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Die Wahl ist schon gelaufen*. Zumindest die U18-Wahl, bei der nur Kinder und Jugendliche abstimmen. Auch an einer Grundschule in Frankfurt / Von Antje Scherer

Kreuzchen auf Probe

Schüle der Lennè-GS
Schüle der Lennè-GS © Foto: FOTO Michael Benk
Antje Scherer / 23.09.2017, 16:23 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Leticia kommt mit einem Zettel in der Hand aus der Wahlkabine. Wen hat sie gewählt? "Das verrate ich nicht." Aber es sei eine Partei, die Tiere schützt. "Das ist mir besonders wichtig", sagt die Neunjährige. Bis zu ihrer ersten richtigen Bundestagswahl muss sie noch mindestens neun Jahre warten. Aber auf dem Pausenhof der Lenné-Grundschule in Frankfurt (Oder) durfte sie am Freitag vor einer Woche trotzdem wählen. So wie fast 220 000 andere Kinder und Jugendliche auch; U18-Wahl heißt das Projekt, das - immer wenn eine große Wahl ansteht - an Schulen, in Jugendklubs und sogar auf Spielplätzen in ganz Deutschland stattfindet. Mit fast echten Wahlzetteln und Wahlurnen (ein Behälter mit Schlitz, in dem die Zettel gesammelt werden).

Allerdings sind die Regeln nicht so streng wie bei den Erwachsenen - ein Mädchen, das aus Versehen fünf Parteien angekreuzt hat, bekommt zum Beispiel in Frankfurt einen neuen Zettel. Bei der echten Wahl geht das nicht - es gibt nur einen Stimmzettel pro Person, und wer mehr als zwei Kreuze macht, dessen Stimme ist ungültig. Und Leonie (10) und Celine (10) huschen sogar gemeinsam in die Wahlkabine - auch das ist "in echt" verboten. Wahlen müssen in Deutschland frei und geheim sein. Und das geht nur, wenn man alleine ist. Wen haben sie denn gewählt? "Hmm, die vorletzten auf der Liste, die mit dem lustigen Namen", sagt Leonie.

Das Wahllokal ist in einer Ecke des Schulhofs aufgebaut, und viele, die nach dem Essen raus rennen, bleiben neugierig stehen. Organisiert wird die Wahl vom Hort; dort haben sie in den vergangenen Tagen übers Wählen und unterschiedliche Parteien gesprochen. "Wir wollen damit politische Bildung praktisch näherbringen", sagt Erzieher Florian Moritz.

Lea (9) erzählt, dass sie gemeinsam die Wahlurne gestaltet haben. "Und es wurden Bilder hochgehalten von Politikern und wir sollten sagen, ob wir die kennen." Bei der Wahl darf aber dann jedes Kind mitmachen.

Viele haben keine Lust zu warten, bis die Kabine frei wird; sie lehnen sich mit dem Stimmzettel an eine Wand oder setzen sich auf einen Stein. Manche Kinder wissen schon viel über Politik, andere nicht so. Ein Mädchen überlegt - als sie gefragt wird, wer aktuell Regierungschef ist - und sagt dann: "Martin Schulz, oder?" Richtig wäre Angela Merkel, aber das macht gar nichts. Die U18-Wahl ist kein Test wie in der Schule. Sie soll einfach Lust auf Politik machen - und die Organisatoren hoffen, dass U18-Wähler später auch eher zu echten Wahlen gehen.

Vorher informiert hat sich Viertklässlerin Leonie. "Ich hab die Grünen gewählt", erzählt sie, "weil die die Natur schützen." Auch ihre Schwester Natalie wählt diese Partei, "weil sie nicht gegen Flüchtlinge sind". Gehen denn ihre Eltern wählen? "Ja, beide! Die finden das wichtig", sagt Natalie.

*Die meisten Stimmen bekam die CDU, Platz zwei: SPD, Platz drei: Grüne

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