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Britta Gallrein 14.09.2017 07:40 Uhr - Aktualisiert 14.09.2017 09:08 Uhr
Red. Bernau, bernau-red@moz.de

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"Der bitterste Moment im Leben"

Bernau (MOZ) Wie man sich fühlt, wenn man in letzter Sekunde die lang ersehnte Medaille verpasst, das kann wohl nur ein Sportler wissen, der das schon erlebt hat. Diana Harwardt und Peter Künne haben es erfahren. Das Bernauer Voltigier-Duo war gut auf Kurs zum Deutschen Meistertitel, doch dann kam alles anders.

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Mit ihrer Kür "Phoenix" begeistern die Bernauer Diana Harwardt und Peter Künne in Aachen Richter und Publikum.

© Daniel Kaiser

Die beiden sind eines der besten Voltigier-Paare Berlin-Brandenburgs. Die 16-jährige Diana Harwardt aus Bernau sicherte sich 2016 mit ihrem damaligen Partner Julian Kögl den Titel des Europameisters. Seit diesem Winter turnt sie mit Peter Künne. Innerhalb kürzester Zeit haben sich die beiden großartig aufeinander eingestellt, wurden beim internationalen Turnier in Venedig Zweite, schlugen bei einem weiteren internationalen Wettkampf in Österreich die amtierenden Weltmeister, kamen beim "Preis der Besten" in Warendorf auf Platz drei und räumten gleich drei Landesmeistertitel ab.

Vier Wochen vor der Deutschen Meisterschaft in Aachen stellten sie ihre Kür noch einmal um. Ein Wagnis. Schließlich konnte niemand wissen, wie gut das neue Thema "Phoenix", die neuen Trikots und die veränderte Choreographie bei den Richtern ankommen. Doch ihr Mut wurde belohnt. Ihre korrekte und ausdrucksstarke Kür mit ihren vielen schwierigen Elementen sorgte für Begeisterung nicht nur beim Publikum. Auch die Richter sahen das Brandenburger Duo mit ihrem neuen Pferd "Sir Laulau" und Longenführer Hendrik Falk ganz vorne vor den elf besten Paaren aus ganz Deutschland. Mit knappem Abstand gewannen die beiden die erste Kür.

Am nächsten Tag folgte der zweite Durchgang. Gestartet wurde nun in umgekehrter Reihenfolge. Alle anderen Paare waren durch und Peter und Diana voll fokussiert in ihrer Vorbereitung, als plötzlich ein Steward ihre Vorbereitung unterbrach. Stewards sollen auf Vorbereitungsplätzen bei Reitsportprüfungen dafür sorgen, dass Regularien eingehalten werden. Das Pad wurde in Augenschein genommen, das auf dem Rücken des Pferdes liegt und die Stöße durch die Voltigierer auf dem Pferderücken dämpfen soll. Laut Regularien darf es nur drei Zentimeter dick sein. Das des Brandenburger Duos war 3,6 Zentimeter dick. "Daran haben die sich dann total aufgehangen", berichtet Longenführer Hendrik Falk. Alle Versuche, zu erklären, dass das Pad von einem weit verbreiteten Voltigier-Ausrüster stammt und von etwa 75 Prozent der Teilnehmer verwendet wird, scheiterten. Dabei wurde das Pad bei mehreren internationalen Turnieren bereits mehrfach vermessen und nie beanstandet. Die Bernauer mussten in aller Eile ein anderes Pad ausleihen. Das war aber viel dünner, außerdem zu kurz und nicht eingeturnt.

Die Unruhe in der Konzentrationsphase und das neue, dünnere Pad, dass die Bewegungen der Reiter auf seinem Rücken viel stärker spürbar werden ließ - das alles war zu viel für Pferd Laulau. Der Wallach, der im ersten Durchgang noch als bestes Pferd ausgezeichnet worden war, quittierte den Dienst. Als seine beiden Turner aufsprangen, begann er zu buckeln. Eine gefährliche Situation für die jungen Reiter, die sich stehend oder im Kopfstand auf dem Pferd bewegen. Die Bernauer entschlossen, die Vorführung abzubrechen.

"Das hat uns den Meistertitel gekostet", ist Hendrik Falk überzeugt, der diese Situation als "den bittersten Moment in unserem Leben" bezeichnet. Danach seien bei allen die Tränen geflossen. "Peter und Diana haben sich noch tapferer geschlagen als die Erwachsenen", lobt Falk. "Man steckt da so viel Zeit, Training, Geld und Aufwand rein und dann passiert so etwas", so der Longenführer, der das Verhalten des Stewards nicht nachvollziehen kann. "Warum wurde denn nur bei uns nachgemessen, wenn fast alle anderen genau das gleiche Pad haben?"

Hatten sie eben nicht, behauptet dagegen Landestrainerin Ute Kögl. Dass die Pads kontrolliert und beanstandet wurden, sei ein ganz normaler Vorgang. "Es werden Stichproben gemacht um dafür zu sorgen, dass nicht mit unerlaubtem Material gestartet wird." Auch die Pads anderer Gruppen seien kontrolliert worden. "Ich habe mit fast allen anderen gesprochen - von denen wurde keiner kontrolliert", widerspricht Hendrik Falk.

Die Brandenburger bekamen inzwischen Trost von allen Seiten. "Richter, Aktive und Sponsoren haben uns ihr Beileid ausgesprochen", berichtet Hendrik Falk, der vier Tage nach der Meisterschaft schon wieder um Optimismus bemüht ist. "Wir haben gezeigt, was wir drauf haben. Diana und Peter sind über sich hinaus gewachsen. Wir haben alle geschlagen. Und im nächsten Jahr ist die Europameisterschaft. Da werden wir wieder angreifen."

Da hätten die beiden gute Chancen, glaubt Ute Kögl. "Das Schwierigste wird sein, sich in Deutschland zu qualifizieren, weil wir hier eine sehr große Leistungsdichte haben. Aber wenn sie das schaffen, ist ein Podestplatz drin."

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