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Alle unter einem Dach

Haben sich gut eingelebt: Der Afghane Abdul Qhar Qhahrman (v. li.) sowie Hamza Shebaz und Waqar Ahmad Razaq aus Pakistan leben gemeinsam in einer Wohnung in der Karl-Marx-Straße, die rund um die Uhr von Awo-Erziehern wie Jeremias Czapp (r.) betreut wird.
Haben sich gut eingelebt: Der Afghane Abdul Qhar Qhahrman (v. li.) sowie Hamza Shebaz und Waqar Ahmad Razaq aus Pakistan leben gemeinsam in einer Wohnung in der Karl-Marx-Straße, die rund um die Uhr von Awo-Erziehern wie Jeremias Czapp (r.) betreut wird. © Foto: MOZ
Annemarie Diehr / 25.05.2016, 05:32 Uhr - Aktualisiert 09.02.2017, 15:00
Eisenhüttenstadt (MOZ) Der Bedarf für die Unterbringung junger Menschen während ihrer Ausbildung schwindet seit Jahren. Mit neuen Wohnformen, auch für minderjährige Flüchtlinge, gehen Arbeiterwohlfahrt und Wohnbaugenossenschaften neue Wege.

Zwei Betten, ein Schreibtisch und ein großer Schrank, an den Wänden Fotos von sich und ihren Freunden am Oder-Spree-Kanal und im Schwimmbad - das Zimmer des 16- und des 18-Jährigen unterscheidet sich nicht von dem anderer Jugendlicher. Doch Hamza Shebaz aus Pakistan und Abdul Qhar Qhahman aus Afghanistan wohnen nicht bei ihren Familien, sondern in einer Wohngemeinschaft für jugendliche Flüchtlinge in der Karl-Marx-Straße in Eisenhüttenstadt.

"Junges Wohnen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge" nennt sich das Projekt, das der AWO-Bezirksverband Brandenburg Ost seit Dezember neben dem "Jungen Wohnen für Azubis" realisiert. Zusätzlich zu den vorhandenen acht Drei- und Vierraumwohnungen mit Wohngemeinschaften für Azubis wurden hierfür von der Gebäudewirtschaft (Gewi) drei weitere Wohnungen in der Karl-Marx-Straße 20 angemietet und hergerichtet.

"Die Jugendlichen", sagt Einrichtungsleiterin Madlen Klinger, "werden uns von den Jugendämtern geschickt. Morgen erwarten wir den neunten Zugang, dann sind wir voll." Auch aus Syrien, Gambia und Somalia kommen die jungen Männer, die während ihres Asylverfahrens in Eisenhüttenstadt beschult und von Erziehern der AWO betreut werden. Für die Verköstigung der Besucher beim Tag der offenen Tür in der AWO-Beratungsstelle "Junges Wohnen" haben sie am Dienstag Gerichte aus ihrer Heimat gekocht.

Auch Kevin Möhrke und Jan Hübner, Elektroniker-Azubis für Betriebstechnik beim Wasserschifffahrtsamt Eberswalde, steuern an diesem Tag etwas zum kulinarischen Angebot bei und wenden am Grill Würstchen und Toastbrot. Seit zwei Jahren wohnen sie während ihrer Berufsschulzeit wochenweise in einer WG in Eisenhüttenstadt. "Wir waren eine der ersten, die in die neuen Wohnungen gezogen sind", erzählt der 20-jährige Kevin Möhrke, für den die tägliche Pendelei aus seiner Heimatstadt Schwedt nicht in Frage kam.

"Vor allem bei Jugendlichen, die nur turnusmäßig, also nur während der Berufsschulphasen hier wohnen, haben wir noch Kapazitäten", meint Madlen Klinger. Derzeit stünden viele Zimmer immer wieder für mehrere Wochen leer. 65 Euro kostet ein Zimmer pro Woche, wer dauerhaft in der Wohngemeinschaft lebt, etwa weil er minderjährig ist, zahlt 180 Euro Miete. "Wenn sie volljährig sind, fahren viele Azubis doch lieber täglich mit dem Auto", sagt Madlen Klinger.

Der besonderen Lebenssituation von Azubis möchte auch die Eisenhüttenstädter Wohnungsbaugenossenschaft (EWG) mit ihrem Angebot "Young Life" (Junges Leben) gerecht werden. Sieben Einraumwohnungen, unter anderem in der Semmelweis- und Rosenstraße, wurden im vergangenen Jahr modernisiert und für junge Mieter attraktiv gemacht.

Die Wohnungen, die warm zwischen 250 und 300 Euro kosten, würden auch noch von ihren Erstmietern bewohnt, sagt Romy Steyer, Leiterin der Vermietung bei der EWG. Nur eine Wohnung in der Goethestraße werde demnächst frei. "Aber für die gibt es bereits einen Bewerber."

In dem AWO-Wohnprojekt leben derzeit 29 Jugendliche ab 16 Jahren. Nur vier von ihnen sind weiblich. "Wir haben eine Mädchen-WG und eine gemischte WG, in der eine Auszubildende mit zwei Jungs wohnt", erzählt Gabriele Lenzner, die die Auszubildenden mitbetreut. Wer mit wem unter einem Dach lebt, werde außerdem nach Berufsgruppen entschieden. Kleinere Reibereien gebe es zwar immer mal wieder. Gerade bei denjenigen, die während ihrer gesamten Berufsausbildung in Eisenhüttenstadt wohnen, werde aber darauf geachtet, dass sie nicht in Wohnungen mit Durchgangszimmern unterkämen.

Und wenn es doch mal kracht, stehen die AWO-Mitarbeiter den Jugendlichen in der Beratungsstelle mit Rat und Tat zur Seite. Zum Wohnprojekt gehört nämlich auch ein Betreuungsangebot. Gabriele Lenzner bringt es auf den Punkt: "Wir sind Mama, Papa, Freunde und Erzieher".

Infos zum "Jungen Wohnen" der AWO unter 03364 44005 und zum "Young Life" der EWG unter 03364 755055.

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