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Schlechte Zeiten für Kastanie

Trauriger Anblick: Die Gusowerin Ursula Kinzel betrachtet das Blatt einer Kastanie. In der Allee nach Werbig stehen viele davon, alle geschädigt - von der Miniermotte und dem Pilz.
Trauriger Anblick: Die Gusowerin Ursula Kinzel betrachtet das Blatt einer Kastanie. In der Allee nach Werbig stehen viele davon, alle geschädigt - von der Miniermotte und dem Pilz. © Foto: Johann Müller
Doris Steinkraus / 18.08.2015, 18:58 Uhr
Seelow (MOZ) In diesem Jahr sind viele Kastanien im oberen Bereich noch grün. Leser wollten wissen, ob sich die Rosskastanienminiermotte möglicherweise zurück zieht. Dem ist nicht so, wie wir aus dem Landesamt erfuhren. Im Gegenteil, die Zukunft der Kastanie ist ernsthaft gefährdet.

"Es gibt leider keine Entwarnung", erklärt Bianka Zimmer, zuständig für Pflanzenschutz im Landesumweltamt. Dass die Kastanien nicht, wie in den zurückliegenden Jahren, schon Ende Juli komplett braune Blätter haben und sie abwerfen, hänge mit der Trockenheit zusammen. Denn, das wüssten viele nicht: Die starke Braunfärbung der Kastanien rühre nicht nur von der Miniermotte, sondern bei vielen Bäumen auch vom Pilz. In Kombination mit der Miniermotte zeige sich dann immer ein besonders starkes Schadbild. Der Pilz entwickle sich vor allem bei feucht-warmem Wetter. Bleibt der Regen aus, stockt dessen Entwicklung. Das heißt, für den Pilz brachte der bisher so trockene Sommer schlechte Bedingungen. Das bringt den gestressten Kastanien etwas Erleichterung, aber das Hauptproblem bleibe, erklärt Bianka Zimmer.

"Wir werden vorerst mit der Miniermotte leben müssen", ist sie überzeugt. Und rät Bürgern, Kommunen oder auch Firmen, auf deren Gelände sich Kastanien befinden, etwas für die Bäume zu tun. "Man sollte bei Bäumen, die besonders prägend sind oder am Herzen liegen, alles unternehmen, um das Laub komplett zu entfernen", sagt die Pflanzenschutzexpertin.

Sobald die braunen Blätter abfallen, müssten sie gehäckselt oder anders zerkleinert werden. Am besten sei es, sie zu verbrennen, was aber in der freien Landschaft oder im Park allein schon aus Gründen des Immissionsschutzes nicht so einfach sei, wie Zimmer bekennt. "Möglich ist auch eine Entsorgung auf dem Kompost, aber dann muss das Laub zerkleinert sein und von mindestens 20 Zentimeter Erde überdeckt werden." Nur dann verrotte das Blatt komplett, fehle sowohl den Larven der Miniermotte als auch den Pilzsporen die Überwinterungsgrundlage.

Hält man die Flächen um "seine" Kastanien laubfrei, sei die Chance groß, dass die Miniermotte im Frühjahr nicht sofort loslegen kann, ebenso der Pilz. Das heißt letztlich, dem Baum bleibt eine Generation erspart. Muss die Kastanie nicht schon gegen den Anfangsbefall ankämpfen, hat sie mehr Kraft für die Entwicklung, erhält eine höhere Vitalität.

Denn der zeitige Laubabwurf ist nicht selten mit dem Austreiben neuer Blätter verbunden. Die Fachleute sprechen von "Notaustrieb". Für den werden wertvolle Nährstoffe aus der Rinde eingesetzt, die dem Baum zum sicheren Überwintern fehlen und ihn schwächen. Er werde dann auch anfällig für Folgekrankheiten, zum Beispiel für das Holz zerstörende Pilze wie Samtfußrübling oder Brandkrustenpilz, erklärt Bianka Zimmer. Da die Miniermotte inzwischen fast flächendeckend verbreitet ist, komme der Befall durch die Motte und den Pilz allein durch den Wind ohnehin fast immer im Laufe des Jahres. Ausnahmen seien Einzelbäume, die abgeschirmt stehen. Aber selbst die seien nicht gefeit gegen einen weiteren neuen Feind der Kastanie - gegen das Pseudomonas. Dabei handelt es sich um ein Bakterium, das unweigerlich zum Kastaniensterben führt. In den alten Bundesländern beschäftigt dieses Phänomen die Experten schon einige Jahre. Jetzt ist es auch in Brandenburg angekommen ist. "Dafür gibt es bisher noch kein Gegenmittel", bedauert Bianka Zimmer. Die Krankheit treffe auch die rot blühenden Kastanien, die bisher von der Miniermotte noch verschont werden.

Die Aussichten für Kastanien seien derzeit schlecht, sieht es die Pflanzenschutzexpertin. Sie rät deshalb auch, zumindest in den nächsten drei Jahren bei Baumneupflanzungen auf Kastanien zu verzichten. Es werde intensiv daran gearbeitet, gegen die Schädlinge resistente Sorten zu züchten. Die derzeit typische Rosskastanie werde die Dauerbelastung durch Miniermotte und Pilze nicht mehr lange überstehen. Greife das Bakterium auf einen Baum über, ist das Absterben ohnehin programmiert. Deshalb brauche es dringend Forschungserfolge, um den in jedem Ort zu findenden traditionellen Baum nicht eines Tages völlig zu verlieren.

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