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Reise Richtung Rominten - 30. Hilfstransport von Neuholland aus

Antje Jusepeitis / 26.07.2017, 11:13 Uhr
Neuholland (MOZ) (mae) Jubiläen sind der Anlass für den 30. Hilfstransport vom 1. bis zum 7. September aus Neuholland in Richtung Russland. 1998 rollte der erste, ein Jahr später stieg Gerhard Steger (79) mit ein. Für den früheren Bürgermeister Neuhollands und engagierten Gemeindevertreter sind die Reisen für einen guten Zweck und zum Ensemble Mladuschka Herzensangelegenheit.

"Gerhard, Du kannst doch Russisch. Kannst du da nicht dolmetschen und ein bisschen unterstützen?", wurde Gerhard Steger 1998 gefragt. "Ja" - er kann, und er möchte. Der frühere Bürgermeister Neuhollands hilft jederzeit. So sagt er zu, das russische Kinderensemble Mladuschka in seinem Ort unterzubringen, organisiert gleich, dass die Mädchen und Jungen in der früheren Schule mit Duschen und allem Drum und dran übernachten können. Mit dem Kalinigrader Gebiet und dem früheren Ostpreußen, aus dem viele der Mladuschka-Jungen und Mädchen stammen, verbindet den heute 79-Jährigen die Vergangenheit. Gerhard Steger wurde im Januar 1938 in Gumbinnen, dem heutigen Gussew, in Ostpreußen, geboren. Sein Geburtshaus steht noch heute. Aus dem zufälligen Kontakt mit dem Ensemble und Jürgen Leiste, Koordinator des Vereins "Anthropos - Für die Kinder dieser Welt", entwickelte sich eine tiefe Verbundenheit. Seit 1999 reisen Hilfstransporte zum Teil mehrmals jährlich auf Initiative Gerhard Stegers zu "Mladuschka" ins Kaliningrader Gebiet, einer russischen Exklave zwischen Polen und Litauen. Delegationen aus Neuholland bringen Spenden zu zwei russischen Kindergärten, zur Sozialstation in Osjorsk sowie zu zwei Jugendklubs im Gebiet der ehemaligen Rominter Heide. Alle Einrichtungen betreibt der Verein "Anthropos" mit Sitz in München. Dessen Koordinator, Jürgen Leiste, sitzt am 1. September mit im Transporter Richtung Russland. Zum 30. Mal rollt der Hilfsgutwagen. Seinen Kofferraum füllen Hygieneartikel, Spielzeug, ein Kickerspiel für Jugendliche, ein Rollator und Babytaschen für die Sozialstation, Schulsachen und Süßigkeiten sowie Spendengelder. "Ein wirklich ganz großes Dankeschön", richtet Gerhard Steger an alle, "die uns immer wieder unterstützen". Darunter sind Schüler der Exin Oberschule Zehdenick und der Grundschulen Liebenwalde und Hohen Neuendorf sowie mehr als 50 Privatpersonen und Betriebe Oberhavels.

Seit 1998 kamen so bislang insgesamt 93200 Euro zusammen. "Schön wäre, wenn es bis zum nächsten Jahr 95000 Euro werden", wünscht sich Steger. "Diesmal wird es tatsächlich meine letzte Fahrt in der Form sein. Ich weiß, das glaubt mir kaum jemand, weil ich es schon des öfteren gesagt habe", sagt er während der Ankündigung des Reisetermins. "Ich werde im Januar 80 Jahre. Die fordern ihren Tribut. " Tatsächlich jedoch könnte die Tour vom 1. bis 7.September Gerhard Stegers letzte, persönlich begleitete und organisierte Unterstützungsaktion sein. "Wenn ich 2018 vom Mladuschka Ensemble eingeladen werde, das sein 25-jähriges Bestehen feiert, sage ich natürlich nicht Nein. Aber einen Hilfstransport starte ich definitiv nicht mehr", sagt der Neuholländer. Zuletzt fuhr er im Mai 2016 nach Kaliningrad und in die Rominter Heide, überbrachte den Kindergärten, der Sozialstation, den Jugendklubs die Spenden aus Oberhavel. Auch das Ensemble bekam eine Zuwendung. Mit dieser konnte die Reise von sieben Mädchen, drei Jungen und fünf Erwachsenen im November 2016 nach Weeze ermöglicht werden. Drei Auftritte in Weeze gab es, unter anderem zur Eröffnung des Bürgerhauses. Gerhard Steger war als ehemaliger Bürgermeister von Neuholland dabei. Sind doch Neuholland und Weeze Partnergemeinden.

Außerdem übernachteten die Jugendlichen und ihre Begleiter, wie seit 1999 Brauch, in dem Liebenwalder Ortsteil. Das Geld für die geplante Fahrt von Kaliningrad nach Neuholland im Jahr 2018 sammelte Gerhard Steger bereits. "Aus eigener Kraft könnte Mladuschka den finanziellen Aufwand hierfür nicht stemmen." Zum Feiern gibt es mehrere Gründe: Mladuschka selbst wird 25 Jahre alt, die freundschaftlichen Kontakte zu Steger und seinen Mitstreitern bestehen seit 20 Jahren. Zudem jährt sich zum 15.Mal die Eingemeindung von Neuholland nach Liebenwalde. Darüber hinaus wäre es die zehnte Begegnung mit dem Chor vor Ort in Neuholland.

Zu verdanken ist diese Verbundenheit, die im ganzen Landkreis Oberhavel Aufmerksamkeit genießt, Gerhard Stegers Engagement. Er wird etwas wehmütig bei dem Gedanken, dass er auf der Suche nach einem Nachfolger, der die Kontakte mit dem Ensemble aufrechthält, noch nicht fündig wurde.

Wer Gerhard Stegers Engagement unterstützen möchte, kann dies in Form von Spenden auf das Konto:"Anthropos - Für die Kinder

dieser Welt", Kennwort

Spende Kinder Kalingrad,

Gerhard Steger

Stadtsparkasse München

IBAN

DE 87 7015 0000 0029 2151 00

BIC SSKMDEMM

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