Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Ermittler erhoffen sich Aufschluss über Befragung der Lebensgefährtin des Täters / Amok-Schütze Stephen Paddock kaufte im vergangenen Jahr besonders viele Waffen

US-Polizei rätselt weiter über das Tatmotiv

Bestürzung in Las Vegas
Bestürzung in Las Vegas © Foto: AFP
Peter DeThier / 05.10.2017, 06:53 Uhr
Washington (MOZ) Drei Tage nach dem Massaker von Las Vegas, das 59 Menschenleben und mehrere hundert Verletzte forderte, sind Ermittler weiter auf der Suche nach einem Tatmotiv. Sicher ist mittlerweile lediglich, dass der Todesschütze Stephen Paddock nichts dem Zufall überlassen hatte.

In seiner Hotelsuite im Mandalay Bay Hotel, von wo aus er minutenlang in das Publikum eines Country-Konzerts feuerte, hatte Paddock ein großes Waffenarsenal angehäuft. Auch hatte er auf dem Türspion und im Flur Überwachungskameras installiert. Zweifellos wollte der Schütze reagieren können, bevor Sondereinheiten der Polizei das Zimmer stürmen und ihn überwältigen. Zwischenzeitlich wurde auch Paddocks Freundin aus den Philippinen eingeflogen. Von ihr erhoffen sich die Behörden neue Erkenntnisse über den Geisteszustand und mögliche Beweggründe des Täters.

Fotos aus Zimmer 32135 des Luxushotels zeigen, dass Paddock dort zwei Fenster eingeschlagen und das Feuer eröffnet hat. Der Täter habe den Massenmord sorgfältig vorbereitet, sagt Las Vegas' Polizeichef Joseph Lombardo. Auf dem Boden lagen Waffen, zudem war auf einem Stativ ein Sturmgewehr montiert. Zu sehen waren auch Zielfernrohre und geladene Magazine.

Inzwischen konnte die Polizei 47 Waffen sicherstellen, von denen Paddock den Ermittlungen zufolge allein 33 während des letzten Jahres gekauft hatte. Ein neues Polizeivideo, das am Mittwoch veröffentlicht wurde, veranschaulichte das schiere Ausmaß des Horrors. Mehrere Minuten lang folgte mit kurzen Unterbrechungen ein Trommelfeuer. Konzertbesucher rannten in Panik auseinander, Polizisten suchten Schutz hinter einer Mauer.

Gegenstand der sich zuspitzenden Debatte um schärfere Waffengesetze dürften nun im Internet problemlos erhältliche Vorrichtungen werden, mit denen Waffen nachgerüstet werden. Mit einem Dutzend "bump stocks" hatte sich Paddock eingedeckt und eines an dem Gewehr montiert, mit dem er den Massenmord beging. Die "bump stocks" verwenden den Rückstoß einer halbautomatischen Waffe und verwandeln diese faktisch in eine Vollautomatik, die nur durch einmalige Betätigung des Abzugs Dauerfeuer schießen kann.

Im Mittelpunkt steht jetzt Paddocks Freundin Marilou Danley (62). Die Frau mit australischer Staatsbürgerschaft, die mit dem Täter in dessen Haus in Mesquite im Bundesstaat Nevada lebte, war bereits am 15. September aus den USA abgereist, zwischen Tokio und Hongkong gependelt und schließlich vergangene Woche zu ihrer Familie auf die Philippinen geflogen. Dorthin hatte der Täter zeitgleich eine Überweisung von 100 000 Dollar getätigt. Danley werde keiner Mitwisserschaft verdächtigt, sei aber "eine Person von Interesse", betonte ein Sprecher des Bundeskriminalamts FBI. Dionne Waltrip, eine Tochter von Danleys geschiedenem Ehemann, beschrieb sie als "guten und zarten Menschen, sie muss nach dieser Tragödie am Boden zerstört sein". Dass sie in irgendeiner Weise beteiligt gewesen sei, konnte sich Dionne Waltrip nicht vorstellen. Auch eine Schwester Danleys erklärte, dass "sie damit überhaupt nichts zu tun hatte, er (Paddock) hat Marilou bewusst weit weg geschickt, damit sie nichts mitkriegt und von seinen Plänen nichts weiß".

Experten mutmaßen weiterhin über mögliche Motive, wobei die meisten überzeugt sind, dass es sich nicht um einen typischen Amoklauf handelte. "Paddock war schon etwas älter und kein Freund sozialer Medien", stellt der forensische Psychologe Brian Russell fest. Gut vorstellen könne er sich, dass während der kommenden Tage bei der Polizei oder irgendeinem führenden Medium ein schriftliches Manifest eingeht, in dem Paddock erklärt, warum er die Gräueltat beging. Denkbar sei, so der Psychologe weiter, dass er es bewusst auf besonders patriotisch und womöglich nationalistisch veranlagte Menschen abgesehen habe, von denen er bei einem Country-Konzert viele erwartete. Am Mittwoch reiste US-Präsident Donald Trump von Washington nach Las Vegas.

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2017 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG