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Leipa "schneidert" sich Ingenieure

In dieser Werkstatt absolvieren die meisten Azubis die ersten Wochen ihrer Ausbildung. Dann heißt es sägen, feilen, bohren.
In dieser Werkstatt absolvieren die meisten Azubis die ersten Wochen ihrer Ausbildung. Dann heißt es sägen, feilen, bohren. © Foto: MOZ/Eva-Martina Weyer
Eva-Martina Weyer / 08.07.2016, 07:55 Uhr - Aktualisiert 09.02.2017, 15:04
Schwedt (MOZ) In diesem Frühjahr hatte die Leipa Papierfabrik knapp 200 Bewerber um einen Ausbildungsplatz. Für das Unternehmen war es nicht leicht, geeignete Kandidaten zu finden. Nach Einstellungstests haben es 23 junge Leute geschafft.

Die Papierfabrik bildet in acht Berufen aus, darunter Papiertechnologe, Industriemechaniker und Spediteur. "Die 200 Bewerber dieses Jahres widerspiegeln die Zahl der Schulabgänger in der Region. Es gab auch mal 400 Bewerber. Dennoch können wir nicht jeden, der sich bei uns vorstellte, brauchen," sagt Personalchefin Antje Karolow.

Die Ausbilder beklagen die mangelnde Eignung vieler Jugendlicher. "Oft haben wir noch nicht einmal auf die Zensuren geguckt. Aber wenn wir auf dem Schulzeugnis viele unentschuldigte Fehltage sehen, dann passt so ein Schüler einfach nicht zu uns", verdeutlicht Antje Karolow, die auch Ausbilderin für kaufmännische Berufe bei Leipa ist.

Wie sie sagt, achtet die Papierfabrik ganz besonders auf Werte wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit. "Wir sind ein Schichtbetrieb und wir brauchen Teamplayer. Für Pünktlichkeit gibt es keine Noten, sondern irgendwann kommt im Ernstfall die Abmahnung."

Die meisten Lehrlinge gehen durch die Lehrwerkstatt von Ausbildungsleiter Rüdiger Mägel. Dort werden in den ersten Wochen handwerkliche Fähigkeiten trainiert. Da die Papierfabrik bedarfsgerecht ausbilde, bekomme man bei Leipa mit guten Leistungen auch ein Anstellungsverhältnis. "Alle, die bei uns anfangen, haben wirklich eine Chance", sagt Antje Karolow.

Zusätzlich zu den Ausbildungsberufen bietet Leipa auch vier Bachelorstudiengänge an, zum Beispiel in Maschinenbau und Elektrotechnik. Dafür ist die Hochschulreife notwendig. Acht junge Leute aus Schwedt und Angermünde haben den Einstellungstest erfolgreich gemeistert und werden im Spätsommer über Leipa Student. Nach drei Jahren haben sie einen Bachelorabschluss.

"Wenn sie das Studium erfolgreich absolvieren, sind sie die zukünftigen Ingenieure bei Leipa", sagt Antje Karolow. "Wir investieren drei Jahre Zeit und Geld in die jungen Leute und schneidern uns unsere Ingenieure so, wie wir sie brauchen." Durch den hohen Praxisbezug seien sie keine Theoretiker, sondern wenden das Gelernte direkt in der Papierfabrik an.

Die Leipa-Studenten absolvieren ein duales Studium, das heißt, sie arbeiten im Wechsel ein Quartal praxisorientiert bei Leipa, ein Quartal studieren sie an einer Hochschule in Karlsruhe, Berlin oder Stralsund die theoretischen Grundlagen. In diesen Orten hilft Leipa sogar finanziell bei der Studentenwohnung. Nicht zu verachten ist, dass die Studenten eine Vergütung bekommen ähnlich wie die Azubis.

Immer wieder stellen die Personalchefin und die Ausbilder fest, dass man Kinder schon viel früher an die Naturwissenschaften heranführen muss, als in der 8. Klasse. "Dann ist es oft zu spät", weiß Antje Karolow aus Erfahrung. "Wir wollen, dass die Uckermark-Schüler für eine Ausbildung erst gar nicht in die Fremde gehen. Dann sind sie meist für einen Berufsweg bei uns verloren."

Deshalb geht die Papierfabrik mit ihrer Berufsorientierung schon in die Kitas und Grundschulen. Außerdem wirbt Leipa auf Messen für seine Ausbildung. Regelmäßig betreuen Azubis solche Messestände.

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