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Antje Jusepeitis 04.08.2017 21:15 Uhr

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Oranienburger startet Projekt7000 in Georgien

Oranienburg (MOZ) (mae) Projekt7000 nennt Weltentdecker Torsten Weigel (28) sein neuestes Vorhaben (Märker berichtete). Weigel fasst es so zusammen: 30 Gipfel in vier Gebirgen auf drei Kontinenten, bereist im Verlauf von zwei Jahren. Den höchsten Berg, einen 7000er, will der Trupp im Juli 2018 erklimmen. Zur ersten, fast dreiwöchigen Tour brach der Oranienburger mit seinem Team - zehn Freunden und Bekannten - am 21.Juni nach Georgien auf. Ihr nächstes Ziel im September heißt Bolivien.

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Gipfelfoto auf dem Kasbek. Keiner aus der Gruppe ist professioneller Alpinist. Zwei Bergführer begleiteten sie. Foto: Weigel

© MZV

Sturzregen, Gewitter, Sturm - ein Zeltgraben, der zum reißenden Bach wird. Was Torsten Weigel beschreibt, sind keineswegs die Ereignisse des 29. Juni, als ein Jahrhundertregen im Süden Oberhavels Straßen und Häuser überschwemmte. Davon erfuhr der Oranienburger nur aus der Ferne. Dennoch bereiteten dem 28-Jährigen Blitz, Donner und Starkregen an diesem Tag Kopfzerbrechen. Hatte er doch gemeinsam mit zehn Abenteuerlustigen Zelte oberhalb des Zagaro Passes, 2623 Meter über Null in Georgien, aufgeschlagen, während es dort unwetterte.

Ungefähr die Hälfte ihrer Freizeit-Tour über rund 3000 Kilometer durch Georgien und Aserbaidschan lag da hinter ihnen.

Gestartet sind die drei Frauen und acht Männer am 21. Juni mit dem Flug von Berlin nach Tiflis, der georgischen Hauptstadt, um Berge zu besteigen und abgelegene Regionen zu erkunden. Swanetien, ein historisches Gebiet im Großen Kaukasus, stand zunächst auf ihrem Reiseplan. Es ist die erste von zahlreichen geplanten Touren. Im Verlauf der nächsten zwei Jahre soll es auf 30 Gipfel in vier Gebirgen auf drei Kontintenten gehen. Projekt7000 nennt Torsten Weigel es.

41 Länder hat er bislang bereist, meist allein. Diesmal trug er als Gruppenleiter die Verantwortung für ein Team mit demselben Anspruch: "Forscher sein, Abenteurer, kritische Journalisten, die sich mit Neugier, Wissensdurst und Erfahrung auf Entdeckungstour begeben.Wir sind eine Gruppe von Individualisten: Psychologen, Rechtsanwälte, Sachbearbeiter, Fotografen, Wissenschaftler, Studenten ...", zählt Torsten Weigel auf. Sie wollen in ihrer Freizeit die Welt entdecken, Höhen erklimmen, eigene Grenzen erfahren."

Für Weigel war die Teamführung eine neue Erfahrung. Die wichtigste Erkenntnis nach 26 Tagen: "Die Teammischung passt. Es ist eine sehr schöne Stimmung entstanden." Das bedeutet nicht, dass es während der fast vierwöchigen Reise keine Diskussionen gegeben hätte. Insbesondere bei Regen, Weckerklingeln um Mitternacht und Aufstiegsstrapazen sank die Laune gelegentlich gen Nullpunkt. Allen Beteiligten war jedoch klar: "Projekt7000 wird eine große Herausforderung für Mensch und Material." Beide bestanden die Feuerprobe, den Aufstieg zu einem der höchsten Berge im Kaukasus, dem 5047 Meter aufragenden Kasbek, unbeschadet - bis auf fehlene Zeltheringe und -Leinen sowie einen defekten Geländewagen gleich zu Beginn.

Ihre Erlebnisse zwischen Normal Null und 5000 Metern über dem Meeresspiegel schweißten die Gruppe zusammen. Beeindruckende, unwiederbringliche Momente faszinierender Naturschauspiele vereinten sie. "Dramatisch schöne Bergpanoramen, abgelegene Täler mit dichten Wäldern, Gletscher, schroffe Felsen, Bergströme, fantastische Blumenwiesen, traumhaftes Licht haben wir gesehen, frische Luft geatmet. Es gab Momente der absoluten Ruhe, Augenblicke, Momentaufnahmen für Augen und Seele, die sich ins Gedächtnis prägen", versucht Torsten Weigel gigantische Bilder und Begegnungen zu beschreiben. Dabei erlebten sie strahlend blauen Himmel ebenso oft, wie Unwetter. In Swanetien, der dünn besiedelten Region im Nordwesten Georgiens, trafen die Wanderer Menschen, die der Kälte im Hohen Kaukasus trotzen. Sie besuchten halb verfallene Bergdörfer, standen am Fuße des höchsten Gipfels Swanetiens, dem schneebedeckten Berg Schchara. "Berge zeigen die eigenen Stärken und Schwächen gnadenlos auf. Sie sind ein anspruchsvoller Lebensraum, dessen Bewohner sich tagtäglich mit den Kräften der Natur auseinandersetzen müssen, mit ihr im Rhythmus leben." Dabei bleiben sie "herzlich, freuen sich auf Besuch, den sie selten bekommen", erfuhren die Projektteilnehmer. Beinahe gab es Streit, wem die Ehre zuteil wird, Gäste zu bewirten und zu beherbergen. Sie aßen gemeinsam, sangen, erzählten. "Der Kontakt zum Dorf Adishi kam über Stefan Kurella zustande. Er hat schon viel Gutes dort geleistet", sagt Torsten Weigel. Er und sein Team waren beeindruckt von der Gastfreundschaft und der Lebensweise der Swanetier. "Kaum vorstellbar, dass sie auch im Winter hier im hohen Kaukasus leben", stellten die Abenteurer aus Deutschland auf ihrer Durchreise fest. Ihre erste Projekt7000-Etappe führte sie von Tiflis nach Mestia, der bedeutendsten Stadt in Swanetien, über Adishi zurück nach Tiflis. Kutaissi, Lentechi, Ushguli, Enguri lauteten die Namen markanter Stationen. "Es ist ein geschichtsträchtiges Gebiet, sowohl von den Griechen als auch den Römern beeinflusst. Prägnant sind zahlreiche Türme", so Torsten Weigel. Ihn und seine Mitstreiter begeistert der Staat Georgien. Gelegen in Transkaukasien, östlich des Schwarzen Meeres und südlich des Großen Kaukasus wird Georgien von Russland, im Süden von der Türkei und Armenien, im Osten von Aserbaidschan begrenzt. Dieses Areal von ganz oben zu sehen war ihr Ziel. So begann für die Gruppe am 1. Juli die zweite Etappe von Tiflis zum 5000-Meter-Gipfel - von Kasbegi aus, dem Tor, hinauf zum Kasbek. Es ist der Berg, an welchen Prometheus in der griechischen Mythologie gekettet worden ist. In Etappen wagte sich der geplant auf sieben Leute reduzierte Trupp an den Schneegipfel, einen erloschenen Vulkan, heran, akklimatisierte sich zunächst auf Camp 1, einer Wiese in rund 3000 Metern Höhe. Am Tag darauf arbeiteten sie sich auf 3800 Meter zum Camp2 mit aus Steinen gestapeltem Windschutz vor. Zwei Bergführer waren dabei, denn "Sicherheit geht vor. Aber wäre meine russisch sprechende Freundin nicht dabei gewesen, hätte ich abgebrochen. Die Verständigung mit den Bergführern war eine Herausforderung", sagt Torsten Weigel über die kritische Situation am 3. Juli vor dem Aufstieg. "Der war technisch nicht schwierig, zumal wir Steigeisentechnik trainiert haben, aber lang und dennoch gefährlich durch Gletscher und ein Steinschlaggebiet, durch das wir fast hindurchgerannt sind."

Um 1Uhr nachts zog die Karawane Richtung Gipfel los, stumm, müde, nur mit ein wenig Porridge und Kaffee im Magen, manchmal zweifelnd, "warum tue ich mir das an?" Der Sonnenaufgang und der Blick von der Bergspitze um 8 Uhr beantworteten die Frage. Einige Stunden später zeigte sich der Berg von seiner rauen Seite. Wiederum Gewitter, Starkregen, Sturm. "So stark, dass er Laschen aus den Expeditionszelten riss. Blitz und Donner waren genau über uns", beschreibt Torsten Weigel. Der Graben, den er mit dem Eispickel ums Zelt gezogen hatte, wurde zum reißenden Bach.

"Jetzt müssen wir Zelte flicken", sagt er, zurück aus Aserbaidschan, wo er und seine Freundin sich etwas Erholung am kaspischen Meer, dem größten See der Welt, gönnten und das Land mit der Hauptstadt Baku erkundeten. Seit dem 16. Juli wieder in Oranienburg, plant er die nächste Tour im September nach Bolivien. Per Livetracking kann jede Reise verfolgt werden.

www.weigelontour.com

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