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Mit deutschem Whisky die Welt erobern

Wie kommt man an eine Schnapsbrennerei? Man fährt in die Uckermark, um ein Fass Whisky zu kaufen, wird in den Spreewald geschickt und kommt von dort als Brennereibesitzer zurück, erzählen Bastian Heuser, Steffen Lohr und Sebastian Brack.
Wie kommt man an eine Schnapsbrennerei? Man fährt in die Uckermark, um ein Fass Whisky zu kaufen, wird in den Spreewald geschickt und kommt von dort als Brennereibesitzer zurück, erzählen Bastian Heuser, Steffen Lohr und Sebastian Brack. © Foto: Spreewood Distillers
dpa / 15.09.2017, 17:59 Uhr - Aktualisiert 16.10.2017, 14:06
Schlepzig (dpa) Drei Berliner wollen ein Fass Whisky in der Uckermark kaufen und sind plötzlich Besitzer einer Whiskybrennerei. Unmöglich? Doch! So passiert in Schlepzig, wo aus der Spreewald-Brennerei die Spreewood Distillers wurden.

Wie kommt man heutzutage an eine Schnapsbrennerei? Man fährt in die Uckermark, um ein Fass Whisky für einen Kunden zu kaufen, wird in den Spreewald geschickt und kommt von dort als Brennereibesitzer zurück. Das ist in Kurzform der Geschichte, die den drei Berlinern Bastian Heuser, Steffen Lohr und Sebastian Brack widerfahren ist.

Seit Oktober vergangenen Jahres sind sie die neuen Besitzer der ehemaligen Spreewald-Brennerei inTorsten Römer hatte die Brennerei 2003 gegründet und zuvor mit der Spreewald-Brauerei und dem früheren Landgasthof zur grünen Spree (heute Spreewaldresort "Seinerzeit") den kleinen Spreewaldort Schlepzig aus dem touristischen Dornröschenschlaf geweckt.

Die drei Compagnons kennen sich mit Spirituosen aus. Steffen Lohr hatte als Barkeeper in Australien, Bastian Heuser in London gearbeitet. Sebastian Brack ist Mitgründer deutschen Wermut-Marke "Belsazar Vermouth". Als Spreewood Distillers schlagen die drei nun eine neue Seite in ihrem Lebenslauf auf. Zusammen betreiben sie schon eine Agentur für die Vermarktung von Getränken, aber die Brennerei ist ganz was Eigenes. Mit der Übernahme der Brennerei erfüllt sich ein langgehegter Traum einer eigenen Spirituosen-Manufaktur für die drei.

Die drei Whisky-Produzenten haben ein ehrgeiziges Ziel. Sie wollen Deutschlands erste Roggenwhisky-Brennerei werden und deutschen Whisky endlich salonfähig machen. Und im Spreewald finden sie dafür exzellente Voraussetzungen. Brandenburg liegt mitten im Roggengürtel, der sich von Frankreich bis nach Russland erstreckt. Sogar große amerikanische Whisky-Brennereien kaufen Brandenburger Roggen, aufgrund seiner überragenden Qualität. Ihre Roggenmaische beziehen sie derzeit noch aus Neuzelle. Künftig kommt sie von einem Bauern nur drei Kilometer von Schlepzig entfernt.

Drei Jahre und ein Tag muss ein Whiskey in Eichenfässern reifen, bevor er als Whisky verkauft werden darf. Gerade ist die neue Brennanlage aufgebaut worden, mit der die Produktion deutlich ausgebaut werden soll. Obwohl die Berliner sich mit Spirituosen auskennen, ist Whisky zu brennen für sie eine neue Herausforderung. "Wir werden Fehler machen und wird haben schon Fehler gemacht", sagt Steffen Lohr, "aber wir wollen diese Fehler auch machen." Ihr Roggenwhisky ist mit 55 Prozent Alkoholgehalt ziemlich kräftig. Der passt gut nach einem kräftigen Steak. Der Single Malt Whisky mit 47 Prozent, unser Frühstücks-Whisky, so Bastian Heuser, ist einer für jeden Abend. Bei den Eichenfässern vertrauen sie auf eine amerikanische Weißeiche und die gute deutsche Eiche. Zwischen 180 und 250 Jahre alt sind die Bäume, bevor sie zu Eichenfässern bearbeitet werden. Und ein Eichenstamm ergibt gerade einmal drei Fässer.

In Berlin können die Produkte aus der Spreewood Distillery immer donnerstags in der Markthalle 9 beim Streetfood Thursday probiert werden. Am besten aber, fährt man nach Schlepzig und kostet vor Ort. Das Café und der Hofverkauf sind von Juni bis September (täglich von 11 bis 18 Uhr) und von Oktober bis April (täglich von 10 bis 17 Uhr) geöffnet.

Doch überregional bekannt sind zwei weitere Whisky-Brennereien: So destillierte die in Schwedt aufgewachsene Pharmazie-Ingenieurin Cornelia Bohn 2012 im uckermärkischen Schönermark ihren ersten Whisky in einem ehemaligen Pferdesstall, in den sie eine kupferne Brennanlage eingebaut hatte. Heute stehen 60 Händler auf einer Warteliste für ihren "Preussischen Whisky", einem Single Malt. (Der nächste Tag der offenen Tür findet am Samstag, den 25.November von 10-17 Uhr statt; Tel: 033335/31895)

Die größte Whisky-Brennerei steht in Werder a.d. Havel/OT-Elisabethhöhe, wo der Glina-Whisky hergestellt wird und es einen Hofladen gibt (tägl. 10-18 Uhr). Beliebt sind hier die Whiskyabende. Noch nicht ausverkauft sind diese jeweils mit 3 Gänge Menü, Verkostung, Einblick in die Herstellung und einer Irish Volk Band am 4.,18. und 25. November sowie im Dezember. (Tickets zu 79 Euro unter Tel.: 0177/2666367 oder per Mail an: info@Glina-Whisky.de; Beratung/Bestellung: Tel: 03327/5079336) (db/pm)

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