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Quitten so groß wie Zitronen

Stolz auf seine Quitten: Bernd Rintisch, der Chirurg im Ruhestand, erntet die Fr³chte nicht nur, sondern muss sie auch mit einer scharfen Machete in Viertel zerlegen. Seine Frau Sabine kocht dann Konfit³re draus.Foto: GMD/ Karl-Heinz Arendsee
Stolz auf seine Quitten: Bernd Rintisch, der Chirurg im Ruhestand, erntet die Fr³chte nicht nur, sondern muss sie auch mit einer scharfen Machete in Viertel zerlegen. Seine Frau Sabine kocht dann Konfit³re draus.Foto: GMD/ Karl-Heinz Arendsee © Foto:
RBUDERN / 20.10.2008, 06:10 Uhr
Beeskow () Es ist nicht nur Apfel- und Birnenzeit, auch die Quitte - die Cydonia oblonga - ist erntereif. Allerdings gibt es sie nicht so häufig und wenn, sind die Früchte zumeist klein. Einen sehr stattlichen, ausladenden Strauch in Baumhöhe haben Martin und Sabine Rintisch in ihrem Vorgarten in Buckow. Jedes Jahr ernten sie drei bis vier Zentner der birnenförmigen Früchte, die aus der Ferne aussehen wie große Zitronen. Für die Verarbeitung muss der pensionierte Chirurg Vorarbeit leisten und die sehr harten Früchte mit der Machete spalten.

Es soll eine Quitte und kein Apfel gewesen sein, mit der Eva Adam verführt hat. Wahrscheinlich hätte er sich daran die Zähne ausgebissen. Denn Quitten sind steinhart. Das weiß Martin Rintisch aus Buckow, der Jahr für Jahr seiner Frau bei den Vorarbeiten für die Verarbeitung der Quitten zu herzhafter Marmelade behilflich sein muss. "Die sind so hart, da brauche ich männliche Hilfe", sagt Frau Sabine. Mit einem kleinen Hackebeilchen oder einer Machete muss nun alljährlich im Oktober ihr Gatte die gelben Früchte in Viertel spalten. Der ehemalige Chefarzt für Chirurgie im Beeskower Krankenhaus, der vor drei Jahren in den Ruhestand gegangen ist, kennt sich aus mit dem Schneiden, auch wenn die Quitte etwas anderes ist als ein menschlicher Körper. Aber der Doktor muss vorsichtig sein, denn sein linker Daumen existiert schon nicht mehr. Er fiel, da war Rintisch noch ein junger Mann, einer Kreissäge zum Opfer. Bis jetzt ist es all die Jahre mit dem Quittenspalten gut gegangen. Drei bis vier Zentner erntet Martin Rintisch jedes Jahr von seinem Quittenstrauch, den er Mitte der 80er Jahre in seinem Vorgarten gepflanzt hat. Die Pflanze habe er damals von einem Arbeitskollegen bekommen, erinnert er sich. Mittlerweile hat der ausladende Strauch die Ausmaße eines Baumes angenommen, deren Früchte nur noch mit der Leiter abgeerntet werden können. An seinen Ästen mit den tief dunkelgrünen Blättern hängen birnenförmige Quitten (auch apfelförmige Zuchtformen gibt es), die auf den ersten Blick aussehen wie große, reife Zitronen. Jetzt ist Erntezeit und Martin Rintisch verteilt seine Quitten auch an Freunde und Bekannte, weil seine Frau nicht zu viel Marmelade kochen möchte (und wahrscheinlich auch Rintisch zweiter Daumen geschont werden soll.)

Hat er die duftenden Früchte in vier Teile zerlegt, muss seine Frau nur noch mit einem sehr scharfen Messer das Kerngehäuse entfernen. Die Schale lässt sie dran. "Dann koche ich die Früchte etwa zehn Minuten, bis sie weich sind, streiche sie durch ein Sieb oder pürriere die noch festen Teile mit einem Mixstab. Dann koche ich die Masse, in die ich noch ein wenig Zitrone gebe, mit Gelierzucker, genau wie bei anderen Früchten." Auch Quittenkompott hat Sabine Rintisch schon gemacht - kleine Stückchen gekocht und mit Ingwer, Zucker und Zitrone verfeinert. Aus Quitten lässt sich auch Hochprozentiges machen. Benno Geller aus Rießen hat in seiner Brennerei aus Quitten auch schon Obstler gemacht. Aber das ist schon drei, vier Jahre her. Für einen Brand brauche ich mindestens 250 Kilogramm und die sind hier in unseren Breiten schwer aufzutreiben", schildert er. Ansonsten sei das Brennen von Quitten kein Problem. Die Früchte müssten nur von ihren Härchen befreit und anschließend vermust werden. Dann würden ihnen noch Enzyme zur Verflüssigung zugesetzt. Heraus kommt ein hochprozentiger Quittenschnaps für den besonderen Geschmack.

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