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Schachlegende Spasski wird 75

Berlin/Paris (dpa) Boris Spasski gilt als universeller Schachspieler. Sein dramatisches WM-Duell mit dem Amerikaner Bobby Fischer machte den russischen Großmeister 1972 berühmt. An diesem Montag feiert der zehnte Weltmeister der Schachgeschichte in Paris seinen 75. Geburtstag.

  Schach-Großmeister Boris Spasski © dpa

Eine Niederlage machte Boris Spasski weltberühmt. Der russische Schach-Großmeister, der an diesem Montag in Paris seinen 75. Geburtstag feiert, verlor 1972 in Reykjavik das legendäre Jahrhundertmatch gegen den Amerikaner Bobby Fischer. Dennoch gilt der aus Leningrad stammende Spasski, der die sowjetische Schachschule durchlief und 1955 Jugendweltmeister war, als einer der besten Spieler überhaupt. Gerühmt wird sein eleganter Stil, mit dem er viele spektakuläre Siege errang.

1969 eroberte er in Moskau nach einem 12,5:10,5-Sieg über seinen Landsmann Tigran Petrosjan auch die Schachkrone bei den Erwachsenen. Er behielt den Titel nur drei Jahre, doch beim "Kampf der Systeme" auf Island, wo er vom exzentrischen Fischer entthront wurde, erwies er sich als sportlich fairer Verlierer. Das imponierte damals sogar Fischer, der schnell 0:2 zurücklag, das dramatische WM-Duell aber noch mit 12,5:8,5 gewann.

1976 verließ Spasski aus politischen Gründen die Sowjetunion und lebt seither mit seiner französischen Frau Marina in Paris. Was Schach betraf, wurde es ruhiger um ihn, in den 1980er Jahren spielte er in der Bundesliga bei der SG Solingen. Spasski wollte sich danach ganz aus den Turniersälen zurückziehen, doch 1992 kam es in Rest-Jugoslawien zu einem politisch äußerst umstrittenen Revanchematch gegen Fischer.

Der Amerikaner war nach seinem WM-Sieg von Reykjavik 20 Jahre aus der Öffentlichkeit verschwunden. Auch bei der Neuauflage siegte Fischer. Zu diesem Zeitpunkt waren aus den erbitterten Kontrahenten längst Freunde geworden. Spasski bewunderte Fischers bedingungslose Hingabe zum Schach. "Bobby verehrte das Spiel wie einen Gott. Und er war unser erster Gewerkschaftsführer", sagt der Jubilar.

Dank Fischers Hartnäckigkeit sind die Honorare der Schachspieler bei WM-Kämpfen und großen Turnieren in den vergangenen Jahrzehnten bedeutend gestiegen. Der Amerikaner ist 2008 im isländischen Exil mit 64 Jahren gestorben, Spasski hat seinen alten Weggefährten in Reykjavik, dem Schauplatz ihres historischen Matches, noch besucht.

Spasski selbst erlitt in den vergangenen Jahren zwei Schlaganfälle, ein langer Krankenhausaufenthalt bis Februar 2011 schloss sich an. Seine körperliche Beweglichkeit ist eingeschränkt, das Interesse am Schachgeschehen hat er jedoch nicht verloren. Im Norweger Magnus Carlsen sieht der zehnte Weltmeister der Schachgeschichte den größten Spieler der Gegenwart.

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