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17.05.2017 12:45 Uhr

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Die erste "Cafeologin" der Mark

Bad Saarow . Gleich hinterm Ladeneingang stehen Kaffeesäcke aus aller Herren Länder. Allein in den Speichern an der Wand lagern 25 Sorten, von der indonesischen Arabica bis hin zur besten Bohne Afrikas. Das von außen eher unscheinbare Geschäft unweit des Scharmützelsees wirkt innen wie ein Anachronismus unserer Zeit. Doch Jutesäcke und Inventar sind nicht Teil eines Museums, sondern gehören zur KaffeeRösterei Bad Saarow. Im Kaffee-Entwicklungsland Brandenburg betreibe sie eher Aufklärungsarbeit, schmunzelt Chefin Katja Straube. Nix da mit Museum!

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25 Kaffeesorten hat Katja Straube im Angebot

© Sabine Uy

Als wir zum Sonntagsfrühstück verabredet sind, kommt die 28-jährige Geschäftsfrau gerade aus Hamburg, wo sie 14 Säcke besten äthiopischen Kaffee orderte. Die Hansestadt sei Dreh- und Angelpunkt für guten Kaffee, der von dort per Schiff aus allen Ecken des Erdballs eintreffe. Katja Straube ist nicht irgendeine Kaffeerösterin, sondern den eigenen Worten nach Brandenburgs erste Cafeologin. Eine Weiterbildung im privaten Coffee-Consulat Mannheim berechtige sie, den Titel "Cafeologin" (Original-Bezeichnung "Coffeeologe" aus dem Englischen) zu tragen. Weltweit gebe es nur rund 120 solcher Kaffee-Barista, darunter Koreaner, Polen und Schweizer. Der Job ähnelt dem eines Wein-Sommelier: "Nur dass man beim Wein rund 600 Aromen, bei Kaffee über 800 Aromen unterscheide", so die junge Mutter, die in Frankfurt (Oder) geboren wurde.

Ein "Cafeologe" kenne sich nicht nur mit Röstverfahren aus, sondern verfeinert und tüftelt mit Kaffees aus den besten Anbaugebieten der Welt, erklärt Katja Straube. "Ich erfinde dabei das Rad nicht neu, beherzige nur drei Komponenten, aus denen sich ein exzellenter Kaffee zusammensetzt: dem Naturprodukt, der Röstung und Zubereitung", so die taffe Unternehmerin. Sie sucht Rohkaffees individuell aus und bringt natürliche Aromen und Röst-Aromen in Einklang. Dies zu beherrschen, sei das Geheimnis eines guten Kaffees. Straubes Bohnen werden ihren Angaben nach in Chargen von fünf Kilogramm in 15 bis 22 Minuten bei einer Temperatur von maximal 220 Grad veredelt. Die stets frische Röstung fördere auch die Bekömmlichkeit des Kaffees.

Dann überrascht die "Cafeologin" mit der Aussage, dass ein guter Kaffee Blutdruck senken könne, statt ihn in die Höhe zu treiben. "Natürlich hängt das auch von der Sorte ab. Der handgeerntete Galapagos-Kaffee hat beispielsweise von Hause aus wenig Koffein." Sie selbst trinke über den Tag verteilt ein großes Kännchen Kaffee und mehrere Espresso. Ihr eigener Lieblingskaffee stamme von den Galapagos-Inseln und schmecke nussig-mild. Herkömmlichen Filterkaffees habe sie längst abgeschworen. Diese Billig-Produkte würden teilweise nur 70 Prozent Kaffee enthalten. "Der Rest wird gestreckt - was auf Verpackungen noch nicht einmal deklariert werden muss", moniert die Märkerin.

Um so mehr macht es der gelernten Restaurantfachfrau Spaß, ihre Gäste von guten Kaffees zu begeistern. "Das dauert manchmal, beispielsweise wenn ich vorschlage, einen bestimmten Kaffee ohne Milch zu trinken. Wenn ich Besucher dazu überzeugen kann, ist das für mich der schönste Lohn." Katja Straube, die im Erzgebirge aufwuchs, wurde relativ spät, mit erst 18 Jahren, "Kaffeetrinkerin". Die Geschäftsidee hatte eigentlich ihre Mutter Heike. "Meine Mama vermisste einfach gute Kaffees in unserer Region", so Katja Straube, die ihre Lehre in einer Verbundausbildung im Saarower Nobel-Hotel Esplanade sowie bei der Scharmützelsee-Schifffahrtsgesellschaft absolvierte. Berlin sei mit etlichen Kaffeeröstereien und so genannten Brühbars wesentlich besser aufgestellt. In der Mark könne man solche Cafés an zwei Händen abzählen.

In die Bad Saarower Rösterei verschlägt es mittlerweile nicht nur Urlauber, die ohnehin vor Ort sind, sondern auch ein festes Stammpublikum. Da reisen einige Kunden schon mal extra aus Potsdam oder Berlin an. Wenn im Ostbrandenburgischen wieder mal Filme gedreht werden, kann man sicher sein, einen der Mimen in der kleinen Rösterei an der Seestraße zu treffen. Zu den eher seltenen Gästen zählte eine Brasilianerin, die früher selbst Plantagen-Arbeiterin war. Mit ihr fachsimpelte Katja Straube u.a. über eher fruchtigen bzw. "schokoladigen" Kaffee. Viele afrikanische Kaffees hätten eine fruchtige Note, erklärt die "Cafeologin". Der äthiopische Sidamo schmecke beispielsweise nach Johannisbeere, einige brasilianische Sorten aber eher nach Schokolade.

Auch Einheimische schätzen das Naturell von Katja Straube, alles perfekt machen zu wollen. In der gemütlichen Rösterei lassen sich Gäste u.a. hausgemachte Kuchen, aber auch Kaffee-Kreationen mit Cointreau und Whisky schmecken. Für einen Plausch ist die Brandenburgerin sowieso immer zu haben. Einmal im Monat finden in der KaffeeRösterei Bad Saarow Kaffeeverkostungen statt. Interessierte bekommen Wissenswertes über Kaffee, seinen Anbau, Ernte und Veredlung vermittelt. Bevor es in die praktische Verkostung geht, werden die menschlichen Geruchs- und Geschmackssinne erläutert, damit Gäste zwischen Fülle, Körper, Säure und Nebennoten unterscheiden können. "Vielleicht schmeckt ja der eine oder andere Teilnehmer seinen künftigen Lieblingskaffee heraus", schmunzelt Barista Katja Straube. Im Anschluss an die Verkostung steht sie zu allen Fragen rund um den Kaffee Rede und Antwort.

Theoretisch könnte Katja Straube aus rund 80 Staaten Kaffee beziehen, wie sie sagt. Doch für das kleine Café an der Seestraße müsse sie Prioritäten setzen, schmunzelt die Bad Saarowerin. In die Länder, aus denen der Kaffee stammt, zieht es sie übrigens nicht unbedingt: Größeren Urlaub benötige sie nicht. Schließlich wohne sie am Scharmützelsee.

Infos:

Kaffee-Verkostung und Seminare unter www.kaffeeroesterei-badsaarow.de

Weitere Kaffeeröster in Brandenburg:

Kaffeerösterei Junick Potsdam; www.kaffeeroesterei-junick.de

Coffeelatte Cottbus; www.coffeelatte.de

Hauswald Kaffeerösterei; Schorfheide; www.hauswald-kaffee.de

Coffeepolitan Strausberg; www.coffeepolitan.de (rüm)

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