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Feuerwehr fällt fünf morsche Kastanien

Einsatz auf der Drehleiter: Die Berufsfeuerwehr stutzt an der Schicklerstraße mit der Motorsäge ?eine der fünf Kastanien, die ihre Standsicherheit verloren haben.
Einsatz auf der Drehleiter: Die Berufsfeuerwehr stutzt an der Schicklerstraße mit der Motorsäge ?eine der fünf Kastanien, die ihre Standsicherheit verloren haben. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Andrea Weil / 19.08.2011, 07:01 Uhr
Eberswalde (sk) Die Schicklerstraße hat gestern viel von ihrem historischen Alleen-Flair eingebüßt: Fünf der elf gut 130 Jahre alten Kastanien vor der Alten Forstakademie mussten überraschend gefällt werden. Zwei weiteren Bäumen bleibt nur noch eine Gnadenfrist bis zum Ende der Vegetationsperiode. Sie kommen im Herbst unter die Säge.

„Das ist ohne Frage ein Verlust, der ins Herz sticht“, sagte Lutz Landmann. Der erste Beigeordnete aus dem Rathaus hatte die sofortigen Fällarbeiten bei der Berufsfeuerwehr in Auftrag gegeben, nachdem bei einer von einer Fachfirma vorgenommenen Untersuchung herausgekommen war, dass die fünf Kastanien akut umfallgefährdet sind.

Gestern gegen 7.30 Uhr war einer der für Laien vital aussehenden Bäume plötzlich in eine Schieflage geraten und gegen die Fassade der Alten Forstakademie gefallen. „Eine Fußgängerin war nur wenige Meter davon entfernt“, berichtet Lutz Landmann, der froh ist, dass die Augenzeugin nicht verletzt wurde. Während der Bauhof die umgefallene Kastanie beseitigte, bestellte der Beigeordnete vorsichtshalber einen Gesundheitscheck für die verbleibenden Bäume. Der Baumgutachter Bernd Gustke aus Neugersdorf in Märkisch-Oderland begann umgehend damit, die Kastanien mit einem Schalltomographen zu vermessen. Die Schallwellen stießen im untersuchten Holz überall auf Hindernisse. „Ein sicheres Anzeichen dafür, dass die Struktur beschädigt ist“, sagte der Fachmann, der eine rasche Fällung empfahl.

„Als dann noch der Deutsche Wetterdienst für die Nacht zum Freitag vor Sturm warnte, habe ich mich entschieden, die Berufsfeuerwehr umgehend einzusetzen und nicht erst eine Fachfirma zu bestellen“, betonte Lutz Landmann. Niemand habe riskieren wollen, dass ein Unwetter die wankenden Kastanien auf Fußgänger oder Autos krachen lasse.

Seit gestern kurz nach 14 Uhr ist die Schicklerstraße im Bereich der Alten Forstakademie gesperrt. Wann die Fahrbahn am heutigen Freitag wieder freigegeben werden kann, stand bei Redaktionsschluss nicht fest.

Der mit Ästen überhäufte Gehweg könne auf jeden Fall erst Anfang kommender Woche beräumt und damit wieder genutzt werden, sagte der Beigeordnete.

Den zum Teil innerlich verfaulten Bäumen habe nicht nur das Alter zugesetzt, betonte Bernd Gustke. Auch Pilze hätten sich in das Holz gefressen. „Der Standort kann für Kastanien nicht optimal gewesen sein“, urteilte der Geschäftsführer der Fachfirma aus Neugersdorf. Wenn eine Kastanie anderswo 130 Jahre erreiche, sei sie viel wuchtiger.

Den Baumfällarbeiten an der Schicklerstraße hat laut Lutz Landmann auch die Kreisnaturschutzbehörde zugestimmt.

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Dr. Andreas Steiner 22.08.2011 - 15:38:28

Technologie des Schalltomographen überzeugt nicht / historisches Alleen-Flair sollte neu begründet werden.

Baumgutachter Dr. Gustke scheint sehr von der Technologie des Schalltomographen überzeugt zu sein. Seiner Meinung zu diesen Multisensor-Schall-Messgeräten kann ich mich nicht ganz anschließen. Diese Technik stößt bei Baumarten, die zu Nasskern tendieren – und dazu gehört die Rosskastanie - sowie bei der Möglichkeit von Holzversprödung (infolge Brandkrustenpilz, Leberpilz etc.), bei Rissen, Rindeneinschlüssen als auch in Bereichen der tiefen Stammbasis relativ schnell an ihre Grenzen. Wenn bei einer Baumart, wo Nasskern in Betracht kommt, ein Bereich mit verringerter Schalllaufzeit gemessen wird, müsste m.E. ein Beweis für den Grund der Schalllaufzeitminderung erbracht werden. Vor diesem Hintergrund besteht die Gefahr, dass die Ergebnisse der Schalltomografie zu wenig kritisch bewertet und letztendlich als realistisch eingeschätzt werden. Auf Grundlage einer noch nicht ausgereiften Technologie könnten Bäume, die noch über genügend Stand- und Bruchsicherheit verfügen, vorschnell zur Fällung freigegeben werden. Wie schwierig es ist, die Standsicherheit von Bäumen zu beurteilen, zeigt, dass die in Schieflage geratene Kastanie hinsichtlich ihrer Vitalität im Vorfeld im Rahmen der Baumschauen nicht richtig eingeschätzt wurde oder werden konnte. Die Eberswalder Schicklerstraße muss ihr historisches Alleen-Flair nicht auf Dauer einbüßen. Das schöne innerstädtische Ensemble Alte Forstakademie – Baumallee - Schwärze mit Übergang zum Weidendamm sollte in seiner ursprünglichen Form vollständig erhalten bleiben. Nun ist es an der Zeit, die entstandenen Lücken ohne zeitlichen Verzug mit neuen Bäumen aufzupflanzen, die diese relativ schnell zu schließen vermögen. Kleinwüchsige Arten oder Formen mit kugeliger und kleiner Krone sind abzulehnen, da sie nicht in die bereits vorhandene Alleenstruktur passen. In Betracht kommen sollten vielmehr standortsgerechte einheimische Alleebaumarten, die hohe Grundwasserstände, wie sie im Bereich der Schicklerstraße auftreten, dauerhaft vertragen. Dr. Andreas Steiner Stadtverordneter Eberswalde, Bündnis `90/Die Grünen

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