Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Das sündige "London am Meer"

Gitta Dietrich / 03.12.2017, 12:21 Uhr - Aktualisiert 05.12.2017, 10:17
Brighton (MOZ) Sängerin Adele lebt dort, und Hollywood-Beau Leonardo DiCaprio soll sich auch schon nach einer luxuriösen Bleibe umgeschaut haben. Etliche Stars tummeln sich in Brighton, weil sie sich so schön unbemerkt unter das unaufgeregte Volk mischen können. Doch vornehmlich den gestressten Londoner treibt es in den modernen Küstenort am Ärmelkanal. Falls man ein "dirty weekend" haben möchte, also ein "schmutziges Wochenende", sei Brighton die erste Adresse, heißt es im Volksmund.

Rund 400 Restaurants und Bars, Kunst und Kultur, Shopping - Brighton ist eigentlich wie London, eben nur am Meer und praktischerweise nur knapp 50 Minuten Bahnfahrt von der Metropole entfernt. Das größte und bekannteste Seebad im Vereinigten Königreich. Bekannt für seine Freizügigkeit.

Wer dort leben kann, darf sich glücklich schätzen. Etwas Kleingeld muss man allerdings auf der hohen Kante haben, um im hippen Brighton sesshaft zu werden. Das ehemalige Fischerdorf hat sich gemausert. In den 1980er-Jahren recht heruntergekommen, residieren heute 280000Menschen an diesem Fleckchen Erde an der Südküste Englands. Im Gegensatz zum überlaufenen London, lebt man dort entspannter und überaus stilvoll.

Morgens in die Galerie, mittags in den trendigen Läden der North Lanes shoppen, einen Tee am Pier und abends ins Popkonzert im Brighton Dome. Alles ist fußläufig erreichbar. Vom Bahnhof strömen die Besucher meist hinunter durch die Geschäftsstraßen zum Strand. Vor der Promenade sollte man jedoch unbedingt einen Stopp einlegen: im Herzen von Brighton, beim Royal Pavilion. Er war die einstige Residenz des Prince of Wales, des späteren George IV. (Regentschaft von 1820 bis 1830). Bereits 1783 verschlug es den Adelsspross nach East Sussex. Abseits des steifen Hofzeremoniells, lebte er recht frei, bescherte der Stadt ihr sündiges Image. Goldene Zeiten für Brighton. 

Rund 400 Restaurants und Bars, Kunst und Kultur, Shopping - Brighton ist eigentlich wie London, eben nur am Meer und praktischerweise nur knapp 50 Minuten Bahnfahrt von der Metropole entfernt. Das größte und bekannteste Seebad im Vereinigten Königreich.
Bilderstrecke

Stippvisite in Brighton

Bilderstrecke öffnen

Alles andere als ein typisches englisches Schlösschen ist der Royal Pavilion. Inspiriert von indischen Palästen, hat sich der exzentrische Adlige damit seinen "individuellen Wohntraum" erfüllt. "Er ist über 40 Jahre gewachsen, so wie das Geld zur Verfügung stand", erklärt Terence Ryder. Er führt jeden Tag unzählige Touristen durch die Gemächer.

Den Pavilion kann man von oben und von unten entdecken. Unendliche Tunnel verbinden die einzelnen Gelasse miteinander. In engen Kammern lagerten in jenen Tagen Tausende Betttücher. Die Dienerschaft lebte unter Tage, feuerte an die 200 Kamine an. Für einen Aha-Effekt sorgt der Aufstieg zu den Zimmern. Während herrschaftliche Bauten oftmals unbehaglich waren, findet man im Pavilion, der als exotischster Palast Europas gilt, eine Oase der Gemütlichkeit vor. Die Räume kommen im chinesischen Ambiente daher. Der Prince of Wales vertrieb sich die Zeit unter anderem mit Wasserkuren - die auch viele Großstädter in Scharen nach Brighton lockten - und der schönen Kunst. "Es war seine Zuflucht", erzählt Ryder.

Das Geländer der großen Freitreppe ist aus Bambus gefertigt. Der Bankettsaal, mit langer Tafel und romantischen Malereien, hat schon häufig als Filmkulisse gedient. Gerade erst war hier Schauspieler Benedict Cumberbatch als Erfinder Thomas Edison zugange, berichtet der Schlossführer stolz. Highlight sei wohl der riesige Kronleuchter. "Auf den waren die königlichen Verwandten im Buckingham Palace äußerst neidisch." Sie entrissen ihn Brighton. Doch nur die Decke des Bankettsaales konnte das Schwergewicht "halten", und so kehrte der Schatz schließlich zurück. 1850 ging der Pavilion für 53000 Pfund an die Stadt. Danach diente er als Versammlungsort, während des Ersten Weltkrieges als Lazarett für verwundete Soldaten aus Indien und Westindien. Für die Bevölkerung ist er übrigens kein Ort, an dem man ehrfürchtig wandelt. Man kann dort ganz bürgerlich heiraten, und im Winter drehen die Kinder der Stadt auf der Eisbahn vor dem Gebäude ihre Runden.

Vielen wird der Brighton Dome, gleich nebenan, ein Begriff sein. Dort hat Abba mit "Waterloo" den Eurovision Song Contest im Jahre 1974 gewonnen. Alle Großen der Musikszene spielten und spielen dort - von David Bowie bis zu den Gorillaz. Das ganze Jahr über finden im Dome Konzerte, Tanz- und Theaterveranstaltungen statt. Klein, aber fein geht es dann zu.

Eine Institution ist das über 200 Jahre alte Theatre Royal Brighton. Hier erlebt man Aufführungen, bevor sie das Londoner West End erreichen - vom Drama bis zum Musical. Wer es derber mag, den typischen, tiefschwarzen englischen Humor, sollte ein Ticket für "Die Komedia" lösen. Das Brighton Museum & Art Gallery beherbergt hingegen drei Galerien, die sich mit bildender Kunst befassen. Es liegt im Garten des Pavilion.

Wer des intellektuellen Kunst- und Kulturangebotes überdrüssig ist, den zieht es irgendwann an den Strand. Selbst in der kalten Jahreszeit lohnt eine Stippvisite. Meist friedlich wiegen sich die Wellen, man muss genau hinhören, um ein Rauschen zu erhaschen. Ein Spaziergang in Richtung Pier, bei strahlend blauem Himmel, ein Besuch in einem der vielen Fischrestaurants - ein Genuss, bevor man ins wilde, sündige Nachtleben eintaucht. Brighton ist eine Entdeckung für jeden, der London liebt und sich nach der Küste sehnt - eben ein "London am Meer". So war es schon zu Zeiten des Prince of Wales - und so ist es heute noch.

Anreise: Mit dem Flugzeug von Berlin nach London-Heathrow oder London-Gatwick. Weiter mit dem Zug (www.nationalrail.co.uk) oder Bus (www.nationalexpress.com) nach Brighton. Die kürzeste Anreise hat man vom Airport Gatwick aus. Mit der Bahn ist man in nur 25 Minuten im Zentrum des Küstenortes.

Veranstaltungstipp: Latest Musicbar - im oberen Stockwerk befindet sich ein/e Café/Bar, wo man Konzerten lauschen kann, unten herrscht Cabaret-Atmosphäre (www.thelatest.co.uk/musicbar). Das Marlborough Theatre befindet sich über einem klassischen Pub und bietet einen Mix aus Comedy, Theater und Musik. Außerdem beheimatet es das Pink Fringe (www.drinkinbrighton.co.uk/marlborough).

Unterkunft: Wer mit direktem Blick auf den Ärmelkanal und die Strandpromenade aufwachen möchte, sollte sich im The Old Ship Hotel einmieten, einem der ältesten Häuser von Brighton. Dort kommt man für 75 Pfund (84 Euro) pro Nacht unter (www.cairnhotelgroup.com/hotels/old-ship-hotel-brighton).

Informationen: www.visitbrighton.com

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG