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Plötzlich erstarrt

Üben, üben, nochmals üben: Gezielte Trainingseinheiten sollen Parkinsonpatienten vor Blockaden schützen. Freezing schränkt Betroffene nicht nur in ihrer Mobilität und Unabhängigkeit ein, sondern erhöht auch das Risiko, zu stürzen und sich dabei zu verletz
Üben, üben, nochmals üben: Gezielte Trainingseinheiten sollen Parkinsonpatienten vor Blockaden schützen. Freezing schränkt Betroffene nicht nur in ihrer Mobilität und Unabhängigkeit ein, sondern erhöht auch das Risiko, zu stürzen und sich dabei zu verletz © Foto: dpa-tmn
07.05.2015, 15:21 Uhr
(dpa) Von einer Sekunde auf die nächste ist die Erstarrung da. Das Freezing - eine Blockade, die Parkinson-Patienten am Weitergehen hindert - tritt ohne Vorwarnung auf.

"Die Betroffenen erleben das als sehr bedrohlich", erzählt Brigitte Kämpf, Mitbegründerin des Parkinson-Selbsthilfevereins "evanda - Leben mit Parkinson".

"60 bis 80 Prozent der Parkinsonpatienten leiden unter Gangblockaden", sagt Professor Andres Ceballos-Baumann, Chefarzt an der Schön Klinik München Schwabing, einer Parkinson-Spezialklinik. "Das schränkt sie nicht nur in ihrer Mobilität und Unabhängigkeit ein, sondern erhöht auch das Risiko, zu stürzen und sich dabei zu verletzen."

Was genau die Bewegungen einfrieren lässt, ist nicht geklärt - wie auch die Ursachen der Parkinson-Erkrankung nach wie vor im Dunkeln liegen. Ihren Ausgang nimmt die Krankheit, die 1817 vom britischen Arzt James Parkinson erstmals beschrieben wurde, im Gehirn. Sie lässt Nervenzellen absterben, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Mit Hilfe dieses Neurotransmitters kommunizieren Nervenzellen miteinander. Er ermöglicht die Feinabstimmung von Bewegungen, steuert das Wechselspiel von Beugern und Streckern in der Muskulatur. Fehlt es an Dopamin, stockt die Kommunikation zwischen Gehirn und Muskulatur. Abhilfe versucht die Medizin mit Dopamin-Ersatzstoffen zu schaffen. Allerdings wirken sie bei Parkinson-Patienten meist nur eine gewisse Zeit richtig zuverlässig, dann kommt es zu Wirkungsschwankungen.

Oft tritt das Freezing genau dann auf: "Viele Patienten erleben es zum ersten Mal, wenn die Dopamin-Ersatztherapie nicht mehr so gut wirkt", sagt der Neurologe Ceballos-Baumann. Manchmal hilft eine Umstellung auf andere Medikamente. Mehr Erfolg versprechen Therapien, bei denen die kritischen Situationen gezielt geübt werden. "Das hat nicht nur den Effekt, dass die Patienten Strategien entwickeln, um aus einer Freezing-Situation wieder herauszukommen, sondern führt auch dazu, dass Freezing weniger oft auftritt und nicht mehr als so belastend wahrgenommen wird", sagt Ceballos-Baumann, der mit seinem Team das "Münchner Anti-Freezing-Training" entwickelt hat.

Dabei wird zunächst analysiert, was beim Patienten das Freezing auslöst: Sind es vor allem Engstellen? Oder stockt die Bewegung immer kurz vorm Ziel? Diese Situationen werden geübt, zunächst in der Klinik, später zu Hause: "Das ständige Wiederholen und Üben ist wichtig, um den Effekt aufrechtzuerhalten", sagt Ceballos-Baumann.

An der Parkinson-Fachklinik in Beelitz kommt Musiktherapie zum Einsatz. "Wir analysieren das Gangbild. Gehrhythmus und -geschwindigkeit werden in Musik übertragen. Ziel ist es, das Gehen rhythmischer und sicherer zu machen", erläutert Musiktherapeut Stefan Mainka. Musik kann auch akut helfen: "Eine bestimmte Melodie, die sich der Patient ins Gedächtnis ruft, dient als Loslaufsignal."

Sowohl Anti-Freezing-Training als auch Musiktherapie werden beim stationären Aufenthalt von den Krankenkassen im Rahmen einer multimodalen Komplexbehandlung bezahlt. Im ambulanten Bereich gilt das auch für das Anti-Freezing-Training, etwa bei Physiotherapeuten.

Auch andere einfache Signale können die Erstarrung lösen: der Lichtpunkt eines Laserpointers, die Taktvorgabe eines Metronoms, ein Stock mit ausklappbarer Querstrebe, die überstiegen werden muss. Denn oft kann die vermeintlich schwierigere Bewegung die Blockade beenden. "Das ist das Paradoxe am Freezing", sagt der Chefarzt der Parkinson-Klinik in Beelitz-Heilstätten, Georg Ebersbach.

Das macht das Freezing für andere schwer nachvollziehbar: "Ein Patient kann problemlos einen Gang entlanglaufen, und plötzlich kommt er nicht durch die Tür", so Ebersbach. "Es bringt nichts zu drängen, zu ziehen und zu zerren", sagt Kämpf von der Selbsthilfegruppe. Sie lebt seit 15 Jahren mit Parkinson: " Stress und Angst machen alles nur noch schlimmer."

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