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Der neue Flughafen in Schönefeld

Die Kosten steigen ins Unermessliche, hinzu kommt eine Korruptionsaffäre nach der anderen: Das Debakel um den Hauptstadtflughafen BER in Berlin-Schönefeld ist eine unendliche Geschichte.

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Storchen-Spendenkampagne gestartet

Die Zukunft auf Papier gedruckt: Storchenschmiede-Leiterin Marion Szindlowski (links) und Nabu-Geschäftsführerin Jutta Sandkühler mit dem in ehrenamtlicher Arbeit entstandenen Entwurf der Architektin Kirsten Rogge
Die Zukunft auf Papier gedruckt: Storchenschmiede-Leiterin Marion Szindlowski (links) und Nabu-Geschäftsführerin Jutta Sandkühler mit dem in ehrenamtlicher Arbeit entstandenen Entwurf der Architektin Kirsten Rogge © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 01.10.2017, 07:38 Uhr - Aktualisiert 01.10.2017, 15:38
Linum (RA) Der Naturschutzbund (Nabu) Berlin stellte am Donnerstag seine konkreten Pläne für den Neubau der Linumer Storchenschmiede vor. Dabei wurde auch die Spendenkampagne "Retten Sie die Storchenschmiede Linum!" offiziell gestartet.

"Wir haben ein kleines Problem", stellte Jutta Sandkühler, Geschäftsführerin des Nabu Berlin, augenzwinkernd fest. Tatsächlich sind die Schwierigkeiten, mit denen die Umweltbegegnungsstätte derzeit zu kämpfen hat, alles andere als klein. Sandkühler: "Die Gebäude, in denen sich die Storchenschmiede befindet, sind teilweise um 1900 herum entstanden. Später gab es mehrere Erweiterungsbauten. Die Räume sind alt und entsprechen nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Umweltbegegnungsstätte."

Bei einer Führung über das Gelände wurden die Probleme deutlich sichtbar. Storchenschmiede-Leiterin Marion Szindlowski öffnete die Tür zur Werkstatt: "Hier ist alles klein und eng. Es gibt nur eine Werkbank, die für Kinder ungeeignet ist." Aus Platzmangel stand der Raum voll mit kleineren und großen Arbeitsgeräten. Im neuen Gebäude würde es mehrere kleine kindgerechte Werkbänke geben, an denen Schüler beispielsweise Nistkästen selbst bauen können.

Noch ist all dies Zukunftsmusik. Auch der Sanitärtrakt machte einen sehr schlechten Eindruck. Mit nur einer Toilette und einer winzigen Dusche, deren Warmwasservorrat gerade einmal für zwei Duschvorgänge reicht, sowie an der Decke wucherndem Schwarzschimmel wirkte dieser Bereich wie ein Notbehelf, der dringend nach Veränderung ruft.

Ist das Sammelsurium der alten Gebäudeteile erst einmal abgerissen, sollen in der oberen Etage des Neubaus auch Schulklassen übernachten können. Nach der Möglichkeit mehrtägiger Exkursionen wurde auch bisher schon sehr oft gefragt, doch Szindlowski musste immer ablehnen. Bei längeren Aufenthalten könnten die Schüler in aller Ruhe Vögel beobachten und sich unter Anleitung eingehend mit der Flora und Fauna des Rhinluches und den Grundlagen des Naturschutzes vertraut machen.

Mit den Kinder- und Jugendgruppen arbeiten dann auch wieder junge Menschen im Freiwilligen Ökologischen Jahr (FÖJ), für deren Tätigkeit es derzeit in Linum nicht mehr die nötigen baulichen Voraussetzungen gibt. Sandkühler und Szindlowski betonten, wie wichtig es ist, junge Menschen im FÖJ an einen späteren Beruf im Bereich Naturschutz heranzuführen. Erst durch die tägliche Beschäftigung mit dem Thema merkten viele Jugendliche, wie viel ihnen der Erhalt oder die Wiederherstellung einer intakten Natur bedeuten.

Der Abriss des Altbaus soll etwa 30000 Euro kosten. Insgesamt hat der Nabu 455000Euro bis zur Inbetriebnahme des Neubaus veranschlagt. Der Nabu-Bundesverband und verschiedene Stiftungen haben insgesamt 300000 Euro Förderung ohne abschließende Zusage in Aussicht gestellt. Die restlichen 155000Euro wollen die Naturschützer über eine Crowdfunding-Kampagne sicherstellen. Das englische Wort Crowd bedeutet Menge, Funding heißt Finanzierung. Der Nabu braucht also viele Spender, die sich an der Kampagne "Retten Sie die Storchenschmiede Linum!" beteiligen. Die Aktion dauert bis zum 1. November. Wer helfen will, kann einen beliebigen Betrag auf das Spendenkonto Nabu Berlin überweisen. Dabei sollte unter Verwendungszweck unbedingt Linum eingetragen werden. Unter den Spendern werden großformatige Bilder der bekannten Tierfotografen Dieter Damschen und Nicolás Seeliger verlost. Auf Wunsch wird der Name des jeweiligen Spenders auch in einem Kunstwerk an der Fassade des Neubaus verewigt.

Das neue Gebäude soll sich gut in das Ortsbild einpassen und aus nachhaltig hergestellten Baumaterialien errichtet werden. Insgesamt sind 270 Quadratmeter Nutzfläche geplant. Pultdach, Steinbauweise und ein Obergeschoss mit Holzverkleidung passten sehr viel besser als das bisherige Stückwerk nach Linum, versicherten die Naturschützer. Außerdem sollen von Anfang an Brut- und Niststätten für Fledermäuse, Schwalben, Stare und Hornissen Bestandteil des Gebäudes sein.

Gedacht ist zudem an die Nutzung von Solarenergie. Wenn noch ausstehende Probebohrungen positiv verlaufen, könnte das Gebäude außerdem mit Erdwärme, auch als Geothermie bekannt, beheizt werden.

Sollten bis zum 1. November nicht genug Spenden eingegangen sein, dann würden die Naturschützer nur einen eingeschossigen Neubau verwirklichen. Dabei wäre gerade die obere Etage, in der auch Schulklassen nächtigen könnten, sehr wichtig. Also rühren die Nabu-Leute ab sofort zusätzlich kräftig die Werbetrommel in den Sozialen Netzwerken des Internets.

Storchenschmiede-Chefin Szindlowski glaubt fest daran, dass sehr viele Leute das Projekt unterstützen: "Ich bin mir sicher, dass wir das gemeinsam hinkriegen. Viele Besucher kommen schon seit Jahren immer wieder gern hierher, um die Störche und Kraniche zu sehen und bei uns etwas von der aktuellen Entwicklung des Naturschutzes im Rhinluch zu erfahren. Es müssen nur genügend Menschen davon erfahren, dann klappt das auch."

Spenden sind möglich an den Naturschutzbund Berlin; Bank für Sozialwirtschaft; IBAN DE76 1002 0500 0003 2932 00 und der BIC BFSWDE33 BER.

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