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Familie Kusserow, die in Wendisch Rietz ein einzigartiges rollstuhlgerechtes Ferienhaus baute

12.05.2017, 13:18 Uhr - Aktualisiert 12.05.2017, 14:02
Wendisch Rietz () Im Sommer ziehen Schwäne und Schwimmer hier ihre Bahnen, im Winter Schlittschuhläufer. Der Kleine Glubigsee und das benachbarte Glubig-Melang-Fließ zählen nicht zu den bekanntesten Ecken von Wendisch-Rietz, zu den idyllischsten allemal. Ausflüglern sticht seit kurzem ein Gebäude am Ufer ins Auge: Ein komplett rundes Haus, das in der Region wohl seines gleichen sucht.

Auf dem 13-Meter-Rundbalkon lüftet Inhaberin und Bauherrin Kathrin Kusserow das Geheimnis. Bei dem extravaganten Bau handelt es sich um ein komplett rollstuhlgerechtes Ferienhaus: Breite Türen, nirgends Schwellen, ein mit "Rollis" unterfahrbares Kochfeld, der Treppenlift mit Plattform und sanfte Gefälle auf den Uferwegen draußen. Der vor den Balkonen angebrachte Speisen-Lift "Marke Eigenbau" fällt gleich auf. "Er kann über einen Kurbel-Mechanismus Getränke und Gerichte aus der Küche in den Garten befördern", erklärt Initiatorin Kathrin Kusserow. Außer den eigenen Worten ist kein Mucks zu hören. "Auf Glubigsee und Fließ sind Motorboote nicht erlaubt, was uns diese Idylle und einzigartige Ruhe beschert", schwärmt Kathrin Kusserow auf dem Traumgrundstück im Seenland Oder-Spree.

Dann führt sie weiter durchs dreietagige Haus. Sie zeigt die fünf großen Schlafzimmer mit großen Wandbildern, deren Naturmotive den Gast in die Landschaft ringsum versetzen. "Unser 6. Zimmer ist der schöne Garten am Fließ", lächelt Tochter Kristin Kusserow, die sich im Rahmen einer Halbtagsstelle um Verwaltung und Marketing der Anlage kümmert. Drinnen beeindruckt die große Wohnküche mit einem 5,50 Meter langen Esstisch. Es ist eine ideale Festtagstafel. Kein Wunder, dass das Haus, das den Name "Karola" trägt (benannt nach Kathrin Kusserows 1996 tödlich verunglückten Zwillingsschwester Karola), gern für Familienfeste genutzt wird. Zum Objekt gehört ein zweites Ferienhaus namens "Kathrin", das es bereits seit fünf Jahren gibt.

Die Idee, ein rundes rollstuhlgerechtes Ferienhaus zu errichten, kam Kathrin Kusserow und Lebensgefährte Mario Piesk, nachdem sie ein solches Gebäude in Berlin sahen. "Dann suchten wir ein Alleinstellungsmerkmal, das gleichzeitig förderfähig ist. Mit der behindertenfreundlichen Bauweise war dies gegeben", so Kathrin Kusserow. Für den Bau von "Karola" gabs von der Investitionsbank des Landes Brandenburg in Potsdam schließlich eine 49-prozentige Förderung. Die Bausumme allein fürs Haus beziffert Mario Piesk auf runde 700000 Euro. "Dazu kommen natürlich Innenausbau, Fliesen- und Malerarbeiten sowie der Einbau der Heizung", so Mario Piesk. Die Installation der elektrischen Leitungen bewerkstelligte der Handwerker und Elektriker fast in Personalunion. Ob Fugen oder Wärmedämmung - die runde Bauweise erschwerte die Ausführung erheblich. So dauerte der Hausbau letztlich neun Monate länger als geplant.

Nicht verwunderlich, dass von ursprünglich 20 Bauunternehmen, die sich anfangs für das Projekt interessierten, nur eine Firma übrig blieb, die den Rohbau wirklich umsetzen konnte. "Das war eine Firma aus Fürstenwalde", betont Kathrin Kusserow. Doch die Mühe zahlte sich aus: Für die Geschäftsidee und ihre Umsetzung wurden die Kusserows für den Existenzgründerpreis des Landes Brandenburg 2016 nominiert. Die ersten Urlauber sind des Lobes voll, wie Einträge im Gästebuch zeigen. Dazu zählten u.a. schon Besucher aus Polen, China, Frankreich und sogar aus Saudi-Arabien. Einige seien auf Durchreise und machen hier Station. Andere haben Berlin im Fokus, wollen sich aber zumindest abends den Großstadttrubel ersparen.

"Beliebt ist unser Haus Karola mit seiner 260 Quadratmeter Wohnfläche bei Familienfeiern - wenn die Verwandtschaft aus allen Ecken des Landes kommt und sich hier trifft", sagt Mario Piesk. Wendisch-Rietz liege halt strategisch günstig in Ostdeutschland, schmunzelt der Brandenburger. "Die Sommermonate sind praktisch ausgebucht. Doch davor und danach ist noch viel Luft", so Kathrin Kusserow, im Hauptberuf Mathematik-Lehrerin am Oberstufenzentrum Oder-Spree in Fürstenwalde.

Urlaub hat sie ihren Worten nach schon seit längerem nicht gemacht. "Das passte zeitlich, aber auch vom Budget her nicht ins Familien-Konzept. Wir haben wirklich alles ins Haus gesteckt", so die 52-Jährige. Doch wozu in die Ferne schweifen, wenn das Schöne liegt so nah. Kathrin Kusserow schwärmt von den traumhaft schönen Gewässern Glubigsee und Springsee, Tochter Kristin vom benachbarten und bekannteren Scharmützelsee.

"Ich denke beispielsweise an unsere tolle Badestelle in Wendisch-Rietz mit guten Sanitäranlagen, Imbiss und flachem Strand. Das ist auch ideal für Kinder", so die gelernte Bürokauffrau, selbst Mutter von zwei kleinen Töchtern. Bad Saarow und die Gegend ringsum schätze sie touristisch aber auch wegen des guten Radwegenetzes, das auch zum Skaten bestens geeignet sei.

. Die vom Tourismusverband als behindertenfreundlich zertifizierte Anlage kann von jedem Urlauber gebucht werden. Der Tourismusverband Seenland Oder-Spree mit Sitz in Bad Saarow sieht im rollstuhlgerechten Ferienhaus laut Marketingchefin Sandra Ziesig "eine wichtige Ergänzung unserer touristischen Angebote" in Ostbrandenburg.

Beliebt ist das Objekt u.a. auch bei Anglern. (Angelkarten - Erwachsene 13 Euro - gibt es vor Ort) Vor der Errichtung ihres ersten Ferienhauses "Kathrin" gründete die Inhaberin bereits 2013 die "Kama Ferienhäuser".

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