Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Autotest Volvo XC90

Schwedisches Flaggschiff: Volvo XC90
Schwedisches Flaggschiff: Volvo XC90 © Foto: MOZ/Hajo Zenker
Hajo Zenker / 01.09.2017, 13:42 Uhr - Aktualisiert 01.09.2017, 14:33
Berlin (MOZ) Volvo hat in Zeiten der Diesel-Krise vor allem damit für Schlagzeilen gesorgt, dass man den Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren ankündigte - ab 2019 werde jedes neue Volvo-Fahrzeug mit einem Elektromotor ausgestattet sein, so die Konzernleitung. Was aber auch heißt: Hybride, also die Mischung aus Verbrennungs- und Elektromotor, sind noch immer möglich. Und weiter laufende Modelle wie der aktuelle XC90 müssen dann nicht unbedingt elektrifiziert sein. Klar ist: Der chinesische Eigentümer Geely drückt aufs Tempo, denn die Pekinger Partei- und Staatsführung will Elektroautos mit Macht in den heimischen Markt drücken. In Deutschland hat die schwedische Marke 2017 bisher um 3,6 Prozent zugelegt, was leicht über dem gesamtdeutschen Schnitt von 2,9 Prozent liegt. Bestseller war dabei übrigens der XC60 - trotz des gerade erfolgten Modellwechsels. Aber auch der XC90 steht im Marktumfeld gut da.

Im MOZ-Autotest - der Volvo XC90
Bilderstrecke

Volvo XC90

Bilderstrecke öffnen

Motor

Noch neu ist, dass Volvo, lange bekannt etwa für Fünfzylinder, auch im Flaggschiff lediglich Vierzylinder-Motoren mit zwei Litern Hubraum anbietet, die per Turbo und Kompressor zu Leistung getrieben werden. So sind zwei Diesel (190/235 PS) und zwei Benziner (254/320 PS) erhältlich. Dazu kommt die Top-Motorisierung, ein Plug-in-Hybrid, der als Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor auf 407 PS kommt. Der von uns gefahrene größte Selbstzünder ist, obwohl der XC90 ja noch neu ist, bereits überarbeitet worden. Die Power Pulse getaufte Technik nutzt Druckluft dazu, das Ansprechverhalten zu verbessern - so fällt die Turbogedenksekunde aus. Und auch die PS-Zahl legt leicht zu, um 10 auf 235 PS. Das maximale Drehmoment wächst ebenfalls um 10 auf 480 Newtonmeter. Damit lässt sich der immerhin fast 2,2 Tonnen schwere Wagen bei kultiviertem Ton in 7,8 Sekunden von 0 auf Tempo 100 beschleunigen. Und auf der Autobahn sind ohne Probleme 220 km/h möglich. Ihren Beitrag dazu leistet die serienmäßige Acht-Gang-Automatik.

Karosserie/Ausstattung 

Volvo hatte sich 13 Jahren Zeit gelassen, ein neues Flaggschiff vom Stapel zu lassen. Das Ergebnis jedenfalls überzeugt Kunden weltweit. Der aktuelle XC90 sieht großartig aus, außen wie innen. Und lässt zumindest auf den ersten Blick vergessen, dass es sich immerhin um einen 4,95 Meter langen und 1,78 Meter hohen Geländewagen handelt. Schnörkellos-modern steht der schwedische Riese da. Mit einer sehr selbstbewussten Front übrigens. Ganz großes Kino ist auch der Innenraum mit seinen drei Displays. Wobei der in der Mitte des Armaturenbretts angebrachte Touchscreen besonders überzeugt, weil er nicht nur fast so groß wie ein (aufrecht stehendes) Tablet ist, sondern auch hervorragend funktioniert. Und keine große Einarbeitung braucht. Eher normal in so einer Preisklasse sind das Head-up-Display und die digitalen Rundinstrumente. Absolut überzeugend wirken auch die Materialauswahl und die Verarbeitung des im Gegensatz zum Vorgänger bisher ausschließlich in Schweden gefertigten Fahrzeugs. Dazu kommen tolle Sitze, die es optional übrigens auch für bis zu sieben Insassen gibt. Als Siebensitzer stehen dann eher übersichtliche 314 Liter Kofferraum zur Verfügung, als Fünfsitzer bereits gewaltige 692 Liter - als Zweisitzer schließlich riesige 1866 Liter. Wie sich das für einen Volvo gehört, ist die Sicherheitsausstattung gewaltig. Stolz ist man etwa darauf, dass der XC90 als weltweit erstes Auto abbremst, wenn der Wagen beim Linksabbiegen Gefahr läuft, vom Gegenverkehr erfasst zu werden. Und der Notbremsassistent aktiviert sich nun auch, wenn er Fußgänger oder Fahrradfahrer in der Dunkelheit erkennt. Gerät man bei Gegenverkehr auf die Gegenfahrbahn, lenkt das Auto automatisch zurück. Um nur einige Beispiele zu nennen.

Fahrwerk 

Beim Fahrwerk kann man zwischen Blattfedern und Luftfederung wählen. Bei Letzterer, im Testwagen verbaut, lässt sich elektronisch die Härte verändern. Und auch die Bodenfreiheit kann man so noch von 24 auf 27 Zentimeter anheben. Trotzdem bleibt es dabei, dass der XC90 in erster Linie ein Reisemobil ist, mit dem sich bequem lange Strecken abspulen lassen, mit dem man sich aber notfalls auch ins Gelände wagen kann.

Wirtschaftlichkeit 

Den Einstieg in einen XC90 gibt es ab 54.050 Euro (kleiner Diesel mit Frontantrieb). Der von uns gefahrene D5 AWD beginnt bei 58.650 Euro. Aber dann muss noch längst nicht Schluss sein mit dem schwedischen Premiumniveau - mit allerlei netten Extras landete der Testwagen bei stolzen 91.600 Euro. Da kann einem schon mal die Luft wegbleiben. Auch der Testverbrauch lag mehr als zwei Liter über der Normangabe von 5,7 Litern Diesel auf 100 Kilometer. Die Versicherungseinstufung ist, wie bei einem Diesel üblich, mit 22/26/27 (Haftpflicht/Voll-/Teilkasko) ebenfalls nicht gerade günstig.

Fazit

Der XC90 überwältigt mit Design, Raum und Sicherheit. Das hat aber auch seinen skandinavischen Preis. Volvo zeigt im Übrigen, dass sich selbst solch ein Flaggschiff mit einem Vierzylinder überzeugend bewegen lässt. Hajo Zenker

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG