Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

VW Polo: Dem Golf dicht auf den Fersen

Wolfgang Brekeller / 07.09.2017, 17:01 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Was ist solider als ein Golf? Ein Polo vielleicht. Die nunmehr sechste Generation des über 14 Millionen Mal verkauften Volkswagens jedenfalls, so unser vorgezogenes Fazit nach ersten Testfahrten, lässt nahezu alle Einschränkungen vergessen, die gemeinhin mit der Wahl eines Kleinwagens verbunden sind. Der auf 4,05 Meter verlängerte und kräftig verbreiterte Neuling, der Ende des Monats bei den Händlern vorfährt, punktet nicht nur mit dem besten Raumangebot seiner Klasse für bis zu fünf Insassen samt Reisegepäck (351 Liter Kofferraum) und mit einer einzigartigen Individualisierungs- und Antriebsvielfalt (neun Motoren von 65 bis 200 PS), sondern auch mit einer konkurrenzlosen Fülle modernster Assistenz- und Infotainmentsysteme.

Von Kleinwagen ist bei VW denn auch kaum noch die Rede. Das neue, generell fünftürige Modell „bringt die Zukunft in die Klasse der Kompakten“, sagt VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch. Schließlich fußt der neue Polo auf dem modularen Querbaukasten (MQB), mit dem schon die Schwestermodelle Skoda Fabia und jüngst auch Seat Ibiza in allen technischen Belangen einen großen Schritt nach vorne gemacht haben. MQB mit seinen weit auseinander gerückten Achsen, der Radstand wuchs im Vergleich zum Vorgänger um über neun Zentimeter, ermöglicht auch die besonders knackigen Karosserieproportionen. Die habe man konsequent genutzt, so Chef-Designer Klaus Bischoff , um „einen starken Kompakten“ auf die Räder zu stellen. Wie auch immer: Der Polo VI wahrt zumindest mit den Außenabmessungen und dem Grundpreis (ab 12.975 Euro) noch respektvollen Abstand zum 21 Zentimeter längeren und knapp 5000 Euro teureren Golf, dem kompakten Bestseller des Hauses. Das war's aber auch schon.

Der neueste ist zugleich der erste Volkswagen, der mit der zweiten Generation des voll digitalen Cockpits angeboten wird - als Extra, versteht sich. Das sogenannte Active Info Display mit neuen und gestochen scharfen Grafiken füllt beinahe das ganze Armaturenbrett aus und ist frei programmierbar. Die Navi-Karte auf dem acht Zoll großen Touchscreen beispielsweise kann von der Mitte direkt in das Fahrerblickfeld gebeamt werden. Dahin, wo sonst große, gut ablesbare Digitalinstrumente wie Tacho und Drehzahlmesser sitzen, die sich zugunsten der Karte klein machen und an die Ränder rücken. Digitale Schnittstellen für Smartphones beider Betriebssysteme holen deren Apps und diverse Online-Dienste an Bord. Geladen wird das Handy übrigens nicht mehr per Kabel und Stecker, sondern induktiv, wenn es denn dafür ausgelegt ist. Auch in Sachen Assistenzsysteme ist der kleine VW ein ganz großer. Das Angebot der elektronischen, radar- und kamerabasierten Hilfskräfte reicht vom Abstandstempomat ACC, der bis Tempo 210 (!) seinen Dienst verrichtet, über Frontbeobachter samt City-Notbremse und Fußgängererkennung, Müdigkeits- und Totwinkelwarner bis hin zu Ein- und Ausparkpiloten. Sehr gut auch: Der Front Assist inklusive City-Notbremse gehört neben Berganfahrhilfe und Geschwindigkeitsbegrenzer zur Serienausstattung.

Von den insgesamt neun Motoren stehen zunächst allerdings nur drei zur Wahl. Das sind die eher behäbig zu Werke gehenden Dreizylinder-Sauger mit einem Liter Hubraum (65/75 PS) und der moderne Turbo-Drilling (1.0 TSI) mit 95 PS. Bis Jahresende folgen Turbobenziner mit 115, 150 und 200 PS, Letzterer für den künftigen GTI. Premiere feiert dann im Polo zudem ein Erdgastriebwerk mit 90 PS. Und, wer hätte das gedacht, auch zwei Selbstzünder(80/95 PS) komplettieren das Motorenprogramm. Die verlässliche Abgasreinigung der effizienten Diesel geschieht mit Harnstoffeinspritzung.

Der 95-PS-TSI glänzte in unserem Testwagen mit seidenweichem Lauf und reichlich Druck schon im Drehzahlkeller. Das ist ein Motor, der die Fahrwerksqualitäten des neuen Polo, der beinahe so zackig und ungerührt wie ein Gokart um die Ecke geht, stoisch geradeaus läuft und und alle möglichen Fahrbahnunebenheiten klaglos wegsteckt, so richtig zur Geltung bringt. Der Einsteiger unter den Turbobenzinern besorgt den Standardsprint von 0 auf Tempo 100 in 10,8 Sekunden und ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 187 km/h gut. Normverbrauch: 4,5 Liter Super. Das sind drei Zehntel weniger noch, als sich die Einstiegstriebwerke auf dem Papier genehmigen.

Leider gibt es den empfehlenswerten 95-PS-Motor erst ab Comfortline-Ausstattung, womit der Preis auf 17.200 Euro steigt. Kommt dann noch das digitale Cockpit inklusive Navi dazu (1405 Euro) und das 300-Watt-Soundsystem Beats im von uns gefahrenen Sondermodell (1875 Euro), ist die 20.000-Euro-Grenze locker überschritten. Auch in den Anschaffungskosten ist der Polo dem Golf halt dicht auf den Fersen. Wolfgang Brekeller

Kommentare

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG