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24.08.2017 12:51 Uhr

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Zwischen Potsdam und Peking: Jan-Philipp Sendker hat jetzt seinen dritten China-Roman vorlegt

Potsdam (Maso) Er ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Autoren. Seine Romane sind in 35 Sprachen übersetzt. 1,5 Millionen Bücher wurden im deutschsprachigen Raum und drei Millionen weltweit verkauft. Jan-Philipp Sendker darf man getrost zu den erfolgreichsten Schriftstellern des Landes zählen. Seit acht Jahren lebt er in Potsdam.

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Weltweit gefragter Bestseller-Autor: Jan-Philipp Sendker.

© Blessing Verlag

Sendkers großes Thema heißt China, das er seit mehr als 20 Jahren privat und dienstlich bereist. Dem Land im "Reich der Mitte" widmete er bereits zwei Romane, die Bestseller wurden. Jetzt erschien "Am anderen Ende der Nacht" (Blessing Verlag), die dramatische Story um eine Flucht aus Peking. Ein Paar erlebt den Albtraum schlechthin: David, der vierjähriger Sohn von Christine und Paul, wird entführt. Zwar gelangt David durch glückliche Umstände wieder zu ihnen, doch die Entführer geben nicht auf. Es folgt eine Odyssee durch die amerikanische Botschaft in Peking, über Flughäfen und Bahnhöfe.

In dem bewegenden Roman geht es um die Macht der Liebe und die Angst vor dem Verlust, aber auch um Selbstreflexion. "Am anderen Ende der Nacht" erzählt von Menschen, die nicht mehr viel zu verlieren haben und sich gerade deshalb ihre Menschlichkeit bewahren. Das anrührende und spannenden Buch gibt darüber hinaus tiefe Einblicke in ein vielen unbekanntes Land.

"Schon mit 13 Jahren hieß mein Berufswunsch Schriftsteller. Studieren wollte ich dafür aber eigentlich nicht unbedingt", schmunzelt Jan-Philipp Sendker. Doch schon bald dämmerte dem gebürtigen Hamburger, dass große Romane ohne große Lebenserfahrung nicht so locker und leicht von der Hand gehen. Schließlich folgte mit 37 Jahren Sendkers erster Roman. Da war er bereits Asien-Korrespondent des Stern. "Für das Magazin war ich auch in Vietnam, Burma und Japan unterwegs", so der 56-Jährige. Doch besonders China ließ ihn nicht mehr los. "Was wir in 100 Jahren erreichten, schaffte China in 20 Jahren", so der erfolgreiche Autor, den aber immer auch die Geschichten hinter der (lächelnden) chinesischen Fassade interessierten. Mit China sei nicht nur ein asiatischer Wirtschaftsriese entstanden, sondern auch ein wichtiger "Akteur" der Weltpolitik.

Mit seiner Frau und drei Kindern lebt der Wahl-Märker seit acht Jahren in der Brandenburger Landeshauptstadt. Potsdam sei für ihn ein idealer Wohnort - mit Leichtigkeit, Charme und einer großen Portion Historie. Zwischenzeitlich wohnten die Sendkers auch mal in Berlin, der Heimatstadt seiner Frau. Doch die Metropole wurde der Familie bald zu hektisch und zu laut. Da sei Potsdam entspannter.

Hier steigt auch das Sonntagsfrühstück von Jan-Philipp Sendker. Großes Aufhebens macht er darum nicht. Aber ein guter Cappuccino geht ihm über alles. "Da legen ich und meine Frau schon großen Wert drauf. Aus diesem Grund haben wir uns auch eine italienische Cappuccino-Maschine geleistet." In der warmen Jahreszeit geht es mit dem Rad raus in die herrliche Umgebung Potsdams. "Wir sind unter anderem sehr gern in Brandenburg an der Havel, wo Freunde von uns leben. Es ist eine tolle Stadt, fast eine märkische Perle", schwärmt der weltweit gefragte Schriftsteller von seiner Wahl-Heimat.

Und doch kreisen Sendkers Gedanken oft um China. Der Mann, der u.a. auch Hongkong und die USA bereiste, begeistert seinen eigenen Worten nach das Fremde und "Unvertraute" im viertgrößten Land der Welt. "Meine Aufenthalte in China erweiterten aber nicht nur meinen Horizont, sondern führten immer auch zu einer Selbstreflexion." Vertrauen in demokratische Werte, in funktionierende deutsche Justiz und staatliche Behörden, seien gewachsen, nachdem er China sah. Nach seinem Blick "hinter die Kulissen" habe er eine aufstrebende Weltmacht erlebt, die viel instabiler ist, als es von außen scheint.

In deutschen Medien müsse China eine bedeutend größere Rolle spielen. Damit meint Jan-Philipp Sendker nicht nur Reisereportagen und Dokus, sondern auch Fernsehfilme. Auch literarisch könne der asiatische "Riese" viel öfter in Erscheinung treten. "Ich glaube einfach an die Macht der Literatur", so der freie Autor. Ansonsten erzeuge Nichtwissen immer auch eine Projektionsfläche für Ängste. Von der deutschen Regierung fordert er ein deutlicheres Anmahnen der Wahrung von Menschenrechten bei Treffen mit Vertretern von Wirtschaft und (Kommunistischer) Partei in China. Zugunsten ökonomischer Interessen erscheine ihm das Entgegenkommen bundesdeutscher Regierungsvertreter in politischen Fragen zu groß. "Wir sollten und können unsere Werte selbstbewusster verteidigen", mahnt Sendker.

"Müssen wir Angst vor China haben", wurde der deutsche Schriftsteller im vergangenen Jahr auf einer Lesung in San Francisco gefragt. "Nein", lautete seine Antwort. "Nicht vor, sondern um China." Das Publikum reagiert überrascht und ungläubig. Doch wer die Romane des international angesehen Autors liest, versteht, was er meint. Denn die tiefgreifenden Innenansichten in seinen Büchern zeigen eine Gesellschaft in Aufruhr. Eine, die ihren moralischen Kompass verloren hat, und in der es keine staatlichen Institutionen oder öffentlichen Personen gibt, die bei den Chinesen auch nur eine Spur Vertrauen genießen. Jan-Philipp Sendker gewährt Einblicke in eine Gesellschaft, in der die Schere zwischen Arm und Reich so groß ist, wie in kaum einem anderen Land des Erdballs und in dem die Regierung Angst vor der eigenen Bevölkerung hat. Im gleichen Atemzug bekennt der Potsdamer, dass ihn chinesische Flexibilität sowie ein unvergleichlicher Pragmatismus tief beeindrucken. Doch letztlich fehle dem diktatorisch geführten Land jedes ethische und moralische Fundament.

Bereits im Jahr 2000 erschien bei Blessing Sendkers eindringliche Porträtsammlung "Risse in der Großen Mauer". Nach dem Romanbestseller "Das Herzenhören" (2002) folgten "Das Flüstern der Schatten" (2007), "Drachenspiele" (2009) und "Herzenstimmen" (2012). Sein neuestes Werk bereitete er, wie die Bücher davor, mit äußerster Sorgfalt vor. Für "Am anderen Ende der Nacht" bereiste er China zwei Mal für mehrere Wochen. Früher gab es auch schon mal eine zusätzliche China-Tour während des Schreibens. Druck macht sich Sendker dabei den eigenen Worten nach nie. "Es gibt Tage, da bringe ich keine vernünftige Zeile zustande und tags darauf läuft es wie von selbst." Anderen Autoren sei dies wohl auch bestens vertraut. Beim Texten hört der zeitgenössische Autor gern klassische Musik, mit Vorliebe italienische Opern. Am Ende überrascht Jan-Philipp Sendker mit der Aussage, dass ihn in den letzten Jahren nicht China, sondern die fremde exotische Welt Burmas am meisten berührte.

Jens Rümmler

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