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Nach acht Monaten Vollzeitstelle

Ein gutes Team: Heimleiterin Anke Neufang und Betreuer Wissam Shourkry arbeiten Hand in Hand, wenn es um die Anliegen der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft geht. Der 27-jährige Syrer hat in Damaskus eine Schule für autistische Kinder geleitet.
Ein gutes Team: Heimleiterin Anke Neufang und Betreuer Wissam Shourkry arbeiten Hand in Hand, wenn es um die Anliegen der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft geht. Der 27-jährige Syrer hat in Damaskus eine Schule für autistische Kinder geleitet. © Foto: MOZ/Thomas Burckhardt
Anna Fastabend / 22.06.2016, 07:10 Uhr - Aktualisiert 09.02.2017, 15:00
Eberswalde (MOZ) Wissam Shourkry aus Syrien lebt seit acht Monaten in Deutschland. Seit Anfang Juni hat er einen festen Job und vor Kurzem die erste eigene Wohnung bezogen. Sein Beispiel zeigt, wie Integration in die Gesellschaft gelingen kann.

Wer Wissam Shourkry begegnet, meint im ersten Moment, er sei älter als 27 Jahre. Der junge Mann mit dem ernsthaften Gesichtsausdruck und dem Vollbart wirkt ungewöhnlich reif. Ihm ist anzumerken, dass er bereits Verantwortung übernommen hat. Der Syrer lebt nun seit acht Monaten in Deutschland. In dieser kurzen Zeit hat er das geschafft, wovon viele Geflüchtete träumen. Wissam Shourkry hat seit Anfang des Monats einen festen Job. Keinen Praktikumsplatz oder eine Ein-Euro-Maßnahme, wie die meisten, wenn es gut für sie läuft. Nein. Er arbeitet als fest angestellter Betreuer 40 Stunden in der Woche im Flüchtlingsheim Haus der Toleranz und kann damit für sich selbst sorgen. Sein Arbeitgeber ist der Berufsbildungsverein Eberswalde, der Träger der Einrichtung.

Als Betreuer ist Wissam Shourkry gemeinsam mit seinen Kollegen für 84 Geflüchtete und eine Handvoll Auszubildende, die ebenfalls im ehemaligen Hotel wohnen, zuständig. Weil er der Einzige ist, der Arabisch spricht und dazu noch ein wenig Farsi versteht, können es viele oft nicht erwarten, bis er morgens zur Tür hereinkommt, berichtet Heimleiterin Anke Neufang. Zudem spricht er Französisch, Englisch und seitdem er in der Bundesrepublik lebt, lernt er Deutsch. Vor allem, wenn es um komplizierte Dinge wie das Ausfüllen von Behördenunterlagen oder gesundheitliche Probleme geht, ist er gefragt.

Wissam Shourkry ist ihr früh aufgefallen, sagt die Heimleiterin. Da lebte er noch mit anderen Geflüchteten im Haus am Stadtsee, einer ebenfalls vom Berufsbildungsverein betriebenen Flüchtlingsunterkunft. Er habe die anderen bei ihren Problemen unterstützt, Streit geschlichtet und sich darum gekümmert, dass in dem Heim alles sauber und ordentlich blieb. "Herr Shourkry war dort der Chef",berichtet sie.

Im Rahmen der Fortbildung "Perspektiven für Flüchtlinge" absolvierte der 27-Jährige im Haus der Toleranz zunächst ein Praktikum. Bei dem zwölfwöchigen von der Arbeitsagentur organisierten Kurs können Asylsuchende und Geduldete ihre beruflichen Fähigkeiten unter Beweis stellen und berufsspezifische Sprachkenntnisse erwerben. "Herr Shourkry ist uns eine große Hilfe gewesen", betont Anke Neufang. Er kenne die Bedürfnisse der Bewohner aus Afghanistan, Pakistan, Syrien, Eritrea und dem Iran und sei ein wichtiges Bindeglied zwischen Geflüchteten und Heimleitung. Es war ein glücklicher Zufall, dass der Berufsbildungsverein zu diesem Zeitpunkt einen neuen Betreuer suchte, sagt sie.

Vor Wissam Shourkry liegt ein Ordner, der bis oben hin mit wichtigen Dokumenten gefüllt ist. Die Zeugnisse und Zertifikate erzählen seinen Lebensweg. Der 27-Jährige hat einen Bachelor in Ökonomie. Danach hat er sich in Informatik und Pädagogik fortgebildet. Als pädagogischer Therapeut für autistische Kinder. In Damaskus war er Direktor einer Bildungseinrichtung für autistische Jungen. "Ich habe gerne mit Kindern gearbeitet", sagt er.

Seit Wissam Shourkry in Deutschland lebt, lerne er Tag und Nacht Deutsch, berichtet er. Da er nun einen festen Job hat und deshalb nicht an dem Integrationskurs teilnehmen kann, ist er dabei weiterhin auf sich gestellt. "Ich lerne vor allem mit Youtube", sagt er. Ihm sei wichtig, die Sprache möglichst fließend zu sprechen. "Ich möchte vorankommen", sagt er. Wenn es nach ihm geht, möchte er dauerhaft in Deutschland bleiben. Und zwar - anders als andere junge Geflüchtete - in Eberswalde. "Mir gefällt die Atmosphäre der Stadt, die Ruhe." So hat er in der Waldstadt gerade den Mietvertrag für eine eigene Wohnung unterschrieben. Er hofft, dass seine Frau bald nachkommen kann.

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