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Alternative Gemeinschaft in Bad Belzig wird 25 Jahre alt

Lehrt und lernt immer noch dazu: Axel Lewerenz wohnt seit 15 Jahren im ZEGG. Er kümmert sich um die Gärtnerei und leitet junge Menschen im Gartenbau an
Lehrt und lernt immer noch dazu: Axel Lewerenz wohnt seit 15 Jahren im ZEGG. Er kümmert sich um die Gärtnerei und leitet junge Menschen im Gartenbau an © Foto: MOZ
Josefine Jahn / 18.05.2016, 09:00 Uhr - Aktualisiert 09.02.2017, 15:00
Bad Belzig (MOZ) Ein Leben im Einklang mit der Natur, mit sich selbst und seinen Mitmenschen - das sind Werte, nach denen circa 100 Menschen im Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZEGG) zusammen wohnen und arbeiten. Das Projekt wird nun 25 Jahre alt.

Einst war Thomas Heuser in einem großen deutschen Unternehmen tätig, jonglierte mit hohen Geldbeträgen und verdiente gut. Eigentlich konnte er zufrieden sein, aber die Arbeit und der hohe Leistungsdruck nervten ihn irgendwann. Über einen fünfwöchigen Gemeinschaftskurs lernte Heuser das Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (ZEGG) kennen und entschied sich, ein Teil der in Bad Belzig lebenden Gemeinschaft zu werden.

Heute ist Heuser Geschäftsführer der ZEGG Bildungszentrum gGmbH und wirkt sehr ausgeglichen. "Das einzige, was manchmal schwierig ist, ist das Leben und Arbeiten am selben Ort", sagt der Betriebswirt und lächelt dennoch zufrieden.

Auf dem Gelände leben derzeit 48 Frauen, 44 Männer und 14 Jugendliche und Kinder zusammen. Einige der Bewohner arbeiten außerhalb des ZEGG-Campus, während andere hier Seminare leiten oder anderweitig in der Gemeinschaftsorganisation beschäftigt sind.

In Wohngemeinschaften à 2 bis 9 Personen residieren sie auf mehrere Häuser verteilt. Darunter sind Familien mit Kindern, Paare und Menschen, die es einfach gut miteinander aushalten. "Manchmal gibt es auch Auseinandersetzungen", erzählt Heuser. "Dann redet man miteinander und findet eine neue Wohnlösung."

Vor mittlerweile 25 Jahren wurde das gemeinnützige Modellprojekt gegründet, dessen Anspruch es ist, Leben und Lernen miteinander zu verbinden. Das Projekt lebt von einem Großangebot an Seminaren. Zwischen 60 und 100 Übernachtungen werden wöchentlich im ZEGG gebucht, jährlich beherbergt man hier vier- bis fünftausend Gäste, die sich auf Tagungen und in Kursen den Themen Kunst, Ökologie, soziale Kompetenz, Kommunikation und Beziehungsformen widmen. Auf das harmonische Miteinander wird großer Wert gelegt - Gespräche und gemeinschaftsfördernde Rituale sind sehr wichtig."Das genieße ich hier, dass die Vielfalt so groß ist", sagt Heuser.

Jeder in der Gemeinschaft hat seine Aufgabe. Axel Lewerenz ist Leiter der Gärtnerei. Auf circa einem Hektar Land werden über 50 verschiedene Kulturen angebaut. "Zu 60 Prozent versorgen wir uns selbst", erklärt Lewerenz. Im Sommer könne man sich teilweise komplett selbst versorgen, während im Winter Nahrungsmittel zugekauft werden.

Gepflanzt wird satzweise in enger Absprache mit der Küche, in der täglich bis zu 100 Essen allein für das Mittagsmahl zubereitet werden. Dort und auf dem Feld helfen auch die jungen Bewohner des ZEGG mit. Eine Auszubildende ist in der Gärtnerei beschäftigt und immer wieder kommen internationale Gäste, die etwa ein freiwilliges soziales Jahr hier absolvieren.

"Die jungen Leute helfen zum Beispiel in der Küche mit, tragen Verantwortung und kommen so langsam ins Erwachsenenleben", erklärt Lewerenz, dessen eigene Kinder auch im ZEGG wohnen. Er freut sich, dass gerade junge Menschen sich für das Projekt begeistern. "Es ist nicht so, dass wir sie hier festhalten wollen. Die Welt entdecken ist wichtig. Aber es ist schön, wenn sie wieder zurückkommen", sagt Lewerenz, während er selbst angebauten Salat verzehrt.

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