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Sechs Frankfurter Armwrestler starten beim "Over the Top"-Turnier in Wolfsburg / Verein bestimmt nationale Szene mit

Maximalkraft und Dynamik entscheiden

Intensives Training für den nächsten Wettkampf: Neben Martin Zedler (links/120 kg) und Ronny Klempin (90 kg) starten in Wolfsburg vier weitere Frankfurter Armwrestler.
Intensives Training für den nächsten Wettkampf: Neben Martin Zedler (links/120 kg) und Ronny Klempin (90 kg) starten in Wolfsburg vier weitere Frankfurter Armwrestler. © Foto: Heinz Köhler
Hans Eberhard / 21.10.2017, 07:00 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Die Armwrestler aus der Oderstadt bestimmen seit 25 Jahren die Szene nicht nur in Deutschland mit. Sechs Athleten starten am Sonnabend beim hochkarätigen "Over the Top"-Turnier in Wolfsburg. Internationale Titel und Medaillen sind vor allem mit zwei Namen verbunden: Udo Weiß und André Riske.

Weiß, 1970 in Frankfurt geboren und als Ringer aktiv, gehörte 1994 zu den Gründungsmitgliedern des SV Armwrestling. Zwei Jahre später holte sich der EDV-Kaufmann seinen ersten deutschen Meistertitel, den er über ein Dutzend Mal verteidigte, meist in der 70-Kilo-Klasse. 1999 krönte er sein bestes Jahr mit dem 4. EM-Rang und Silber bei der WM in Tokio. Seine stärkste Waffe ist die ungewöhnlich große Hand, vom Gegner kaum zu packen. Zuletzt gewann der 47-Jährige Master (Ü 40) in Eisleben bei den 30. deutschen Titelkämpfen Gold (-80 kg/links) und Bronze (-100 kg/rechts). Ronny Liefeldt eroberte zweimal Silber, Daniel Balzer wurde Dritter in der Männerklasse.

Kaum weniger erfolgreich ist André Riske (39). Der eher etwas schlaksig wirkende 90-Kilo-Mann ist zweimal WM-Vierter geworden. Sein harter Griff und seine enorme Schnelligkeit überraschen so manchen Partner. Selbst der 150 Kilo schwere Ex-Weltmeister Frantizek Zivny aus Tschechien musste diese Erfahrung beim Kampf um den Gesamtsieg des Over the Top-Turniers in Rodenbach schon mal machen. "Diese beiden Top-Athleten sind Ausnahmekönner", urteilt SV-Vorsitzender Max Heckendorf. Schade findet er, dass sein verschwägertes Vorzeige-Duo derzeit andere Prioritäten setzt, sich mit den Familien auf den Hausbau konzentriert. "Aber das ist nun einmal so in diesem jungen Kraftsport, der nicht von Zuschauermassen und Medieninteresse begleitet wird. Da muss man selbst viel Zeit und Geld investieren, um bei großen Turnieren dabei zu sein." Deshalb haben sich die Frankfurter, bis 2011 achtmal deutscher Mannschaftsmeister, auch aus der Bundesliga zurückgezogen. "Die langen Fahrten nach München, Hanau oder Wolfsburg sind mit Übernachtung, Verpflegung und Startgeld auf Dauer nicht zu stemmen", schätzt Daniel Balzer ein. "Und oft bekommt ja nur einer, der Gesamtgewinner der Offenen Klasse, einen kleinen Obolus", weiß der stellvertretende SV-Vorsitzende.

Armwrestling heute unterscheidet sich wesentlich vom klassischen Armdrücken an biergetränkten Kneipentischen. Nicht die Größe des Bizeps' entscheidet, sondern die Maximalkraft in Ober- und Unterarm, gepaart mit Technik, Dynamik und Beweglichkeit. Am 1,04 Meter hohen Tisch mit einem Haltegriff für die freie Hand wird stehend so lange gewrestelt, bis man den Handrücken des Kontrahenten in das Polster gezwungen hat. Gekämpft wird allgemein in den Kategorien 70, 80, 90, 100 und +100 kg mit rechtem und/oder linkem Arm.

Das aus den USA stammende Armwrestling wurde erst ab 1986 salonfähig. Ausgangspunkt war der Kultfilm "Over the Top" mit Sylvester Stallone, in dem sich viele Originalszenen der WM in Las Vegas wiederfinden.

In Frankfurt begann alles vor 25 Jahren: Athleten aus Fitness-Studios hatten sich in loser Runde ab 1992 mit dem sportlichen Armdrücken beschäftigt - erst in der Halle Bergstraße, später am Verschiebebahnhof an der August-Bebel-Straße. 2004 gründeten sie den Verein, der heute 17 Mitglieder zählt. Seit 2002 können sie die obere Etage der Wärme-Umformerstation von den Stadtwerken in der Thomasius-Straße 7 nutzen. Dienstag- und Donnerstagabend war jetzt viel Betrieb in Kraft- und Trainingsräumen. Einige übten speziell für das internationale "Over the Top"-Turnier am Sonnabend in Wolfsburg, darunter Daniel Balzer, Thomas Struck, Ronny Liefeldt, Ronny Klempin, Bryan Fieberg und Martin Zedler.

Der SV Armwresling hat mit über 60 DM-Einzeltiteln und der Organisation von drei deutschen Meisterschaften (zuletzt 2014) einen guten Ruf. Die starken Männer unterstützen auch die "Löwenkinder", halfen beim Umzug eines Altenheimes und gewannen neunmal das Erdgas-Busziehen zum Stadtfest.

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