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In der Gemeinde Wandlitz wird für Kinder und Schüler künftig wieder frisches Essen zubereitet

Renaissance der deutschen Küche

Hochgelobte Küche: In der Basdorfer Kita ernten Katrin Juhre und Andreas Reck regelmäßig großen Zuspruch für ihre Kochkünste. Das Essen ist nicht nur frisch und abwechslungsreich, es schmeckt auch und trägt somit zum Wohlbefinden und zur Gesundheit der Ki
Hochgelobte Küche: In der Basdorfer Kita ernten Katrin Juhre und Andreas Reck regelmäßig großen Zuspruch für ihre Kochkünste. Das Essen ist nicht nur frisch und abwechslungsreich, es schmeckt auch und trägt somit zum Wohlbefinden und zur Gesundheit der Ki © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Hans Still / 09.09.2017, 06:44 Uhr
Wandlitz (MOZ) In neu zu errichtenden Wandlitzer Kindertagesstätten und der Mensa der Kita Klosterfelde soll künftig frisch vor Ort gekocht werden. Dies bestimmten Donnerstagabend die Wandlitzer Gemeindevertreter am Ende einer leidenschaftlichen Diskussion.

An diese Debatte werden sich die Gemeindevertreter noch lange erinnern. Zwischen Caterern, Aufbereitungsküchen oder Küchen vor Ort hatten sie zu entscheiden. Am Ende bekam die teuerste, vermutlich aber auch die beste Lösung den Vorzug. Wenn innerhalb der nächsten drei Jahren in Wandlitz, Klosterfelde und Basdorf neue Kitas entstehen, dann sind vollwertige Küchen nunmehr vorgeschrieben. Mehr noch: Auch die neue Klosterfelder Mensa bekommt die Küche vor Ort als neuen Wandlitzer Standard spendiert.

Was das für bestehende Einrichtungen bedeutet, wird sich noch erweisen. Die Kinder der Kitas in Lanke und Schönerlinde bekommen beispielsweise derzeit Essen vom Caterer. Möglicherweise werden die Eltern diese Verfahrensweise nicht mehr lange schätzen und könnten dagegen opponieren.

"Die Gesamtkosten dieser Entscheidung lassen sich derzeit nicht abschätzen", ließ der Wandlitzer Kämmerer Christian Braungard am Freitag verlauten. Und fügt dann zur Erklärung an: "Die Kosten werden ja frühestens 2019 relevant. Als Kämmerer muss ich jetzt abwarten, welche Zahlen aus dem Bauamt kommen. Dort werden die Baukosten kalkuliert."

In der Beschlussvorlage wurden die Ausgaben aller drei Versorgungsvarianten verglichen. Bei 50 bis 100 Portionen am Tag betragen die aus Baukosten und Kücheneinrichtung zusammengesetzten Gesamtinvestionen beim Caterer bis zu 124 000 Euro, in der Aufbereitungsküche bis zu 177 000 Euro und für die Küche vor Ort bis zu 316 000 Euro. Konkrete Erkenntnisse gibt es auch zu den Kosten der neuen Mensa. Die Großküche wurde mit 1,5 Millionen Euro veranschlagt, hinzu kommen Personalkosten von 317 000 Euro sowie Betriebs- und Unterhaltskosten.

In der inhaltlichen Debatte der Gemeindevertreter spielten Kostenaspekte auch eine Rolle, noch stärker aber wurde mit grundsätzliche Sichtweisen, Erinnerungen aus eigener Kinderzeit und aktuellen Beobachtungen argumentiert. "Zur Frische kann es keine Alternative geben. Ein Salatblatt besitzt nach zwei Tagen im Kühlschrank den Wert von grünem Klopapier. Aufbereitung und Fertigessen sind von gestern", entzündete Marita Kalinowski (Grüne/B90) ein verbales Feuerwerk für die Küche vor Ort. Peter Liebehenschel (F.Bg.W.) revidierte seine Meinung aus dem Hauptausschuss. "Ich entscheide jetzt mit dem Herzen für die Zukunft der Kinder", postulierte er plakativ. Thomas Rüdiger (CDU)gehörte ebenfalls zu den Befürwortern. "Wir kochen richtig für die Kinder. Das ist das Beste für das Kind und nicht die zweite Wahl." Maria Brandt (SPD) aus Schönwalde blickte zurück. "In der DDR ging die Küchenfrau morgens einkaufen. Wir haben in neun Ortsteilen zwölf Küchen. Entweder in jedem Ort eine Küche oder...", ließ sie ihren Satz unvollendet.

Ralf Becker (SPD) versuchte es mit einem Weckruf. "Träumen wir? In drei Jahren werden wir wissen, dass wir die Küchen nicht mit Personal besetzen können! Und wollen wir tatsächlich den Eltern die Verantwortung für eine gesunde Ernährung abnehmen?" Hauptamtsleiterin Gisela Peter versuchte die Zweifler umzustimmen. "Die Aufbereitungsküche ist doch nicht per se ungesund, sie ist hochwertig und professionell. Und wir können auch keine Hausfrauen anstellen, wir benötigen dafür ausgebildete Köche." Mit elf Ja-Stimmen, sechs Neun-Stimmen und drei Enthaltungen wurde dann abgestimmt.

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