Die Zeit vergeht, doch die Erinnerung bleibt. Für vieles Geschehene gleichsam als Mahnung und Aufforderung zur Achtsamkeit. In der performativen Begehung wird die Geschichte von drei polnischen Frauen thematisiert, die als Jugendliche in dem KZ-Außenlager Ravensbrück inhaftiert waren und in den Ardelt-Werken zur Zwangsarbeit herangezogen wurden.
Die Aufführung beruht auf einer wahren Begebenheit. Ewa Czerwiakowski, Dramaturgin der Aufführung, hat dazu die drei, heute um die 90 Jahre alten Frauen in Polen aufgesucht und interviewt. Die Produktion übernahm Kai Jahns. Das Projekt wird gefördert von der Stiftung EVZ "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft", der Flick-Stiftung und der Stadt Eberswalde.
Die entstandenen Texte werden in wechselnden Rollen von Jugendlichen aus Polen und Deutschland vorgetragen. Mit dabei ist auch Sarah Pollnow, Austauschlehrerin aus Seattle (USA) und die professionelle Schauspielerin Jaqueline Sophie Pawliczek. Die ersten Recherchetreffen fanden im November vergangenen Jahres statt", erzählt Regisseurin Heike Scharpff. Seit geraumer Zeit laufen nun die Proben - und bis zur Uraufführung bleibt wenig Zeit.
Pia Bestritzki (15) vom Gymnasium Finow hat über ein Praktikum den Zugang zur Theatergruppe gefunden. "Ich finde es gut und es macht Spaß", so die Schülerin der 9. Klasse, für die das Thema Zweiter Weltkrieg zuvor eher entfernt eine Rolle gespielt hat. Sie kann sich für die Zukunft durchaus eine Laufbahn als Schauspielerin oder Dolmetscherin vorstellen, erklärt die erstmals an einer Theateraufführung Mitwirkende.
Richard Kettner (14) ist hingegen schon fast ein "alter Hase". Für den Schüler aus Panketal ist es bereits das dritte Mal, dass er an einem Stück des Kanaltheaters beteiligt ist. Schon bei der "Heiligen Gaby vom SVKE" und "Die Welt ist in Gefahr" hatte der Sohn der Dramaturgin Katja Kettner viel Freude.
Eine der vier polnischen Akteure ist Natalia Zielinski (15) aus Osinów Dolny. Die Schülerin besucht das Gymnasium in Cedynia. "Das Zusammenspiel mit den anderen ist eine tolle Erfahrung", sagt Natalia begeistert, die später aber lieber Tierärztin werden möchte.
"Das Stück ist eine performative Begehung", sagt Heike Scharpff. Man werde vom Kanaltheater-Standort "Exil" mit dem Publikum und dem Bühnenbild über das Gelände des geschichtlichen Geschehens wandern.
Nach der Mittagspause am Sonnabend finden die Proben dann auch folgerichtig in der einstigen Stahlbauhalle des Kranbau Eberswalde ihre Fortsetzung. Diese dient gleichsam als Kulisse für die früheren Arbeitsorte der KZ-Insassen bei der Munitionsherstellung in den Ardelt-Werken.
Die nunmehr vollkommen leer stehende, mehr als 20 000 Quadratmeter große Halle, erweist sich in ihrer monströs erscheinenden Weite als äußerst bedrückender Ort, der mit seiner bloßen Präsenz die Atmosphäre der damaligen Zeit zu vermitteln weiß. "Schläge gab es für nichts", heißt es da in einer der verlesenen Textstellen.
Die Premiere erlebt das ungewöhnliche, teilweise an Originalschauplätzen inszenierte Stück am kommenden Wochenende am Sonnabend, 17 Uhr. Drei weitere Vorstellungen folgen.