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01.06.2017 12:21 Uhr

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Von Alexanderplatz bis Alexis Sorbas

Frankfurt (Oder) . Alexe erfanden die Brille, das Plattencover und die elektrische Uhr. Ein Alexander hat den Pesterreger entdeckt (Alexandre Emilie Jean Yersin), das Penicillin (Alexander Fleming) und die Ausdehnung des Universums (Alexander Friedmann). Der erste schwarze Präsident Amerikas hieß nicht etwa Barack Obama, sondern, Alexandre Sabès Pétion, ein haïtianischer Revolutionsgeneral, der 1806 zum ersten Präsidenten der Republik Haïti gewählt wurde. Das ALEXIKON (Vergangenheitsverlag) ist jetzt das weltweit erste Lexikon, das sich um einen einzigen Namen dreht. Sein Autor heißt natürlich Alexander: Alexander Fromm, ein gebürtiger Bernauer (Barnim), der heute in Berlin lebt.

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Alexander Fromm befasst sich seit über 30 Jahren mit seinem Vornamen: Das Ergebnis ist sein im Vergangenheitsverlag erschienenes "Alexikon".

© Jens Rümmler

Seit 2000 Jahren werden Kinder Alexander bzw. Alexandra gerufen, ist im Buch zu erfahren. "Überall, wo Weltgeschichte geschrieben wurde, war mindestens ein Alex im Spiel", erklärt Fromm. Das ALEXIKON listet die wichtigsten Alexe auf - und erklärt, welchen Einfluss sie auf die Weltgeschichte hatten.

Mit seinem Vornamen befasst sich Alexander Fromm praktisch seit seiner Kindheit: "Ich war zehn Jahre lang mit einem Alexander in einer Klasse. Wenn der Lehrer sagte "Alexander", haben wir beide hochgeguckt. Ich habe mich dann öfter gefragt, warum heißt der wie ich, der ist doch jemand ganz anderes", blickt Fromm zurück. Als ihn sein Vater auf dem Berliner Alexanderplatz mal laut beim Namen rief, bekam die Sache für den 36Jährigen einen neuen Dreh. "Der Name steckte also auch in Orten und Dingen." Als ihm sein Papa mal großzügig fünf Mark mit dem Konterfei von Alexander von Humboldt in die Sparbüchse steckte, war es endgültig um das Alex-Interesse des kleinen Alexander Fromm geschehen. "Mein Name auf einem Geldschein! Das war es."

Während seines Studiums der Kulturwissenschaften an der Viadrina in Frankfurt (Oder) entdeckte Fromm den eigenen Worten nach in Büchern weitere Alexander aus der Geschichte. Beim Auslandssemester in Italien begegnete dem "Alexperte" der Name als "Alessandro" auf Inschriften, Geldscheinen (Alessandro Volta) und in Straßennamen (Alessandro Manzoni, Botticelli). "So kam mir die Idee für das ALEXIKON, ein Lexikon mit lauter "Alexandersen." Das Buch sei Ergebnis jahrelanger Sammelei. "Ich habe nicht einfach nur Namen gesammelt, sondern durch die Lebensläufe sehr viel Neues über die Welt erfahren. Meine Recherchen waren sozusagen eine Parallelausbildung zum Studium." Am ALEXIKON selbst habe er über drei Jahre geschrieben - aber nicht am Stück, wie Fromm betont.

Doch letztlich sei die Recherche eine unendliche Geschichte. Immer wenn er dachte, jetzt ist Schluss, tauchte irgendwo ein neuer Alex auf. Kein Wunder: Überall, wo Weltgeschichte geschrieben wurde, war mindestens ein Alex dabei. Der Name sei nun mal so häufig. Fromm hat gleich ein Beispiel parat: Als das ALEXIKON in seiner Ur-Fassung fertiggestellt war, schickte Deutschland sogleich einen Astronauten ins All, der viele Menschen für die Raumfahrt begeisterte. Sein Name: Alexander Gerst. Im Novemer 2015 fand ein Taucher vor der Küste Kanadas eine verschlossene Flasche. Es stellte sich heraus, dass sich darin über 120 Jahre altes Bier befand - das älteste erhaltene Bier der Welt. Es war "Alexander Keith's" aus der gleichnamigen kanadischen Brauerei.

Fromms Favorit unter den Alexen ist aber Arthur Alexander - hier ist Alexander der Nachname. "Arthur Alexander war ein Soulsänger aus Alabama, der wunderschöne, melancholische Lieder geschrieben hat. Obwohl seine Songs von den Beatles, Rolling Stones, Bee Gees, Elvis Presley und Bob Dylan übernommen wurden, blieb er selbst komplett unbekannt. In den 1980ern arbeitete Arthur Alexander sogar als Busfahrer."

Bis heute ist Fromm vom mittelalterlichen Alexanderroman fasziniert: "Das war eigentlich der erste Fantasy-Roman der Weltgeschichte. Der Alexanderroman war vor der Erfindung des Buchdrucks das am häufigsten übersetzte, am weitesten verbreitete und am meisten gelesene Buch der Weltliteratur, nach der Bibel und vor dem Artusroman", erklärt der Autor. Auch wenn sich die Handlung am Leben von Alexander dem Großen orientiere, sei die Geschichte doch ein Märchen. Alexander treffe hier auf Fabelwesen wie Drachen, Greife, Einhörner, Zyklopen, Riesenkrebse, Nymphen, Amazonen, lässt sich von sprechenden Bäumen die Zukunft voraussagen und taucht mit einer Glasglocke auf den Meeresgrund (Abbildung anbei).

Vor der Recherche zum "Alexikon" waren Alexander Fromm eigenen Angaben nach etliche Alexe unbekannt: Der italienische Dominikanermönch Alessandro della Spina etwa, der um 1280 die Brille erfand. Der schottische Seefahrer Alexander Selkirk war wiederum Vorbild für Daniel Defoes Romanfigur "Robinson Crusoe". "Alexander ist in Schottland ein außerordentlich populärer Vorname, nebenan in England nicht. Warum? Weil es drei schottische Könige mit diesem Namen gab, die den Engländern ordentlich eingeheizt haben", schmunzelt Fromm, der an der Universität Bologna (Italien) Literatur studierte. Alexander M. Ponjatow gründete 1944 im späteren Silicon Valley die Firma AMPEX (seine Initialen), die das erste Tonbandgerät und den ersten Videorekorder auf den Markt brachten. AMPEX war bald so groß wie heute APPLE oder Google und sackte sogar einen Oscar und zahlreiche Emmys ein. Trotzdem ging die Firma wegen mangelnder Innovationskraft ein und ist heute verschwunden.

Auf seinen Lorbeeren will sich Alexander Fromm jedoch nicht ausruhen. Erst vor kurzem habe er ein Buch über den Einfluss einer fast vergessenen Substanz auf die westliche Popkultur fertiggestellt: "Acid ist fertig. Eine kleine Kulturgeschichte des LSD". "Eine hochinteressante Thematik, die wir heute eher mit hochgezogener Augenbraue abtun. Aktuell plane ich ein Buch über alte Apfelsorten mit Namen wie "Pommerscher Krummstiel" und "Roter Brasil", berichtet der Mann, der aber weiterhin als Alexperte aktiv sein will.

Privates ist Fromm kaum zu entlocken: "Unser Haus in Bernau wurde nach unserem Wegzug abgerissen, geblieben sind nur Erinnerungen. Ich bin in Eisenhüttenstadt großgeworden und dort zur Schule gegangen", erklärt er knapp. Eine Zeitlang sei er dort mit fünf Alexen gleichzeitig befreundet gewesen. Selbstverständlich erhielten jetzt alle ein "Alexikon".

Sein Sonntagsfrühstück lässt er sich heute gern in der Berliner City schmecken - entweder in einem schönen Cafe, bei Freunden oder zu Hause. Im Sommer ist er gern in der Natur, in der kalten Jahreszeit zieht er sich lieber mit einem Buch zurück. Hin und wieder besuche er Eisenhüttenstadt: "Ich wundere mich jedes mal, wie nach und nach ganze Stadtteile verschwinden. "Hütte" wirkt auf mich wie ein architektonischer Flickenteppich. Bernau hingegen scheint gut zu gedeihen und immer weiter zu wachsen."

Alexander Fromm wurde in Bernau bei Berlin geboren und wuchs in Eisenhüttenstadt auf. Beruflich war er u.a. in den Bereichen Journalismus, Clubkultur, Verlagswesen, Kulturmanagement und Museumswesen tätig. Fromm über sich: " Ich bin interessiert an Rockmusik, Sprachen und fraktalen Strukturen. Ich arbeite als Autor und Comiczeichner in Berlin bei Bernau."

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Das ALEXIKON enthält über 200 Alex-Minigrafien und alle wichtigen Toponyme zum Namen. Eine Weltgeschichte zum Schmökern, Schmunzeln, Nachdenken - aus ungewöhnlicher Perspektive.

320 Seiten, 100 Abbildungen, ISBN: 978-3-86408-170-5

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