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Heimspiel beim ZDF-Kriminalisten

Jens Rümmler / 28.11.2017, 17:17 Uhr
Frankfurt (Oder) (Mäso) Lässige rote Jacke und ein Lächeln auf den Lippen: So radelt Johanna Polley entspannt die breite Karl-Marx-Allee entlang. Ziel ist das kultige "Café Sibylle". Viele kennen die Schauspielerin vom Kino-Erfolg "Es war einmal Indianerland". Doch nun könnte die Karriere der Berlinerin so richtig Fahrt aufnehmen. Denn seit kurzem spielt Polley in der ZDF-Serie "Der Kriminalist" (ab 24.11.) die Rolle von Kommissarin Verena Kleinefeldt. An ihrer Seite: Hauptdarsteller Christian Berkel alias Hauptkommissar Bruno Schumann.

Im "Café Sibylle" wird erstmal ein Tee bestellt. Das 1953 eröffnete Lokal in einem der denkmalgeschützten Bauten der Karl-Marx-Allee beherbergt auch eine kleine Schau über die Ostberliner Meile. Hier nahm auch der Arbeiteraufstand von 1953 seinen Anfang. Johanna Polley hat dafür gerade keinen Nerv. Warum auch? Aufgewachsen ist sie in Schöneberg. Und reden will sie über Film und Fernsehen. Seit kurzem lebt Johanna Polley allerdings hier im Friedrichshain, jedoch in einer anderen, schrilleren Ecke des Stadtbezirks.

Das Gespräch kommt schnell auf den "Kriminalist" und seinen Hauptdarsteller. "An der Seite von Christian Berkel zu spielen, ist für eine junge Schauspielerin ein Gewinn", sagt die 25-Jährige über den erfahrenen Mimen. Ausgewählt wurde die zierliche junge Frau bei einem Casting der Produktion von "Der Kriminalist". Die Film-Polizeiwache liegt am Kottbusser Tor, mitten im Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain. Dort sind auch die meisten der heiklen TV-Fälle zu lösen. Es sei sozusagen ein Heimspiel, schmunzelt Johanna Polley. Aber auch in Potsdam sowie in Berliner Umland-Gemeinden wie Rüdersdorf wurde gedreht. In Erinnerung sind Polley u.a. alte Fabrikhallen in Nähe des Kalksandstein-Tagebaus. Das Areal wirke wie eine gigantische Mondlandschaft, zeigt sich die Darstellerin von der Kulisse fasziniert.

Apropos Potsdam: Hier lernte die junge Mimin auch einen Großteil ihres Handwerks. An der renommierten Filmuniversität Konrad Wolf studierte sie rund dreieinhalb Jahre Theater und Filmschauspiel. In der Studiobühne des Potsdamer Hans-Otto-Theaters trat sie bereits auf. Insgesamt hat sie die brandenburgische Landeshauptstadt aber noch nicht so recht ins Herz geschlossen, wie Polley sagt. Vieles wirke "künstlich" und "aufgesetzt", findet die Jung-Darstellerin. Auf Babelsberg und Griebnitzsee sowie die viele tollen Biergärten und Cafés lässt sie aber nichts kommen.

Überhaupt schätzt Johanna Polley die Mark Brandenburg: "Die Idylle ist der Kontrast zur quirligen Weltmetropole." Besonders wohl fühlte sich die neue TV-Kommissarin auch immer auf der Datsche der Eltern bei Templin. "Die Seen ringsum, aber auch die Therme - das alles mag ich sehr." Von Werder ist Polley genauso begeistert.

Der Schauspielberuf wurde Johanna Polley eigenen Aussagen nach nicht in die Wiege gelegt. "Ich entstamme zumindest keiner Künstlerfamilie. Aber wir haben zu Hause immer viel zusammen gesungen und performt." So hätten die Eltern das Schauspiel-Talent der kleinen Johanna schon früh und später auch bewusst gefördert. Als Beruf hätte sich Polley aber auch Tischler, Kostümbildner oder KfZ-Mechatroniker vorstellen können. "In jedem Fall was Praktisches", lächelt die redegewandte Johanna Polley, der Kritiker starke Authentizität und "Körperlichkeit" bescheinigen. Doch dann entdeckte die Berlinerin ein Kreuzberger Jugendtheater-Projekt. Sie ist dem Genre gleich verfallen.

Zwischen den Antworten nippt das neue ZDF-Gesicht am Tee. Polley wirkt recht ausgeschlafen - im doppelten Wortsinn. Sie redet zügig. Manchmal prasseln die Worte wie Gewehrsalven durchs Café - fast das ganze Gegenteil ihrer neuen Fernseh-Rolle.

TV-Krimis spiegelten nicht allzu häufig den wirklichen Alltag von Polizei und Kripo, sagt Johanna Polley auf eine entsprechende Frage des Reporters. Das sei aber eben "die Verabredung" beim Fernsehen. Besonders viel Fernsehen schaue sie aber nicht. "Am ehesten Wissenssendungen", so Polley. Bei Fernsehfilmen sei sie ebenfalls vorsichtig - weil sie oft zu euphorisch werde, was die Schauspiel-Qualität von Darstellern betrifft und dann der Entspannungsfaktor des Filmschauens in den Hintergrund trete. Zu ihren Favoriten auf der Mattscheibe zählen Meryl Streep, Corinna Harfouch und neuerdings auch Christian Berkel.

Am Set verlässt sie sich gern auf das Team. Alle würden letztlich in einem Boot sitzen: Beleuchter, Caterer, Kameraassistenten und Requisiteure. Johanna Polley: "Ohne sie und viele andere wären Regisseure und Schauspieler aufgeschmissen." Lust auf Theater hätte sie übrigens auch, sagt die Kaffeehaus-Besucherin aus dem Friedrichshain. Bislang gab es aber wenig Angebote, ist zu erfahren. Ganz anders beim Fernsehen. Da steht 2018 schon die nächste Rolle in "Ein starkes Team" fest. Mehr will Johanna Polley aber noch nicht verraten.

Redefreudiger ist sie da schon, was das eigene Sonntagsfrühstück angeht. Rüherei mag sie sehr - und die unschlagbar leckeren Marmeladenmixe ihrer Tante aus Nordrhein-Westfalen. Speist sie morgens außerhalb der eigenen vier Wände, schätze sie die große Auswahl hipper Lokale in Friedrichshain und Kreuzberg. In ihrer Freizeit möchte Johanna Polley zukünftig mehr Musik machen. Ukulele oder Fagott lernen - das wär's! Auch von der Welt will die Berlinerin noch mehr sehen: Mongolei und Afrika sind die nächsten Ziele. In Panama, Georgien und Japan war sie aber schon. "Ich besuchte in Japan unter anderem Tokio und Kobe. Die Höflichkeit der Menschen faszinierte mich."

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