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23.03.2017 15:22 Uhr - Aktualisiert 30.03.17 07:09 Uhr

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Peter Ducke: Ein Deutscher, der brasilianisch spielte

Frankfurt (Oder) (MäSo) 352 Oberligaeinsätze, 68 Länderspiele, spektakuläre Dribblings und Tore am laufenden Band: Peter Ducke war nicht nur ein ganz Großer im Ost-Fußball. Vielen gilt er als eins der bedeutendsten Sportasse, die die DDR überhaupt je hervorbrachte. Er steht in einer Reihe mit Täve Schur, Katharina Witt und Jens Weißflog. Selbst Brasiliens Fußballgott Pelè zählte den Thüringer einst zu den zehn besten Stürmern der Welt.

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Peter Ducke

© Verlag

Peter Ducke war tatsächlich ein Deutscher, der brasilianisch spielte. Doch der Mann, der gerade 75 wurde, hatte auch Verletzungspech. Zum Beispiel 1974, als ein Schienbeinbruch seinen Einsatz bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland verhinderte. Das legendäre Match BRD gegen DDR (0:1) lief ohne ihn.Über Triumphe und Malheure berichtet er ausführlich in seinem soeben erschienen Buch "Peter Ducke - Held und Rebell" (neues leben). Dazu ließ er sich von Journalist Thomas Stridde aus Jena befragen. Zur Sprache kommen nicht nur die Anfänge als Straßenfußballer, sondern auch die Aussiedlung der Eltern (aus dem Sudetenland), drei Ehen, Fußball-Erfolge mit dem FC Carl Zeiss Jena sowie die Zeit nach dem letzten Torschuss. Ducke und Stridde beleuchten so auch eine Zeit, in der Fußball urwüchsig war und Sportler noch keine Geschäftsleute.Zu Hause ist Peter Ducke heute in Großschwabhausen, keine zehn Kilometer von Jena entfernt. Wie lebt es sich denn so als Ex-Fußballstar auf dem Lande? "Na, besser geht's nicht. Es gibt hier ein paar hundert Einwohner, fünf Häuser und vier Spitzbuben." Einer davon sei er, lächelt Peter Ducke, ein sehr warmherziger und angenehmer Gesprächspartner. Hier, in der thüringischen Idylle, frühstückt der Mann, der Vorbild für Generationen von Fußballern war. "Erstmal gibt es einen schönen Kaffee. Ich trinke ihn schwarz und mit Honig, meine Frau lieber braun." Dazu ein frisches Butterbrötchen sowie hartgekochte Eier. "Das Ei esse ich aber lieber mit Senf, statt mit Pfeffer und Salz", beschreibt der Ex-Angreifer sein bodenständiges Morgenmahl.Ins Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld, seine frühere Wirkungsstätte, verschlägt es ihn den eigenen Worten nach nicht mehr so oft. Zum 75. Geburtstag gab es hier im Herbst aber eine große Sause. Ansonsten war Peter Ducke in den letzten Wochen viel unterwegs, um das Buch zu bewerben. "Ohne den Verlag hätte ich das natürlich nicht gepackt. Bin ja auch nicht mehr der Jüngste", schmunzelt der mehr als rüstige Senior. Der hält auch Kontakt zu früheren Sportkameraden wie Harald Irmscher und Konrad Weise und geht ansonsten gern mit der Gattin auf Reisen.Seine beeindruckende Karriere beschreibt er als "kunterbunt und erfolgreich". Einzelne Spiele mag er aber nicht hervorheben. Je dreimal wurde Ducke mit Jena DDR-Meister und -Pokalsieger. Mit der DDR-Auswahl holte er 1972 in München Olympiabronze. "In Erinnerung sind sicher die Spiel-Reisen nach Südamerika und Afrika. Allein, was wir dort für Menschen kennenlernen durften, das war für uns junge Leute schon ganz speziell", blickt Peter Ducke zurück. Gerade in Mauer-Zeiten wusste der "Jenenser" dies zu schätzen. "Abhauen" wäre für ihn jedoch nie in Frage gekommen, wie er sagt. "Meine Familie und meine Freunde standen für mich immer an erster Stelle. Uns Sportlern ging es doch gut."Angebote von West-Vereinen gab es etliche: aus Spanien, Italien, aber auch aus der Bundesliga und von Hertha BSC. Nach einer Partie in Malmö (gegen Atletico Madrid) habe ihn 1962 mal ein Vertreter von Werder Bremen im Hotelflur angesprochen - am Hintereingang des Hauses stehe ein Mercedes für ihn bereit - mit 80000 Mark im Handschuhfach. Ducke lehnte dankend ab. "Geld stand für mich ohnehin nie an erster Stelle. Wer seine Leistung bringt, egal wo, der hat auch sein Auskommen." Wäre er heute gern aktiver Fußballer gewesen. "Ach wissen Sie, man kann träumen. Man sollte dabei nur nie vergessen, wieder aufzuwachen und die Realität zu sehen." Alles habe seine Zeit - und die Sportkarriere von Peter Ducke sei eben am 1. Juli 1977 beendet gewesen.Die Vorbilder von damals kommen aber immer noch wie aus der Pistole geschossen: Georg Buschner, Trainer in Jena und späterer DDR-Nationalcoach, steht an erster Stelle. "Unter ihm spielten wir einen technisch starken und auch sehr athletischen Fußball." Danach folgt gleich Bruder Roland (selbst Fußballer) sowie Trainer Hans Meyer, in Jena 1971 mit nur 29 Jahren jüngster Trainer der DDR-Oberliga. Mit ihm schaffte es der Club 1981 ins Europacup-Endspiel.Meyer kommt natürlich auch im Buch zur Sprache. Antworten geben aber u.a. auch die Fans Gregor Gysi und Andreas Schmidt-Schaller sowie die "Kollegen" Uwe Seeler und Zwickaus Torwart-Ikone Jürgen Croy. Schmidt-Schaller verrät etwa, dass er in den 60er Jahren nur wegen Peter Ducke nach Jena fuhr. "Sein Laufstil, seine Dribblings - sie waren unnachahmlich. Aber ich versuchte trotzdem, ihn nachzuahmen. Die Daumen etwas hochhaltend, kurze schnelle Schritte und Drehungen, der Ball blieb bei ihm am Fuß kleben. Ich glaube ja, er hat seine "Töppen" vor jedem Spiel mit Leim bestrichen - das hatte ich natürlich vergessen! So konnte ich die Körperhaltung nachahmen, aber nicht seine großartige Technik ...."Reporterlegende Heinz Florian Oertel schwärmt im Buch dagegen: "Seine Sturmläufe, die verrückten Dribblings, das Witzig-Überraschende, seine knalligen Torschüsse, engagierten Kopfballduelle ... mit jedem deutschen Vollblutabgreifer der Jetztzeit könnte er mithalten." Ebenso kommen der Dortmunder Hans Tilkowski, Torwart-Legende im WM-Endspiel 1966 von Wembley, sowie Wolfgang Overath, Fußball-Weltmeister von 1974, zu Wort. Ex-Libero Hans-Jürgen ("Dixie") Dörner von Dynamo Dresden erinnert sich an Ducke als sein großes Vorbild: "Einen besseren und verrückteren Mittelstürmer gab es nicht. Du hast die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander gespielt, aber auch Deine eigenen Mitspieler an den Rand der Verzweiflung gebracht. (...) Bleibe dem Fußball erhalten und gebe Deine Erfahrungen an die Jugend weiter."Das macht der Thüringer, der vor Jahren in Jena zum "Sportler des Jahrhunderts" gewählt wurde, gerne. Zuletzt war er dazu u.a. in Leipzig, wo er Trainingsmethoden anschaute. Apropos Leipzig. Vom neuen Fußball in der Messestadt ist Peter Ducke ganz angetan. "Dass RB Leipzig in der Bundesliga ganz vorn mitmischt, beeindruckt mich und ist für die ganze Region wichtig." "RB" knüpfe an die großen Fußball-Historie von Lok und Chemie Leipzig an. Wer in der aktuellen Saison deutscher Meister wird? "Normalerweise machen es die Bayern aus München. Aber im Fußball weiß man ja nie."

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