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Aus Dankbarkeit Unkraut gejätet

Pflege mit Symbolkraft: Unkraut jäten die Jugendlichen auch auf den teilüberdachten Flächen des ehemaligen SS-Wirtschaftsgebäudes sowie auf den Wegen dorthin.
Pflege mit Symbolkraft: Unkraut jäten die Jugendlichen auch auf den teilüberdachten Flächen des ehemaligen SS-Wirtschaftsgebäudes sowie auf den Wegen dorthin. © Foto: Friedhelm Brennecke
Friedhelm Brennecke / 01.08.2014, 03:11 Uhr
Oranienburg (MZV) Zwei Wochen lang haben 35 Jugendliche unterschiedlicher ethnischer Herkunft, aber allesamt aus christlichen Gemeinden, mit Oranienburger Jugendlichen die Freizeit gestaltet. Zum Abschluss ihres Besuchs bedankten sie sich mit einem Arbeitseinsatz in der Gedenkstätte Sachsenhausen.

Knapp zwei Wochen ihrer Ferien oder ihres Urlaubs haben die Jugendlichen aus ganz Deutschland geopfert, um mit Oranienburger Jugendlichen ins Gespräch zu kommen, Fußball zu spielen, sowie Theater- und Musikworkshops zu organisieren oder Jugendgottesdienste im Christlichen Jugendzentrum Oranienburg (CJO) zu gestalten. "Das war für uns eine wunderbare Unterstützung unserer Arbeit am Skaterpark", sagt André Schönfeld vom CJO, das die Gäste eingeladen hatte.

"Bis zu 40 Oranienburger Jugendliche stießen in Spitzenzeiten zu uns, und wir konnten gemeinsam die Zeit sinnvoll und kreativ verbringen", sagt Benjamin Leuda, der ansonsten als Sozialarbeiter an einem ausgesprochenen Brennpunkt tätig ist, nämlich am Berliner Alexanderplatz. Er fand die Arbeit mit den Jugendlichen der Oberhavel-Kreisstadt sehr spannend und entspannend.

Andere Gäste stellten fest, dass zahlreiche junge Oranienburger teilweise bereits recht ungewöhnliche und heftige Lebenserfahrungen machen mussten. "Das mitzubekommen, ist schon hart", kommentieren dies einige der jungen Leute, deren Lebenswege bisher offenbar ruhiger und geordneter verlaufen sind.

Für die Gäste aus den christlichen Gemeinden - einige von ihren stammen aus Griechenland, Südafrika, Sri Lanka und Thailand - stellte die Stadt Oranienburg die Schlosspark-Turnhalle als Unterkunft kostenlos zur Verfügung. "Wir sind hier so herzlich und offen aufgenommen worden, dass wir uns bei der Stadt Oranienburg einfach mal erkenntlich zeigen und Dank sagen wollen", betont Pastor Mario Wahnschaffe von der Freien Christengemeinde Bonn, der solche Ferien- und Urlaubsaktionen seit vielen Jahren begleitet. "Auch auf Vorbehalte oder Fremdenfeindlichkeit sind wir hier nicht gestoßen", freut sich Wahnschaffe. Doch nicht nur Worte sollten es sein, sondern Taten, die für viele sichtbar sind.

"Gemeinsam mit der Stadt und der Gedenkstätte Sachsenhausen verständigten wir uns darauf, rund um das ehemalige SS-Wirtschaftsgebäude Unkraut zu jäten", sagt André Schönfeld. Also rückten die jungen Frauen und Männer unter Leitung von Katharina Molleker am Donnerstagnachmittag in der Gedenkstätte an, ließen sich dort mit Handschuhen, Hacken und Kratzern ausstatten, um dem Unkraut auf den Wegen zum ehemaligen SS-Wirtschaftsgebäude ("Grünes Ungeheuer") zu Leibe zu rücken.

"Wir freuen uns über diesen zivilgesellschaftlichen Einsatz engagierter junger Menschen in der Gedenkstätte Sachsenhausen, der zur Pflege und zum Erhalt des historischen Ortes beiträgt, aber auch eine hohe Symbolkraft hat", sagt Dr. Horst Seferens, Pressesprecher der Gedenkstättenstiftung. Heute reisen die Gäste wieder in ihrer Heimatorte zurück - mit vielen neue Erkenntnissen und guten Erinnerungen an Oranienburg.

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