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11.07.2017 16:12 Uhr

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Mit angelernter Berliner Schnauze: Der neue "Hauptmann von Köpenick"

Berlin (Mäso) Viele waren skeptisch, ob ein 38-Jähriger den gesetzten und etwas kauzigen "Hauptmann von Köpenick" spielen kann. Doch schon nach den ersten Proben stand fest: Er kann! Zumindest in Gestalt des genau so alten Schauspielers Maximilian Nowka. Noch bis 6. August 2017 ist er im Admiralspalast an der Friedrichstraße in eben dieser Paraderolle zu sehen.

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Einer der jüngsten Darsteller des "Hauptmann von Köpenick": Maximilian Nowka.

© promo

Bei der Voraufführung vor einigen Tagen konnten sich Besucher und Medienleute ein Bild machen. Leicht gebeugt polterte der buckelige "Hauptmann" über die Bretter des legendären Spielorts. An seinen berühmten Vorgängern in TV und Kino, Heinz Rühmann und Harald Juhnke, orientiert sich Nowka dabei nicht. Der gebürtige Hamburger spielt brillant und macht sein eigenes Ding. Das Publikum ist hin und weg. Eindrucksvoll an seiner Seite spielt und singt die fantastische Juliane Maria Wolff (als "Plörösenmieze").

"Wir spielen das Stück im dritten Jahr, nun erstmals im Admiralspalast. Ich wachse dabei immer weiter in die Figur des Hauptmann hinein", spricht Maximilian Nowka über den Vorlauf des Berliner Erfolgsmusicals. Sein Alter sei schon deshalb kein Problem, weil die Handlung mit der Figur Wilhelm Voigt als Enddreißiger beginnt. Mit zunehmendem Alter des Hauptmanns wird die Maskerade aufwändiger, der angeklebte Bart grauer und die Haltung gebückter.

Vorm ersten Auftritt im Admiralspalast sei er aufgeregt, wie selten zuvor: Auch aus Respekt vor dem historischen Spielort, der bereits seit 1911 existiert. "Wir geben den Hauptmann immerhin drei Wochen am Stück. An den Wochenenden sogar zweimal am Tag." Ein gewisses Lampenfieber sei für ihn wichtig, so der Vater eines Sohnes, um die Konzentration hochzuhalten. Dies ist im aktuellen Stück besonders wichtig, weil entscheidende Szenen erst ganz zum Schluss kommen. Kein Wunder, dass der Wahlberliner bereits über drei Stunden vor Spielbeginn am Spielort eintreffen wird, wie er sagt.

Bereits seit mehr als zehn Jahren lebt Maximilian Nowka in der Hauptstadt. Berlin habe nicht nur die größere Film- und Theaterszene. "Hier kann man auch günstiger leben als in Hamburg", erklärt der gefragte Darsteller. Mit Frau und Kind wohnt er unweit von Schloss Charlottenburg. "Ich mag diese Gegend und speziell unseren Kiez sehr. Alles läuft entspannt und unaufgeregt."

Hier steigt auch das Sonntagsfrühstück der Familie - mit den Schrippen von "Lieblingsbäcker Basti" gleich um die Ecke. "Dinkel-Seele mit Kümmel ist unsere liebste Brötchensorte. Unser kleiner Sohn lauscht zum Frühstück gern einem Hörspiel, im Moment "Wickie"", plaudert der Mime aus dem Sonntags-Alltag. Apropos Kiez-Bäcker "Basti". Mit dem habe er sogar Berlinern geübt. "Das war auch wichtig für meine Hauptmann-Rolle: Ernsthafte Aussagen auf berlinerisch - für einen nicht hier Gebürtigen eine echte Herausforderung", schmunzelt Nowka.

Der ist zwar noch keine 40, aber schon seit knapp zwei Jahrzehnten gut im Geschäft. Neben dem "Hauptmann von Köpenick" glänzt er u.a. in "Kiss me Kate", in der Boulevardkomödie "Charleys Tante", "Rocky Horror Show", "Im weißen Rössel" oder im Stück um den zwielichtigen Gaukler und Zirkusakrobaten Hanussen. "Besonders stolz bin ich auf mein Soloprogramm "Max Hansen". Das ist mir eine echte Herzensangelegenheit, weil dieser dänische Kabarettist heute etwas in Vergessenheit geraten ist. Dabei war er mal ein echter Musik- und Schauspielstar", erklärt Maximilian Nowka, der neben Hansen auch Jack Lemmon als Vorbild nennt.

Was Fernsehrollen anbetrifft, gebe es noch Luft nach oben, lächelt der 1,80 Meter große Fußball- und Tennisfan. Das ist mehr als erstaunlich, wenn man den professionellen und ausgebufften Schauspieler auf der Theaterbühne live erlebt. "Natürlich hatte ich auch schon einige Fernsehauftritte, aber die ganz große Rolle war noch nicht dabei." Seine Agentin sei trotzdem begeistert, weshalb Nowka augenzwinkernd empfiehlt: "Mein Demo-Band anschauen und mich buchen." Zu sehen war er bereits 1991 in Dieter Wedels "Mit Leib und Seele", aber auch in "Das Duo" und "Soko Wismar".

Die Hintergründe des "Hauptmann von Köpenick"-Stücks kennt er natürlich aus dem Effeff:"Wilhelm Voigt wäre gern ein rechtschaffener Untertan, doch er scheitert am alltäglichen bürokratischen Teufelskreis. Seinen Weg kreuzt dabei immer wieder eine Hauptmannsuniform des Preußischen Garderegiments, die ihm letztendlich eine spitzbübische Lösung verschafft. Als Hauptmann von Köpenick schlägt er schließlich die Ordnungstreuen und Autoritätshörigen mit ihren eigenen Waffen", gibt Maximilian Nowka einige Grundpfeiler der Handlung wieder. Diese basiert auf einer wahren Geschichte, die sich im Jahre 1906 im damaligen Cöpenick bei Berlin tatsächlich abspielte. Der aus Ostpreußen stammende Schumacher Friedrich Wilhelm Voigt drang dabei als Hauptmann verkleidet ins Rathaus ein, ließ den Bürgermeister verhaften und raubte anschließend Cöpenicks Stadtkasse.

Die Musicalfassung von Heiko Stang, nach der gleichnamigen Tragikomödie von Carl Zuckmayer aus dem Jahr 1931, spiele in Berlin vor dem Ersten Weltkrieg und ist ein kritisches Zeitstück über die Entwürdigung des Einzelnen durch Staat und Bürokratie. Die liebenswert-tragische Figur des Wilhelm Voigt ist dabei zum Sinnbild des kleinen Mannes geworden, der sich allein gegen die Ungerechtigkeiten des gesellschaftlichen Systems zur Wehr setzt.

Nach dem fast weltweiten Siegeszug des Erfolgsmusicals kommt das Stück nun erstmals in den Admiralspalast. "Bereits im letzten Sommer lief es open air erfolgreich in Berlin-Köpenick", rührt Hauptdarsteller Maximilian Nowka die Werbetrommel. Mit viel Berliner Mundart verbinde das Stück klassische Elemente des Boulevardtheaters mit modernem Musical. Die Kompositionen und Lieder reichen vom Moritatenlied, über Musicalsongs und großen mehrstimmigen Ensemblenummern bis hin zum Jazz im Stil der 20er Jahre. Historische Kostüme, Berliner Originalrequisiten und eine preußische Amtsstube als Bühnenbild entführen die Zuschauer in das alte Berlin der vorletzten Jahrhundertwende.

Neben dem "Hauptmann von Köpenick" bereichern viele weitere Kulturevents das Sommerfestival im Admiralspalast (bis 20. August 2017). Dazu zählen u.a. die große Musical-Produktion "Cats" sowie Konzerte der "Tiger Lillies" oder "Camille O' Sullivan". Kleine Besucher soll die Aufführung von "Rotkäppchen und der Aufschneider" locken. Die Offerten reichen von Vormittags- bis zu Abendvorstellungen und bieten Kindern und Erwachsenen ein buntes Programm.

Jens Rümmler

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