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Existenzgründer und Jungunternehmer/Folge 2 / "Cook rein" auf Märkten

Dr. Hans-Jürgen Schreier und Gudrun Fromm betreiben seit einem dreiviertel Jahr als gleichberechtigte Gesellschafter den mobilen Imbiss "cook rein".   Foto: Jusepeitis
Dr. Hans-Jürgen Schreier und Gudrun Fromm betreiben seit einem dreiviertel Jahr als gleichberechtigte Gesellschafter den mobilen Imbiss "cook rein". Foto: Jusepeitis © Foto: MZV
Antje Jusepeitis / 22.09.2017, 16:07 Uhr
Birkenwerder/Oranienburg/Velten (MOZ) Einmal im Jahr lädt der Lotsendienst Oberhavels Existenzgründer und Unternehmer gemeinsam ein. Der mittlerweile neunte Gründertag findet am 19. Oktober wieder im Technologiezentrum Hennigsdorf, Neuendorfstraße 18 a, statt.

(mae) Für die Premiere ihres mobilen Imbisses "cook rein" wählten Dr. Hans-Jürgen Schreier und Gudrun Fromm den Weihnachtsmarkt am 3.Advent 2016 in Velten. Der Veltener und die Frau aus Birkenwerder gehörten zu den Existenzgründern, die im vergangenen Jahr den Lotsendienst der Wirtschafts-, Innovations- und Tourismusförderung Oberhavel GmbH (Winto) nutzten und sich zum Gründertag präsentierten. Im Vorfeld des Gründertages 2017 im Oktober stellen wir in loser Folge weitere Jungunternehmer wie sie vor.

"Wo sind Sie denn letzte Woche gewesen?", fragt der Marktbesucher, während er auf seinen feurigen Eintopf mit schwarzen Bohnen wartet. "Wir hatten Urlaub", erklärt Gudrun Fromm. "Wir", das ist neben ihr Dr.Hans-Jürgen Schreier. Gemeinsam mit dem Veltener betreibt die Frau aus Birkenwerder seit gut einem dreiviertel Jahr den mobilen Imbiss und Catering "Cook rein". Auf den Wochenmärkten in Birkenwerder und Oranienburg wurde das Angebot an selbst zubereiteten Smoothies, Currys und Suppen der beiden durchaus vermisst. "Das Essen schmeckt so lecker. Hoffentlich mussten sie nicht aufhören", lauteten durchaus Befürchtungen, als der weiße Imbisswagen mit der Aufschrift "Cook rein" am Dienstag in Birkenwerder und am Freitag in Oranienburg nicht auf dem Markt stand. "Nein, nein", erwidert Gudrun Fromm. "Wir wollten uns nur mal eine Woche ein bisschen erholen." Der erste Urlaub, seit die beiden sich vor einem Jahr für die Selbstständigkeit entschieden.

Zuvor arbeitete Dr. Hans-Jürgen Schreier 25 Jahre in der chemischen Industrie und der Elektrobranche. Gudrun Fromm war als Speditionskauffrau tätig. Die beiden verbindet zum einen die Leidenschaft für gutes und selbst gekochtes Essen, zum anderen ihre langjährige Bekanntschaft aus dem Stolper Reitverein.

So entstand die Idee, geschäftlich umzusatteln. Sowohl Hans-Jürgen Schreier als auch Gudrun Fromm reizte es, beruflich noch einmal etwas Neues anzufangen. Sie nutzten den Lotsendienst der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Oberhavel (Winto), besuchten Gründerseminar und Developmentcenter im Herbst 2016, profitierten von einem Gründercoach, der sich speziell in der Gastronomie auskennt. "Er hat uns vor allem auf notwendige Abläufe bei der Zubereitung aufmerksam gemacht und vorgeschlagen, es zunächst mit einem mobilen Imbiss zu versuchen", erinnert sich Gudrun Fromm. Da der mobile Anhänger zu klein ist, um alles zubereiten zu können, mietete Schreier eine Küche im Veltener Gewerbegebiet an. "Hier kochen wir alles einen Tag vor den Märkten vor, montags für Birkenwerder und donnerstags für Oranienburg."

In Velten werden zudem neue Rezepte ausprobiert, wird verkostet, verworfen oder vervielfacht. Etwa 300 Suppenrezepte testeten die Jung-Unternehmer inzwischen. "Wir versuchen, jede Woche eine vegetarische und eine mit Fleisch anzubieten." Neben dem eigenen Repertoire und Kochbüchern ziehen sie die Anregungen vor allem auf englischen und amerikanischen Internetseiten.

"Jetzt im Sommer versuchen wir zusätzlich einen frischen, besonderen Salat anzubieten", sagt Gudrun Fromm und verweist auf den in dieser Woche aktuellen Mais-Fetakäse-Salat. Auf der Speisekarte stehen an diesem Dienstag in Birkenwerder außerdem Lasagnesuppe, die feurige Bohnensuppe sowie die Ciabatta mit selbst gemachtem Pesto und Tomaten, vor allem aber die Spezial "Cook rein"- Thai-Curry wahlweise mit Tofu oder Hühnchenfleisch. Die Hohen Neuendorferin Gabriele Scholz entscheidet sich für letzteres und hat Glück. "Die letzte Portion für heute", stellt Gudrun Fromm fest. Ihre offene, fröhliche Art gefällt den Kunden. "Sehr einladend und freundlich, außerdem echter Kundenservice", lobt Gabriele Scholz. Sie kannte "Cook rein" noch nicht, hatte auf dem Weg zum Schuster neugierig das Angebot studiert und freute sich, als auf dem Rückweg vom Schuster ihr Thai-Curry samt geordertem Cappuccino servierfertig entgegen dufteten. "Sehr köstlich und wirklich für jeden etwas dabei im Angebot." Gabriele Scholz will wiederkommen. Wer weiß, vielleicht neue Stammkundschaft. Zu dieser zählen in Birkenwerder der Feuersuppenesser - leider schaffe er es arbeitsbedingt nicht so oft auf den Markt - eine Mittvierzigerin und ihre Tochter, die gern vegetarisch essen, und ein Mädchen. "Ach, meine kleine Smoothie-Freundin", begrüßt Gudrun Fromm die etwa Zehnjährige. Diesmal ist sie mit ihrer Freundin gekommen. Sie teilen sich diesmal eine Lasagnesuppe, weil das Hühnchen-Curry schon alle ist. Dazu gibt's für jeden Gast ein Energieröllchen aus Kakao, Mandelmus, Cranberries und geröstetem Sesam. Den Kaffee liefert die Rösterei Himmelpfort.

"Ich bin überrascht, wie gut der Markt seit April angenommen wird", freut sich Gudrun Fromm. Vor allem sind bei der Hauptzielgruppe Frauen in Birkenwerder die vitaminreichen Smoothies gefragt, ganz egal, ob Beerenmix, Sommermischung mit Ananas und Nektarine oder der Grüne. Ebenso die Currys und Suppen, wie Chili con Carne, Süßkartoffel- oder Holländische Käsesuppe. Das gelte auch für Oranienburg.

Auf dem Veltener Wochenmarkt hingegen ist reinschauen und kosten nicht mehr möglich. Es lohnt sich nicht, mussten die beiden Geschäftsleute feststellen. Rückschläge gehören dazu, auch das vermittelte das Gründerseminar ihnen. "Aber ich kann mir inzwischen nicht mehr vorstellen jeden Tag im Büro zu sitzen. Ich habe das Gefühl, ich nehme viel mehr am Leben teil", lautet Gudrun Fromms Fazit seit ihrem Schritt in die Selbstständigkeit.

Langfristig planen sie und Dr. Hans-Jürgen Schreier einen festen Standort zu mieten. Ein Objekt schwebt ihnen bereits vor.

Präsent bleiben sie mit ihrem Streetfood-Wagen auf jeden Fall beispielsweise auf dem Edener Apfelfest oder dem Oranienburger Regionalmarkt. "Zum Oranjefest kam unsere Holländische Käsesuppe sehr gut an", freuen sich die mobilen Mahlzeitanbieter.

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