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Wie man Kopf und Seele entrümpelt

Susanne Fröhlich schreibt nicht nur Bücher, sie moderiert im MDR u.a. ihre eigene Literatursendung "Fröhlich lesen".
Susanne Fröhlich schreibt nicht nur Bücher, sie moderiert im MDR u.a. ihre eigene Literatursendung "Fröhlich lesen". © Foto: promo
Jens Rümmler / 28.11.2017, 16:59 Uhr
Frankfurt (Oder) (Mäso) Ihr Name ist Programm und Lebensmotto zugleich: Susanne Fröhlich scheint tatsächlich immer gute Laune zu haben. Zumindest, wenn man sie als Gast in Talkshows oder selbst moderieren sieht. Immer gut drauf zu sein, dazu hätte die gebürtige Hessin auch allen Grund. Denn Susanne Fröhlich zählt zu den beliebtesten TV-Gesichtern des Landes. Die Mutter von zwei Kindern gibt u.a. im MDR in "Fröhlich lesen" Buchtipps. Ihr Werk "Moppel Ich" verkaufte sich über eine Million mal. Insgesamt bringt es die taffe Westdeutsche, die ihre Journalistenkarriere 1984 beim Hessischen Rundfunk startete, auf mehr als 20 Bücher. Über ihre neueste Lektüre "Kann weg! Frau Fröhlich räumt auf" (Gräfe und Unzer; Co-Autorin Constanze Kleis) sprachen wir mit der 54-Jährigen.

Die erklärt zum Einstieg gleich mal, um was es ihr eigentlich geht: Um Powerfrauen, die viel Zeit in Ehemänner sowie Kinder investieren und sich auch im Job reinknien. Doch wie sehr sie auch an ihrer (Selbst-)Optimierung arbeiten, überall tun sich neue Baustellen auf. Ein Mysterium, dem sich Susanne Fröhlich und Constanze Kleis augenzwinkernd widmen. Ihre Erkenntnis: das Zuwenig an Ertrag liegt nicht selten an einem Zuviel an Aufwand!

Die Botschaft: Weniger bringt mehr. "Nur wenn Frauen sich endlich auf das Wesentliche konzentrieren und den Rest entsorgen, können sie das Leben führen, das sie verdient haben", lacht Susanne Fröhlich. Zum Glück könne man nicht nur Sockenschubladen und Werkzeugkisten ausmisten, sondern auch Kopf, Geist und Seele - von typisch weiblichen Denkfehlern sowie Altlasten aus Mädchentagen. Wie zum Beispiel dem Aberglauben dass man einen Mann nur ganz doll lieben muss, damit er einen endlich auf Händen trägt. Dass Kinder sofort den Drang verspüren, ihr Zimmer aufzuräumen, wenn man nur an ihre Vernunft appelliert. Und dass man tatsächlich 150 Jahre alt werden kann, wenn man sich ein wenig Chia-Samen ins Essen streut.

Die Idee für "Kann weg!" kam Fröhlichs Worten nach beim Gedanken an herkömmliche Aufräumbücher: "Darin wird stets geraten, man solle jeden Gegenstand in seinem Haushalt einmal in die Hand nehmen und überlegen: Brauche ich das noch? Wir dachten: Wie viel mehr Zufriedenheit und Entlastung es bringen würde, würde man mit emotionalen Ballaststoffen wie Schuldgefühlen, Selbstzweifeln ebenso verfahren wie mit durchgesessenen Sesseln", sagt Susanne Fröhlich. Andererseits habe das Kopf-Entrümpeln auch mit Älterwerden und Erfahrung zu tun. "Dass einem plötzlich auffällt, wie viel nutzlosen Ballast man mit sich herumträgt, der einem die Aussicht aufs Glück verstellt. Manche dieser emotionalen Staubfänger stammen noch aus dem Mädchenzimmer. Zum Beispiel diese Idee, dass man nur mit einem Mann glücklich werden kann, der auf einem Pferd sitzt und eine Krone trägt. Anderes kristallisiert sich mit den Jahren heraus, zum Beispiel, dass die Liebe eben nicht proportional zu den Geschirr- oder Wäschebergen wächst, die man für einen Mann miterledigt."

Typische "weibliche Denkfehler" kann die beliebte Moderatorin und Autorin sofort benennen. "Ein besonders anstrengender ist diese Idee, dass Frauen nie fertig sind. Dass es immer ein "wenn-dann' gibt. Dass man also erst mal ganz schlank sein und mindestens eine Wimperndauerwelle haben muss, um Anerkennung und Bewunderung "verdient' zu haben. Dass man sich sogar die Liebe seiner Kinder mit regelmäßigen Chauffeur-Diensten, mit Schonung vor den Härten des Alltags - wie etwa das eigene Zimmer aufzuräumen - "erarbeiten" sollte. Diese Vorstellung, dass Glück immer Arbeit macht. Und wenn es keine Arbeit macht, dann kann es kein Glück sein. So befinden wir uns ständig im "Optimierungsstress' ohne je mal entspannt sagen zu können: Alles ist gut."

Für eine Frau, die heute im Taunus lebt, kennt Susanne Fröhlich Brandenburg und Berlin scheinbar ganz gut. Potsdam und Cottbus sind ihr zumindest vertraut. "Auf der To-Do-Liste ganz oben, steht aber auch, endlich einmal die wunderbaren Naturlandschaften kennen zu lernen, von denen alle, die das kennen, so schwärmen", betont Susanne Fröhlich. Für Berlin gelte: Die Mischung macht's. "Es ist toll, den Ku-Damm entlang zu flanieren. Aber auch, in der Zukunft am Ostkreuz das dort selbst gebraute Bier zu trinken und Filme zu sehen, die sonst nirgends laufen, an den Wannsee zu fahren, auf dem Markt am Winterfeldplatz was Leckeres essen." Schon häufig war sie mit Co-Autorin Constanze Kleis, die sonst u.a. für FAZ und Elle schreibt, in der Hauptstadt unterwegs: "Obwohl wir schon oft in Berlin gewesen sind, gibt es immer wieder Neues zu entdecken und das am Besten zu Fuß. Bis zu zwanzig Kilometer am Tag sind da schon manchmal drin."

Kennengelernt haben sich beide übrigens schon vor 25 Jahren: "Bei einem Frisuren-Ähnlichkeitswettbewerb. Nein, ernsthaft: Eine gemeinsame Freundin hat uns zusammengebracht."

Die Gewohnheiten beim Sonntagsfrühstück blieben verschieden: "Wenn meine Kinder da sind, frühstücke ich spät und sehr üppig. Wenn ich allein bin, spät und nur Kaffee", verrät Fröhlich. Bei Constanze Kleis bringt indes der Mann den Kaffee ans Bett: "Wenn wir früh dran sind, gibt es vielleicht noch "ne Stulle auf die Hand." In der Familie sei sie ansonsten die Sonntagsbratenbeauftragte. Mittagessen werde gern schon um halb zwölf aufgetischt, fügt Kleis an. Gemeinsame Interessen sind Lesen und Reisen. Susanne Fröhlich ergänzt noch, was sie weniger mag: Putzen und Steuererklärung. Auch zukünftig wollen beide Journalistinnen zusammenarbeiten: "Wir werden auf jeden Fall weiter auch gemeinsam Bücher schreiben. Macht einfach mehr Spaß, wenn man mit der besten Freundin schreiben kann. Ist ja sonst eher eine einsame Angelegenheit, so eine Autorenschaft."

Wenn dabei so ein ehrlicher und humorvoller Blick aufs Leben herauskommt, wie in "Kann weg!", soll es der Leserschaft recht sein. Im neuen Erfolgsbuch zeigen die Hessinnen u.a. auf, wie man den Richtigen findet und den Falschen erkennt, bevor man Jahre an ihn vergeudet. Wie man leidlich schlank wird ohne immer nur an einer Möhre zu nagen. Wie man von seinen Lieben die Anerkennung bekommt, die einem gebührt. Und wie man sich erfolgreich von den größten Spaß- und Glücksbremsen verabschiedet, um Platz zu schaffen für ein schönes Leben. "Kann weg!" ist in jedem Fall ein Buch mit Langzeitwirkung. Denn hat man bzw. Frau im Innenleben erst einmal klar Schiff gemacht, braucht man es danach nie wieder zu tun!

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