Schwedt/Angermünde (MOZ) Als angebliche Studenten, die gerade zurück in die Heimat kommen, als sächselnde Gastmonteure im PCK, wohnungssuchende Zuzügler, Nachlassverwalter, Kita-Platz-suchende Schwangere oder hilflose Unfallopfer getarnt haben sich MOZ-Redakteure über einen Monat langins Zeug gelegt, um für Sie die Einrichtungen zu testen, die im Allgemeinen keinen guten Ruf haben: Ämter, Behörden, kommunale Dienstleister und Firmen wie die Bahn.
In 23 Tests prüften wir von ?A wie Amtsgericht bis Z wie ?Zulasssungsstelle, wie sich um Anliegen, Fragen und Anträge der Bürger gekümmert wird. Wir waren selbst gespannt: Wiehert der Amtsschimmel noch so wie vor 20 Jahren?
In mehr als der Hälfte der Tests vergaben wir nach Telefonaten oder Amtsbesuchen für Freundlichkeit die Wertung fünf Sterne für 1a-Bürgerservice. Sechsmal votierten wir mit vier Sternen („empfehlenswert“) und dreimal mit drei Sternen für „brauchbarer Service“. Da fühlten Mitarbeiterinnen mit der schwangeren Mutter mit, gaben Wohnungsvermittler Geheimtipps, berieten Sachbearbeiter über die Dienstzeit hinaus. Statt der sprichwörtlichen Beamtenausrede „Nicht zuständig“ bot man uns an, Zuständige zu benachrichtigen oder Kontakt zu kostensparenden Alternativen herzustellen. Fast immer bemühte man sich engagiert um Beratung und Hilfestellung.
Nur ein einziges Mal erlebten wir wirklich Unfreundlichkeit, und zwar beim Empfang im Finanzamt. Ansonsten scheinen frühere Beamten-Fremdworte wie Freundlichkeit oder Dienst am Bürger tatsächlich im Sprachgebrauch und Verständnis der Mitarbeiter von Verwaltungen und Kundencentern angekommen zu sein. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Anders sah es bei Erreichbarkeit der Ämter, ausreichend Parkplätzen, barrierefreiem Zugang, Wartezeit, Gebühren oder Internetauftritt aus. Auffällig waren die kostenpflichtigen Parkplätze beim Kreisin Prenzlau, zum Teil Parkplatzknappheit bei Ämtern in der Altstadt Schwedt oder unübersichtliche Internetseiten mehrerer Ämter. Dass dem Bürger wirklich Wege abgenommen, Anträge erleichtert werden durch das World-Wide-Web, konnten wir nicht feststellen. Die Schwedter Seite www.schwedt.eu stach positiv hervor und wurde mehrfach für Übersichtlichkeit und die gut funktionierende Suche nach Stichworten gelobt. Das ist noch längst nicht überall so.
Eindeutig durchgefallen beim Test ist die KfZ-Zulassungsbehörde und die Führerscheinstelle.Hier vergaben wir das einzige Mal bei Erreichbarkeit die Wertung „Bürgerschreck – Unfassbare Zustände“. Einen Tag Urlaub zu nehmen, um das Auto in der entfernten Kreisstadt anzumelden und dort zwischen Schalter, Kassenautomat und Prägungsdienst hin- und herzurennen – da fälltes schwer, von Bürgerservice zu sprechen.
Und wer einmal auf der Polizeiwache für eine Anzeigenaufnahme warten musste, der weiß, wie der schlimmste Warte-raum der Uckermark aussieht. Kalt. Zugig. Mit drei Holzstühlen. Das klingt nach Geschichtsunterricht am Originalschauplatz im DDR-Volkspolizeikreisamt.
Der Test offenbarte auch, dass sich in Schwedt durch lange Ausfälle von Mitarbeitern ein Berg von Bauanträgen angestaut hat, dass die Kostenerstattung für Zeugen vor Gericht nicht ausreichend ist und dass das System der Sperrmüllentsorgung deut-?liche Lücken aufweist. Erstaunlich fanden wir, dass die ehrenamtliche Beauftragte für Gleichberechtigung von Frau und Mann in Schwedt seit Jahren nicht ein einziges Mal um Unterstützung angerufen wurde.
An einigen Problemen, die der Test offenbarte, werden wir im Leserinteresse natürlich dranbleiben. Zum Beispiel werden wir in der Frage nach einem bürgernahen Kfz-Zulassungsdienst für Schwedter, Angermünder, Pinnower und Gartzer Bürger nicht ?locker lassen und Parteien wie Politiker dazu befragen.
Aber auch positive Beispiele sind es wert, vorzustellen, wie die Fälle von hilfsbereiten Beamten, von denen Sie uns berichtet haben.
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Neueste Kommentare
26.05.2012 08:02:55 Rainer Pick
Übertreibung?
26.05.2012 07:47:15 Frührentner
Nachdenken? ja,bitte!
26.05.2012 07:26:42 einer flog übers kukucksnest
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26.05.2012 07:12:07 Zivilisationskranker
@leser
26.05.2012 07:07:23 Marco Habeck
sie haben recht