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Donald Trump als Chance sehen

Guido Bohsem
Guido Bohsem © Foto: privat
Guido Bohsem / 02.06.2017, 21:59 Uhr - Aktualisiert 03.10.2017, 11:42
Berlin (MOZ) Die bemerkenswerteste Reaktion auf den geplanten Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen kam von Frankreichs jungem Präsidenten Emmanuel Macron - und sie war auf Englisch. Er bot den amerikanischen Forschern und Wissenschaftlern Asyl an: Wer dem faktenfreien Denken Donald Trumps entkommen möchte, ist in den französischen Universitäten willkommen, sollte das heißen. Und - ach ja - wir sprechen sogar eure Sprache.

So muss man es machen, so und nicht anders. Es reicht nicht, mit immer neuem Schauder über die jeweils neuesten Trump'schen Fehlleistungen und Kurzmitteilungen zu räsonieren. Und auf keinen Fall sollte man den Mann als das neue Normal einpreisen. Nein, es muss darum gehen, die Chancen zu sehen, die Trump eröffnet, die Schwäche seiner Politik auszunutzen und zum eigenen Vorteil zu wenden.

Trumps Klima-Stinkefinger stößt alle Leute vor den Kopf, die sich schon mal länger als eine Viertelstunde mit dem Thema beschäftigt haben? Gut! Bringt sie zu uns, die frustrierten Techniker, die enttäuschten Forscher. Lasst sie rein. Was spricht in einer globalisierten Wissenschafts-Welt dagegen, das Motto der amerikanischen Freiheitsstatue umzuinterpretieren und deutsche, französische, europäische Werte zu inserieren? Hier bei uns gibt es Freiheit des Denkens und der Forschung. Hier regiert die Aufklärung. Wer der Borniertheit fliehen möchte, der soll kommen.

Das gleiche gilt übrigens für die vielen hochbegabten Digitalen, die im Silicon Valley arbeiten und aus arabischen Nationen stammen. Wenn Trump sie und ihre Landsleute mit einem Einwanderungsbann belegen will - gut! Dann sollte Europa ihnen einen Teppich ausrollen. Jede Internet-Firma, die hier gegründet wird und nicht in Kalifornien, nutzt der Wirtschaft, sorgt für Jobs, bringt uns weiter, hilft uns, die digitale Revolution der kommenden zehn Jahre zu meistern.

Trump ist die beste Anti-Werbung für die Vereinigten Staaten. Sie isolieren sich von der Welt. Deutschland und Europa müssen nun begreifen, diesen Umstand für sich zu nutzen. Wenn der amerikanische Präsident Politik als Abfolge kurzsichtiger Deals versteht, dann ist es an den Europäern, sich ans längere Ende zu denken. Geschlossenes Auftreten, kluge Abstimmung und klare Haltung in allen politischen Fragen sind notwendig, um Trump die Grenzen zu zeigen.

Amerika verfügt über die größte Macht, die diese Erde je gesehen hat, wirtschaftlich, militärisch und ideologisch. Doch hat sie Risse bekommen. Trump hilft dabei nach Kräften, obwohl er eigentlich das Gegenteil erreichen möchte, eine Restauration der amerikanischen Gesellschaft der 50er- und 60er-Jahre. Das kann nur schief gehen, weil die Spielregeln, nach denen die Welt funktioniert, sich grundlegend verändert haben. Trump wird das auch mit viel Erklärungen nicht verstehen. Dennoch sollte man auf klugen Rat nicht verzichten. Doch am Ende wird gegen Trump nur helfen, ihn durch bessere Politik ins Leere laufen zu lassen und seine Dummheit in einen Vorteil zu wenden.

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Ralf Cornelius 03.06.2017 - 10:47:03

Mehr Realismus, weniger Hysterie

Starke Worte aus einem Land, in dem seit mehr als einem Jahrzehnt grüne Ideen vor allem dazu verwendet werden, große Profite zu machen. Es war eine deutsche, eine rot-grüne Bundesregierung, die mit der Einführung der EEG Umlage einen eimaligen und wirtschaftlich grotesken Vorgang in Gang setzte. Seitdem werden Unmengen an grünem Strom produziert, die niemand braucht, die niemand abnehmen kann und die dazu führen, dass für den deutschen Verbraucher die Preise von Jahr zu Jahr neue Rekordhöhen erreichen. Gleichzeitig wird der teure deutsche Strom billig ins Ausland verramscht. Diese Politik an der Bevölkerung vorbei und zu deren Lasten hat die Günen mittlerweile nahe an die Fünf-Prozent-Hürde gedrückt. Gleichzeitig schummeln deutsche Vorzeigefirmen bei der Einhaltung von teils unrealisitischen Umweltauflagen. Ähnliche Auswüchse will Trump vor allem seiner gebeutelten Mittelschicht ersparen. Er ist mit all jenen Themen, die er nun umzusetzen versucht, angetreten und gewählt worden. (Bitte jetzt keine Verschwörungsideen von russischer Einflussnahme). Warum sind nur immer wieder alle aufs neue davon überrascht? Weil hiesige Medien nicht gewohnt sind, dass Politiker tun, was sie vor Wahlen ankündigen? So ergeht man sich in allgemeines Trump-Bashing und legt Wahrheiten gern nach eigenem Ermessen aus, tut also das, was dem US-Präsidenten immer wieder vorgeworfen wird. Im Berliner Raum gab es in der Erdgeschichte von Palmen bis Eisberge alles. Und fragt man mal nicht die Potsdamer, sondern die Hamburger Klimaforscher, so sehen die den menschengemachten Klimawandel duchaus differenzierter. Apropos: China produziert doppelt soviel CO2 wie die USA. Aber außer warmen Worten ist von dort nicht viel mehr gekommen. Etwas weniger Hysterie in die eine und mehr Realismus in die andere Richtung täte gerade den belehrungsverliebten Europäern gut.

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