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In jeder Beziehung ein heißer Tipp

Kraterseen und grüne Landschaften.
Kraterseen und grüne Landschaften. © Foto: .visitazores
Redaktion / 13.11.2017, 16:26 Uhr - Aktualisiert 14.11.2017, 11:03
São Miguel (MOZ) Wie die Azoren einstmals entstanden sind? Man muss sich nur einmal den 2351 Meter hohen Berg Pico auf der gleichnamigen Insel anschauen: Der höchste Berg Portugals outet sich durch seine perfekte Kegelform auf den ersten Blick als Vulkan. Neben ihm sind es noch weitere 1765 Vulkane, die vor Jahrtausenden den Archipel weit draußen im Atlantik entstehen ließen. Grund dafür ist die besondere Lage in einer unruhigen Zone auf dem Mittelatlantischen Rücken. Hier stoßen tief im Erdinneren Europa und Afrika sowie Amerika aneinander. Es kam immer wieder zu Reibungen, die die ozeanische Kruste aufreißen und Magma emporsteigen ließen - nichts anderes als kleine und große Vulkanausbrüche unter Wasser. Im kalten Meerwasser kühlte das Magma ab und wurde fest. Dieser Vorgang wiederholte sich, sodass die unter Wasser entstandenen Magmaberge immer höher wurden, bis sie eines Tages über den Meeresspiegel reichten - und die Azoren geboren waren.

Alles Schnee von gestern? Nein - neun dieser Vulkane sind bis heute leicht aktiv, und welch immense Kraft sie nach wie vor freisetzen können, zeigte sich zuletzt am 1. Januar 1980, als die Stadt Angra do Heroísmo auf Terceira bei einem schweren Erdbeben in Schutt und Asche gelegt wurde. Den letzten neu entstandenen Vulkan kann man wiederum auf Faial besichtigen. Gerade einmal 60 Jahre ist es her, dass an der Südspitze der Insel der Capelinhos aus dem Meer stiegt und ein Dorf samt Leuchtturm unter Asche begrub - bis heute eine gespenstische, lavaschwarze Mondlandschaft, die im harten Kontrast zu der sonst so grünen Insel steht.

Seit März 2013 haben die Azoren den Status eines UNESCO-Geoparks. Mit über 120 geologischen Stätten, die sich über die neun Inseln und das sie umgebende Meeresgebiet verteilen, ist er weltweit einzigartig. Natürlich prägen die Vulkane die gesamte Landschaft - etwa in Form von Kraterseen, von denen die Caldeira das Sete Cidades auf São Miguel wegen ihrer unvergleichlichen Schönheit wohl zu Recht der berühmteste ist. Beim Erstarren der Lavaströme haben sich zudem an vielen Stellen Hohlräume und unterirdische Tunnelsysteme gebildet - heute ein wahres Paradies für Höhlenforscher aus aller Welt. Längst haben die Azoreaner gelernt, mit der vulkanischen Aktivität unter ihren Füssen zu leben. Und sie nutzen die positiven Aspekte des brodelnden Untergrunds: Ein erheblicher Teil der Energie auf den Inseln wird aus Geothermie gewonnen, und da auch Sonnenund Windenergie genutzt werden, räumt die Region immer wieder internationale Nachhaltigkeitspreise ab. Davon abgesehen schwimmt es sich in warmen Thermalbädern sehr angenehm, und in Furnas auf São Miguel ist der Vulkanismus sogar für eine beliebte kulinarische Spezialität verantwortlich: Für das Gericht Cozido (Gekochtes) werden Fleisch, Würste, Gemüse und Kräuter zusammen in große Kochtöpfe geschichtet und diese - gut verschlossen - in Betonröhren versenkt, in denen die Eintöpfe dann einige Stunden lang durch die vulkanische Hitze gegart werden.

Mannshohe Hortensienhecken, blau und türkisgrün funkelnde Kraterseen, schroffes Vulkangestein, atemberaubende Lavastrände - und üppiges Grün, immer wieder Grün: Nur wer einmal in seinem Leben auf den Azoren war, hat eine halbwegs realistische Vorstellung davon, wie viele Schattierungen dieser einen Farbe die Natur hervorbringt. Und um dies zu erleben gibt es keine bessere Methode, als einfach loszuwandern. Auf welcher Insel? Am besten dort, wo Sie gerade sind, denn das Wandern ist auf allen neun Inseln des Archipels ein pures Vergnügen.

Insgesamt gibt es auf den Azoren rund 80 markierte Wanderwege, die zusammen über 800 Kilometer lang sind. Sie sind je nach Anforderung und Länge klassiziert und gut markiert. Sie wollen nur einen etwas größeren Spaziergang machen? Kein Problem... Sie wollen den ganzen Tag per pedes durch die Natur streifen? Das ist genauso gut möglich. Und wer besonders gut zu Fuß ist, kann bei einer Wanderung auf einem der fünf Fernwanderwege einige der Inseln bis in den letzten Winkel erforschen. Verschiedene Veranstalter bieten auch geführte Wanderreisen auf die Azoren an, und auf der Website trails.visitazores.com (auch auf Deutsch) kann sich jeder Besucher schon vorab die für ihn passenden Routen heraussuchen und sogar eine Karte ausdrucken.

Eine besondere Herausforderung stellt der Montanha do Pico dar: Für den mit 2351 Metern höchsten Berg Portugals sollte man schon gute Kondition mitbringen - immerhin sind rund 1000 Höhenmeter zu bewältigen, für die man mindestens sechs Stunden Gehzeit und warme Kleidung mitbringen sollte. Die Belohnung allerdings lässt die Mühen des Aufstiegs vergessen: An Tagen mit gutem Wetter hat man einen unvergleichlichen Blick über das gesamte Archipel weit hinaus auf den Atlantik.

Auch für Radfahrer - vor allem für Mountainbiker - sind die Azoren ein lohnendes Ziel. Auf den ehemaligen Wegen der Schafhirten oder auf asphaltierten Feldwegen können sie rund um idyllische Seen strampeln oder zur Erfrischung einsame Strände ansteuern - Auswahl an Strecken gibt es genug. Und nicht zuletzt gibt es - vor allem auf São Miguel - ein großes Netz an wenig befahrenen Nebenstraßen für all jene, die lieber auf etwas soliderem Untergrund unterwegs sind.

Für Downhill-Experten hält man auf Faial ein besonderes Angebot bereit: Ein Bus fährt sie samt Bike zur Caldeira, dem Kraterrand hinauf. Von dort führt dann eine lange Abfahrt rund 1000 Höhenmeter hinab zum Strand.

Wer es zu umständlich findet, sein eigenes Rad aus Deutschland mitzubringen, kann den Drahtesel auch vor Ort mieten. Fahrradverleiher gibt es in wachsender Zahl, und vielerorts haben sie auch E-Bikes im Angebot. Für Besucher mit wenig Kondition ist das in Anbetracht der topographischen Gegebenheiten auf den Inseln nicht unbedingt die schlechteste Lösung...

Der Vulkanismus prägt auf den Azoren nicht nur die Landschaft über dem Meeresspiegel, sondern auch darunter. Heiße Unterwasserquellen und fast unberührte Unterwassergebirge, geheimnisvolle Grotten und bizarre Lavabögen, dazwischen Schiswracks, in denen sich Fische und andere Meerestiere behaglich eingerichtet haben - für Taucher gibt es rund um die neun Inseln sehr viel zu entdecken.

Die Saison ist auch nach den warmen Sommermonaten nicht vorbei, denn selbst im Winter fällt die Wassertemperatur selten einmal unter 16 Grad. Weil es auf den Azoren kaum Industrie gibt, ist auch die Wasserqualität überragend: Sichtweiten von mehr als 30 Metern sind keine Seltenheit.

Das warme Wasser des Golfstroms und nährstoreiche Strömungen sorgen in den azoreanischen Gewässern für einen enormen Artenreichtum - Wissenschaftler haben rund 600 verschiedene Fischarten gezählt, darunter verschiedene Haie, Mantas und Riesenmantas.

Auch große Meeressäuger fühlen sich hier wohl: 24 verschiedene Wal- und Delnarten werden regelmäßig gesichtet, zu denen je nach Saison Bootsaus?üge angeboten werden. Hotspots für Taucher sind u.a. das Ri Baixa da Ponta dos Rosais vor São Jorge und das für seine vielen Zackenbarsche berühmte Revier Caneiro dos Meros, das zum UNESCO-Bioreservat der Insel Corvo gehört.

Inzwischen hat sich das Tauchen auf den Azoren zu einer der wichtigsten Touristenattraktionen entwickelt, und so gibt es auf allen Inseln gut ausgestattete Tauchbasen und -schulen, deren Lehrer zumindest Englisch, teilweise aber auch Deutsch sprechen.

Guter Wind, kraftvolle Wellen, kristallklares Wasser und die herrliche Landschaft begeistern auch Surfer, Windsurfer und Bodyboarder. Vor allem die Surfbuchten vor São Miguel und Santa Maria sind beliebt bei den Wassersportlern, die aus aller Welt anreisen, São Jorge ist für seine besonders langen Wellen berühmt. Generell bietet jede der neun Inseln gute Voraussetzungen zum Surfen. Und natürlich zum Segeln. Weltberühmt ist der Jachthafen von Horta auf Faial, der für Transatlantiksegler in diesen Breitengraden zum unersetzlichen Zwischenstopp geworden ist. Selbst Landratten sollten dort einmal vorbeischauen, denn es gehört zum guten Ton, dass sich jede Bootsbesatzung bei ihrem Aufenthalt an der langen Kaimauer mit einem selbst gemalten Bild verewigt. Wer aber nur einmal rund um eine oder zwei Inseln segeln will, ndet auch Charterunternehmen, die hochseetaugliche Boote (auch mit Skipper) vermieten.

Nicht zuletzt bieten natürlich auch die zahlreichen Kraterseen Möglichkeiten für Wassersport-Fans: Man kann sie z.B. mit dem Kanu, dem Kajak oder den immer beliebteren SUP-Boards erkunden und entdeckt dabei eine ganz neue Perspektive auf die atemberaubende Vulkanlandschaft.

www.visitazores.com

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