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Reisen mit lokalen Veranstaltern

dpa / 21.09.2017, 16:08 Uhr - Aktualisiert 12.10.2017, 13:56
Berlin (dpa) Pauschaltourist oder Backpacker? Komfortpaket oder alles auf eigenes Risiko? Dieses Schwarzweiß-Denken ist überholt. Im Netz vermitteln Portale wie Mister Trip oder Wedesigntrips maßgeschneiderte Reisen lokaler Reiseveranstalter. Das hat einige Vorteile.

Für die Entdeckung ferner Länder gab es lange Zeit nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Urlauber buchte bei einem deutschen Reiseveranstalter eine organisierte Reise, quasi das Rundum-Sorglos-Paket. Oder er plante alles selbst und zog los als Individualtourist, gerne mit Rucksack. Das Internet bietet heute aber einen dritten Weg: den lokalen Veranstalter vor Ort. Warum nicht gleich in Südafrika buchen statt bei Tui oder Meier's Weltreisen?

Google und Bewertungsportale helfen zwar bei der Suche nach einem guten Anbieter. Doch oft ist es eine Herausforderung, zuverlässige Agenturen im Reiseland zu finden. Genau hier setzen verschiedene Start-ups an. Sie heißen Mister Trip, Wedesigntrips oder Evaneos und bringen deutsche Reisenden und örtliche Veranstalter zusammen.

Wie funktionieren die Angebote genau?

Das Grundprinzip ist immer ähnlich: Auf der Seite des Portals nennt der Urlauber seine Reisewünsche, also etwa Ziel, Zeitraum, Orte und bevorzugte Aktivitäten - alles auf Deutsch. Die Plattform vermittelt dann einen lokalen Veranstalter, der anhand der genannten Wünsche eine maßgeschneiderte Reise zusammenstellt. Nach Buchung verwaltet es außerdem die Zahlung des Urlaubers und steht als Ansprechpartner für Fragen und Änderungen weiter zur Verfügung.

Wedesigntrips sitzt in Österreich, aber 80 Prozent der Kunden sind Deutsche. Der Anbieter arbeitet mit Partnern in 35 Ländern zusammen. "Wir liefern eine verlässliche Auswahl und eine Plattform für die Kommunikation und die Zahlungsabwicklung", sagt Geschäftsführer Ambros Gasser. "Damit man nicht 2000 Euro einfach nach Südafrika überweisen muss." Eine Reisekrankenversicherung ist auch inklusive.

Wedesigntrips, das deutsche Unternehmen Mister Trip und Evaneos mit Sitz in Frankreich vermitteln meist komplette Reisen. Für einzelne Ausflüge sind die Anbieter nicht gedacht. Bausteine sind möglich. Die Franzosen zum Beispiel buchen auch internationale Flüge, häufigste Ziele in 2017 sind Sri Lanka, Costa Rica, Peru und Island.

Was sind die Vorteile für Urlauber?

Die Anbieter werben vor allem damit, dass ihre Reisen im Gegensatz zur Pauschalreise etwa von Tui komplett individuell sind - und im Vergleich zur Eigenrecherche im Netz bequem zu buchen.

"Der Wunsch nach Individualisierung ist riesengroß", sagt Martin Buller, Vorstand im Verband Internet Reisevertrieb (VIR). "Die Pauschalreise kommt aus einer Zeit, in der die Menschen noch kein Englisch gesprochen haben und Italien exotisch war. Man konnte nicht einmal mit dem Hotelier telefonieren." Die Urlauber heute können sich meist verständigen und sind weit gereist. Soll heißen: Die starre Pauschalreise ist für sie oft kein zeitgemäßes Produkt mehr.

Tatsächlich folgen viele Rundreisen deutscher Veranstalter durch Länder wie Südafrika oder Sri Lanka einem mehr oder wenigen festen Programm. "Das ist oft sehr unflexibel", sagt Gasser.

Die Portale betonen außerdem die Expertise der lokalen Partner. Nach Ansicht Gassers kann ein deutsches Reisebüro, das alles von Surfen an der Algarve bis Safari in Afrika anbietet, da nicht mithalten.

Eine Fernreise komplett selbst zusammenzustellen, ist dagegen oft auch kein Spaß. "Es ist ein hoher Rechercheaufwand, den richtigen  Anbieter vor Ort zu finden", sagt Michael Wurst, Geschäftsführer von Mister Trip. Wie kommt man von A nach B? Was für Aktivitäten gibt es? Wie seriös ist die lokale Agentur wirklich? Wer Vollzeit arbeitet, hat oft keine Zeit, all diese Fragen selbst zu klären.

Durch die Umgehung von deutschem Reisebüro und deutschem Veranstalter soll zudem mehr Geld im Reiseland ankommen. Mit "Local-made trips" wirbt Evaneos, Reisen von Einheimischen gemacht. Und Wedesigntrips arbeitet nur mit inhabergeführten Agenturen, die keinem ausländischen Konzern gehören. Dadurch schrumpft die Wertschöpfungskette, auch wenn die Portale natürlich auch ihre Provisionen kassieren.

Die Reisen der lokalen Veranstalter sind nicht grundsätzlich günstiger als eine Pauschalreise. Mit dem Preis werben die Portale nicht - sie betonen vor allem das individuelle Angebot nach Maß.

Für wen sind solche Reisen interessant?

"Unsere Zielgruppe sind Menschen, die eher 35 als 25 sind", sagt Gasser. "Sie wollen reisen wie früher, haben aber nur noch zwei Wochen statt zwei Monate Zeit. Und statt 5 Dollar pro Nacht im Hostel geben sie nun gerne auch mal 50 Dollar im Hotel aus." Es sind also oft ehemalige Rucksackreisende, die in die Jahre gekommen sind und ein gewisses Maß an Organisation und Absicherung schätzen. Gasser nennt sie augenzwinkernd "Backpacker mit Bausparvertrag".

Auch bei Mister Trip bestehen die Kunden keineswegs nur aus jüngeren Leuten. Die Zielgruppe liegt Wurst zufolge bei 35 bis 55 Jahren, aber auch viele deutlich ältere Reisende seien dabei.

Was passiert, wenn etwas schiefgeht?

Der große Vorteil der deutschen Pauschalreise ist ihre rechtliche Absicherung: Der Urlauber bekommt bei Insolvenz des Veranstalters sein Geld zurück, kann bei Mängeln nachträglich den Reisepreis mindern und Schadenersatz verlangen. Die Portale sind dagegen nur Vermittler, der Vertrag kommt mit dem lokalen Veranstalter zustande. Und das ist laut der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bei Haftungsfragen entscheidend. Im Zweifel gilt südafrikanisches oder peruanisches Recht. Nachträgliche Ansprüche lassen sich in Nicht-EU-Ländern oft nur schwer durchsetzen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Reisende hilflos der lokalen Agentur ausgeliefert ist. Die Vermittler haben Ansprechpartner im Zielland, es gibt Notfallnummern und Kontaktadressen. Kunden können die Veranstalter bewerten. Wer schlecht ist, fliegt raus.

Wedesigntrips zum Beispiel arbeitet nur mit ausreichend versicherten Agenturen mit mindestens fünf Jahren Erfahrung und deutschsprachigen Mitarbeitern vor Ort. "Die meisten unserer Partner gibt es seit 20, 25 Jahren", sagt Gasser. Die Qualität werde ständig kontrolliert.

Ob sich für die Vermittlungsportale etwas ändert, wenn ab Sommer 2018 das neue Pauschalreiserecht gilt, ist noch offen. Das neue Gesetz soll Urlauber, die sich ihre Reise im Internet zusammenstellen, besser schützen, etwa mit einer Insolvenzabsicherung. "Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor", sagt Wurst.

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