe dem, der dem Glauben zu wider handelt. Sein Kopf ist gefallen, bevor er sich äußern kann.
 Das ist ein Fakt, der bis in die entlegensten Dörfer dieser Erde Gültigkeit hat. Es gibt unter dieser Sonne nichts Schlimmeres, als einem Glauben zu folgen, ohne nach der Wahrheit zu fragen.
 Glauben ist Dummheit, Wissen ist Macht.
 Genau deswegen bemühen sich alle "Herrscher" ihre "Untertanen" auf einen Glauben "einzuschwören". Es ist psychologisch ein ganz einfaches Mittel, um eine Denksperre bei einem Menschen zu schaffen, nach der Methode "Wehe, wenn Du gegen den Glauben verstößt", auch wenn er unlogisch ist.
 Genau das hat doch auch Adolf Hitler getan und Millionen von Menschen mußten deswegen sterben.
 Und wieder stehen wir vor dieser Tatsache, dass man dem "Glauben" ein Übergewicht gibt, um die Menschen vom logischen Denken abzuhalten.
 Leider ist es so, dass sich sehr viele Menschen in den "Glauben" flüchten.
 Damit ergibt sich doch für sie Möglichkeit, sich der Wahrheit zu entziehen...in ihren Gedanken.
 Es ist und bleibt das Schlimmste, was der Mensch sich je geschaffen hat, den "Glauben". Wissen bedeutet "Nachdenken", "Glauben" kann ich alles, ohne nachdenken zu müssen. Der "Glaube" wird mir geprädigt, das Wissen muß ich mir erarbeiten.
 Genau deswegen wandern viele Studenten in Richtung "Glaubenswissenschaften" ab. Wir brauchen aber Naturwissenschaftler, die die Welt begreifen wollen und müssen wie sie funktioniert.
 Diejenigen, die die Atombombe entwickelt und gebaut haben, sind nie einem Glauben gefolgt. Genau diese Menschen gebrauchen aber "gläubige Menschen", um den Einsatz dieser Waffen rechtfertigen zu können. Es ist eine psychologische Maschinerie, die da in Gang gesetzt wird, um absolut krankhaften Gedanken zum "Durchbruch" zu verhelfen.
 Allein der Gedanke, Naturgewalten "Atomkraft" gegen sich, den Menschen, zielgerichtet einzusetzen, kann doch nur das Gedankengut eines kranken Menschengehirns sein. Absolut kein Tier gefährtet seine Umwelt so sehr, dass es sich selber ausrottet. Der Mensch tut es, mit immer intensiver.

05.04.2012 19:54:37

Kein Antisemit!

Was soll das?

Inzwischen gelöschte Kommentare und vieles, vor allem aufgeregtes, was dazu gesagt und geschrieben wird, reduzieren das Thema auf eine Frage, über die wir uns mal klar werden sollten:
 DARF MAN KRITIK AN DER ISRAELISCHEN POLITIK, DEM VORGEHEN DER UNTERSTÜTZER ISRAELS ODER DEN MEINUNGSÄUSSERUNGEN ODER DEM VERHALTEN VON PERSONEN ÄUSSERN, DIE EINER HIER NICHT ZU NENNENDEN ETHNIE ANGEHÖREN (damit es nicht wieder Anstoß erregt)?
 Die klare Antwort ist: NEIN! Denn wer das in diesem Land übt, gilt sofort als Antisemit.
 Er wird Zeit, dass die Gesellschaft nicht mehr mit "niederen" Reflexen reagiert und anerkennt, dass im Jahre 2012 das eine mit dem anderen wirklich nichts mehr zu tun hat.
 Das Totschlagargument des Antisemitismus verhindert längst überfällige Diskussionen um die Frage, wie wir zur israelischen Politik stehen. Wenn diese kontraproduktiv ist, muss das gesagt werden dürfen.
 Nur zur Erinnerung: Nordafrika, der nahe und mittlere Osten - das ist ein einziges Krisengebiet, wobei in einem Teil davon auch deutsche Soldaten ihr Leben lassen. Und Israel ist ein Teil davon!
 Wann begreifen die aufgeregten Kritiker von Herrn Grass und anderen klugen Köpfen endlich, dass es um die Analyse der Probleme der Welt im 21. Jahrhundert geht und nicht darum, den Holocaust zu verarbeiten oder wieder zu beleben.
 Und auch, wenn es vielen hier nicht passt: Diese unangemessen aufgeregte Diskussion darum, ob er es hätte formulieren dürfen, oder nicht - das ist auch einen Quelle die latenten Antisemitismus speist!
 Wer das amerikanische Vorgehen in der Welt in manchen Punkten kritisiert, ist noch lange nicht antiamerikanisch. Warum nur wird man so schnell zum Antisemiten gestempelt, sobald es um Israel oder Angehörige der dort herrschenden Ethnie geht.
 Was soll das?

05.04.2012 18:47:52

majaschwarz.wordpress.com

Ein Kapitel, kein Gedicht

Günter Grass hat die Grenzen der Kunst all zu weit gedehnt.
 Einige Erläuterungen zum Antisemitismus in seinem “Gedicht”
 
 Denjenigen unter uns, die mit Eltern gesegnet sind, deren kulturell-intellektuelles Interesse über Jappy, Barbara Salesch und die Märkische Oderzeitung hinausgeht, steht womöglich ein schwieriges Oster-Heimbesuchungs-Wochenende bevor. Dass nun nämlich die nicht unwahrscheinliche Lieblingslektüre des Vaters zum Disput steht – das ist wiederum sehr zu vermuten. Nach Martin Walser nämlich hat sich schon wieder ein deutscher Dichter unmöglich gemacht. Mag sein spätes Bekenntnis zur Mitgliedschaft in der SS vielen noch als entschuldbar erschienen sein, als jugendlicher Leichtsinn mit Zwangsläufigkeit gerechtfertigt, mögen wir bei seiner Offenbarung, oder auch bei Walsers Entgleisung, uns nicht fit genug gefühlt haben, den elterlichen Lieblingsdeutschen zu widersprechen, so ist der in Grass‘ „Gedicht“ enthaltene Antisemitismus wahrlich eklatant, dafür aber schon fast herrlich deutlich, so dass man ihn als Enzyklopädie-Eintrag benutzen könnte, oder als Lehrbuchtext, Eintrag: Definition des Anti-Semitismus‘.
 
 Eine Schreibübung, wie sie der NPD gefallen kann
 
 Fast scheint es, als hätte Grass in einem Übungsbuch von NPD-Anhängern gestöbert, und sich, um Aufgabenstellungen des Kreativen Schreibens bemüht, an folgende Aufgabe gemacht: Schreibe einen Text, der möglichst alle Elemente moderner Judenfeindschaft innehat. Gut, man möchte dem deutschen Dichter gern einen Volkshochschulkurs ans Herz legen, in dem die Dichterei noch einmal eingeübt werden mag, auf dass dem schriftstellerischen Schaffen weniger Entgleisungen folgen mögen. Nun, Herr Grass hat nun leider zumindest den völkischen Teil des VHS-Kurses schon mit Bravur gemeistert. Ein bisschen allgemein-notwendige Bildung in Bezug auf Israel-Palästina und den Iran wäre ihm zu wünschen, so aber sind seine Zeilen einerseits gekennzeichnet durch himmelschreiendes Blindstellen sowie andererseits durch … ja, was: Hass? Selbstbeweihräucherungsgebahren? Was auch immer Grass angetrieben hat – was ihm – leider willentlich – entrutscht ist, ist kein Gedicht, sondern vielmehr ein weiteres Kapitel deutscher Schuldgeschichte.
 
 An dieser Stelle sei nun das leidige „Ich war’s nicht, Adolf Hitler und die Großeltern sind’s gewesen“ ausgespart, auch sei dem elendigen „Wir sind doch viel zu jung, um Schuld zu tragen, nun muss doch aber Schluss sein“ kein weiterer Platz mehr eingeräumt. Es soll vielmehr ein kursorischer Blick auf den heute üblichen Antisemitismus geworfen werden, sofern er nicht schon an Grassens Beispieltest zur Genüge deutlich geworden ist.
 
 Der Konflikt um Israel-Palästina lässt sich sowohl als symmetrisch, demnach als nationaler, wie auch als asymmetrischer, nämlich kolonialer Konflikt beschreiben. Dan Diner konstatiert in „Neuer Antisemitismus“, der Konflikt sei beides zugleich. Er sieht dabei 3 Varianten des Selbstverständnisses für die Palästinenser:
 
 1. eben als Palästinenser,
 2. als Araber,
 3. als Muslime.
 
 Dabei wäre eine nationale, eine 2-Staaten-Lösung, nur auf der ersten Ebene, in der die Palästinenser von sich selbst ein national-geprägtes Selbstverständnis zeigen, möglich. Soviel als Nebensatz.
 
 Israel, die Juden und die verwerfliche Gewaltanwendung
 
 Bei aller Gewalt, sei sie im jeweils aktuellen Fall von den Palästinensers provoziert und den Israelis beantwortet, oder sei Israel zu einer Vorab-Verteidigung gezwungen, immer, so Diner, wird den Juden abgesprochen, legitime Gewalt auszuüben. „Der Jude“ gilt per se als gewaltvoll, im Mittelalter vergiftete er die Brunnen, woran jetzt, zum Pessah-Fest gern wieder „erinnert“ wird – Erinnerung deshalb in Anführungszeichen, weil es am zu erinnernden Event mangelt, „die Juden“ als Religion oder „Volk“ vergifteten keine Brunnen, und sie schlachteten keine kleinen Kinder, um deren Blut als Gewürz für ihre Speisen zu nutzen. Dennoch wird ihnen die Ausübung verwerflicher Gewaltanwendung angelastet – der atomare Erstschlag, so Grass, geht mit Sicherheit von Israel aus.
 
 Und hier vielleicht ist es schwierig, den klassischen Antisemitismus von seiner ge-updateten Variante zu unterscheiden: Der „eigentliche“, alte, Antisemitismus ist nämlich nach dem Holocaust nicht mehr so einfach auszusprechen; er muss sich in verschleiernde Mäntelchen kleiden, sich halbwegs verstecken – und immer Israel, die Zufluchtsstätte der dem Holocaust Davongekommenen, als Bezugs- und Angelpunkt benutzen.
 Grass vermischt beides: Er benutzt das Bild „verwerflicher Gewaltanwendung“ und wendet es auf Israel an – die alte Judenfeindschaft im Gesicht des heute üblichen Anti-Zionismus.
 
 Es wird dabei immer wieder dasselbe Lied heruntergespult: Gerade die Juden müssten es doch besser wissen. Doch:
 „Die Bösartigkeit dieses „Arguments“ hat viele Facetten. Es insinuiert, dass die Israelis die Palästinenser in gleicher Weise behandeln, wie die Nazis die Juden behandelt haben, und dass die Palästinenser ebenso unschuldig sind, wie es die Juden Europas waren. Während ganz einfach übersehen wird, dass die Juden niemals ihre Folterknechte töteten, entschuldigt man die palästinensischen Verbrechen als Reaktion auf die Verfolgung. Alle diese Argumente lassen nur eine Schlussfolgerung zu: Da die Juden sich störrisch weigern, sich anständig zu benehmen, hat der Zionismus offenkundig versagt und muss vernichtet werden.“ (Y. Lozowick: Israels Existenzkampf. Eine moralische Verteidigung seiner Kriege, S. 50.)
 
 Wer immer noch die Hand vor Augen nicht sieht, dem seien die folgenden 4-D’s an die selbige gereicht: „Israelkritik“ ist nicht zwangsläufig antisemitisch, Israel darf (und muss zuweilen) kritisiert werden. Mischen sich in die vermeintliche „Kritik“ jedoch Doppelstandards, Anzeichen von Dehumanisierung, Deligitimierung oder Derealisierung, dann muss eindeutig von Antisemitismus ausgegangen werden, dann „darf“ von berechtigter Kritik nicht mehr die Rede sein, es sei denn, man ist gewillt, im nächsten Augenblick allen Ernstes darzulegen, die Sonne sei eine Scheibe und drehe sich um den Pluto.
 
 Schuldgeschichte
 
 Nun, auch einem Blog-Eintrag als doch sehr freier Publikationsebene sind Grenzen gesetzt, hier die des Raumes und der Aufmerksamkeitsspanne. Dem kursorischen Überblick mögen alsbald weitere Betrachtungen folgen; hier nun erstmal bricht der Beitrag ab. Es sei aber festgehalten, dass, indem wir mit diesem krassen Gedicht erneut ein „Meisterwerk“ des Antisemitismus gesehen haben, eben wirklich ein neues Kapitel deutscher Schuldgeschichte geschrieben wurde. Wir können jahrelang leugnen, in der SS gedient zu haben, oder können Kinder der Nachkriegskinder sein, und erst lange nach 1945 irgendwelche Windeln vollgeschissen haben: Dieser Geschichtsrelativismus, dieser Abwehrantisemitismus, der Hass auf „die Juden“ gerade wegen Auschwitz, lädt neue Schuld auf all jene, die sich dieser blinden Hasstiraden verschreiben. Wollen wir hoffen, dass Grass’ Kapitel ein Manuskript bleibt, und die ihn Lesenden ihm nicht zum Verleger werden.

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