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Ali Hassan flieht 2015 aus Pakistan / Heute ist er Lehrling im Autohaus Oderbruch in Bad Freienwalde

Vor der Abschiebung gerettet

Ein starkes Team: Matthias Heidgerken (l.) und Ali Hassan sehen in eine gute Zukunft. Für das Autohaus Oderbruch in Altranft ist der junge Pakistani eine Bereicherung. Umgekehrt muss Ali Hassan keine Angst mehr davor haben, in den nächsten Jahren abgescho
Ein starkes Team: Matthias Heidgerken (l.) und Ali Hassan sehen in eine gute Zukunft. Für das Autohaus Oderbruch in Altranft ist der junge Pakistani eine Bereicherung. Umgekehrt muss Ali Hassan keine Angst mehr davor haben, in den nächsten Jahren abgescho © Foto: Tim Benesch
Tim Benesch / 05.10.2017, 07:10 Uhr
Bad Freienwalde (MOZ) Ali Hassan ist 19 Jahre alt. 2015 flieht er aus Pakistan. Allein. Nach etlichen Aufenthalten in Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge lebt er jetzt im Elisabethstift bei Falkenberg. Seit September absolviert er eine Ausbildung im Autohaus Oderbruch in Altranft.

"Anfang des Jahres habe ich eigentlich entschieden, keine neuen Azubis mehr aufzunehmen. Doch dann kam Ali", sagt Matthias Heidgerken, Geschäftsführer im Autohaus Oderbruch in Altranft. "Er hat seine Aufgaben erledigt, nie herumgestanden und vor allem die Arbeit gesehen", erinnert sich der Chef an das fünfwöchige Praktikum, das Ali Hassan bei ihm absolviert hat, und ergänzt: "Nach kurzer Zeit hat er beeindruckend gut Deutsch gelernt."

Ali Hassan ist vielsprachig. Neben Urdu und Punjabi, das in seinem Heimatland gesprochen wird, spricht er Englisch, Türkisch, Hindi und ein wenig Persisch. Eine weitere Sprache innerhalb dieser kurzen Zeit zu lernen, fiel dem offensichtlich sprachbegabten Jungen nicht schwer. Dafür besuchte er ab Februar 2016 fünf Monate lang das Oberstufenzentrum in Seelow. In einer Willkommensklasse für minderjährige Flüchtlinge lernte er deutsch und erreichte die Sprachstufe B1, die von selbstständiger Sprachverwendung zeugt. Die ist nötig, um zum Beispiel eine Ausbildung beginnen zu können. "Ali hat was drauf", lobt der 52-jährige Geschäftsführer seinen Schützling.

Ali Hassan kam im September 2015 nach Deutschland. Er war allein. Aus seiner Heimat, Pakistan, musste er aufgrund religiös bedingter Verfolgungen fliehen. Es folgten Unterbringungen in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften in Passau, Halberstadt und Frankfurt (Oder). Seit November 2015 lebt er im Elisabethstift, einer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung bei Falkenberg. "Aber bald möchte ich umziehen, in eine eigene Wohnung", blickt der heute 19-Jährige optimistisch in die Zukunft.

Damals, kurz nach seiner Ankunft, war noch nicht daran zu denken, dass er einmal einen Ausbildungsvertrag als Kfz-Mechatroniker unterschreiben würde. Alles begann mit dem Praktikum im Autohaus Oderbruch im Sommer 2016. "Mein Betreuer kannte den Geschäftsführer", sagt Ali Hassan, "er hat das Praktikum vermittelt." Nach dem Abschluss besuchte er die neunte Klasse des Evangelischen Johanniter Gymnasiums in Wriezen. "Eigentlich wollte ich Abitur machen", erzählt er, "aber mein Asylantrag wurde in dieser Zeit abgelehnt."

Daraufhin riet ihm ein Anwalt, sich um eine Berufsausbildung zu bemühen. Denn nach dem im Juli 2016 in Kraft getretenen Integrationsgesetz haben Asylbewerber, deren Asylantrag abgelehnt wurde, ein Recht darauf, während einer Berufsausbildung in Deutschland bleiben zu dürfen. "Hier besteht ein Abschiebeschutz", so Thomas Berendt, Migrationsbeauftragter des Landkreises Märkisch-Oderland.

Erneut wendete sich Ali Hassan an Matthias Heidgerken. Natürlich könne er eine Ausbildung bei ihm anfangen, sagte dieser. zu. Der junge Pakistani stellte erneut einen Asylantrag und begann am 1. Februar dieses Jahres mit der Einstiegsqualifizierung für den Beruf des Kfz-Mechatronikers. Er bewährte sich auch hier, hielt die Einstiegsqualifizierung bis zum 1. August durch und ist seit dem 1. September Lehrling im Autohaus Oderbruch. Seine schulische Ausbildung erhält er im Gewerblich-Technischen Oberstufenzentrum in Eberswalde.

Ali Hassan ist gerne in Deutschland und hofft bleiben zu dürfen. "Viele Menschen haben mir geholfen", sagt er und scheint dabei besonders an Matthias Heidgerken zu denken. Dennoch ist er mit seinen Gedanken auch bei seiner Familie. Er hat regelmäßig Kontakt mit seinen Geschwistern.

In seiner Freizeit spielt er Fußball, Volleyball und fährt Motocross in Dannenberg.

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