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Neue gesetzliche Änderungen in der Pflege / Experten raten zu Ehrlichkeit bei Einstufung in Pflegegrad

Sich zu schämen, kostet Punkte

Versammlung zur Pflege: Dieter Siegesmund, Vorsitzender des Beeskower Seniorenbeirates mit Martina Helminiak und Cornelia Ewert (v.l.)
Versammlung zur Pflege: Dieter Siegesmund, Vorsitzender des Beeskower Seniorenbeirates mit Martina Helminiak und Cornelia Ewert (v.l.) © Foto: MOZ
Ruth Buder / 08.09.2016, 18:32 Uhr
Beeskow (MOZ) Mit dem 2. und 3. Pflegestärkungsgesetz kommen auf Betroffene Änderungen zu. Darüber informierten die beiden Expertinnen Martina Helminiak und Cornelia Ewert auf einer Veranstaltung des Seniorenbeirates.

Zu den rund 50 Zuhörern gehört auch Christa Göritz. Sie pflegt, unterstützt von einem Pflegedienst, ihren gleichaltrigen Mann, der seit vier Jahren fest an das Bett gefesselt ist. Nun kommen auch auf sie Änderungen zu - insbesondere mit dem 2. Pflegestärkungsgesetz, das im nächsten Jahr in Kraft tritt. Martina Helminiak, Sozialplanerin in der Kreisverwaltung, und Cornelia Ewert, die in Beeskow das Anlauf- und Beratungs-Center in der Rouanetstraße (beim DRK) leitet, informieren, dass der Begriff Pflegestufe abgeschafft wird. Künftig werde von Pflegegraden von 1 bis 5 gesprochen. Es müsse aber kein Betroffener Sorge haben, dass sich für ihn etwas verschlechtert. Im Gegenteil: Besonders im mentalen Bereich werde mehr Zuwendung finanziert, auf für Demenzkranken gebe es Verbesserungen. Ein Beispiel: Wer jetzt in der Pflegestufe 1 ohne Demenz ist, kommt automatisch in den Pflegegrad 2, mit Pflegestufe 1 und Demenz in den Pflegegrad 3. "Wo bei Pflegebedürftigen eine Demenz verzeichnet wird, lohnt es sich, sich prüfen und neu einstufen zu lassen", erklärt Martina Helminiak. Ansonsten sei eine erneute Überprüfung nicht nötig, die Umstellung von Pflegestufe auf Pflegegrad erfolge automatisch. Sicher sei aber: Für mehr Geld könne man sich mehr Leistung erkaufen.

Die Einstufung in die Pflegegrade nehme nach wie vor der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) einmal im Jahr vor, dessen Vertreter Hausbesuche machen - nach dem neuen Gesetz auch unangemeldet. Die beiden Expertinnen rieten, sich auf den Besuch des MDK gut vorzubereiten. Denn immer wieder werde festgestellt, dass Pflegebedürftige sich vor dem MDK besser darstellten, als ihr Zustand tatsächlich sei. "Wenn eine Behörde auftaucht, wollen sich besonders ältere Menschen immer von der besten Seite zeigen, sie schämen sich, dieses oder jenes nicht mehr zu können", berichtet Cornelia Ewert aus Erfahrung. Dann könnten sie sich allein waschen, allein essen und sich auch selbstständig bewegen. Wenn der MDK-Mitarbeiter seinen Laptop aufklappe und beiläufig seine Fragen stelle, bekämen viele ältere Menschen Angst, alle ihre Leiden ehrlich mitzuteilen, wovon die Einstufung in einen bestimmten Pflegegrad abhänge. "Deshalb sollte immer ein Angehöriger mit dabei sein", rät Cornelia Ewert. Wer nicht "sein wahres Gesicht" zeige, hätte später Nachteile. Denn jedes Anzeichen von Selbstständigkeit mindere die Punktzahl (nach dem neuen Gesetz wird nicht mehr nach Minuten, sondern nach Punkten berechnet). Wer zum Beispiel angibt, er könne sich in der Wohnung selbstständig mit dem Rollator bewegen, gelte als mobil und bekomme keinen Punkt. "Fragen Sie beim Gutachter genau nach, was er meine. Und holen Sie sich Hilfe bei unabhängigen Einrichtungen", verwies Martina Helminiak auf die Pflege-Beratungstellen in Beeskow, Erkner, Fürstenwalde und Eisenhüttenstadt.

Bestehen bleibe der Zuschuss in Höhe von 4000 Euro für Investitionen, zum Beispiel für ein barrierefreies Bad und die 125 Euro monatlich, die für niederschwellige Angebote von Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen beantragt werden könnten. "Das Geld kann dafür verwendet werden, eine Person seines Vertrauens zu engagieren, die zum Beispiel den pflegenden Angehörigen ermöglicht, sich persönliche Freiräume zu schaffen", erklärt Cornelia Ewert, die in Beeskow auch den Helferinnenkreis betreut.

Was für Pflegeleistungen gezahlt wird:

Pflegegrad12345
■ Geldleistung anpflegende Angehörige-316545728901
■ Sachleistung fürPflegedienste in Euro-689 1298 1612 1995

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