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Dieter B. Herrmann 02.08.2012 13:38 Uhr - Aktualisiert 03.01.2013 15:38 Uhr
Red. ,

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Im 17. Jahrhundert erfand ein Holländer das Fernrohr

Berlin (MOZ) In einer neuen Serie stellt der Astronom Dieter B. Herrmann Interessantes aus der Astronomie vor: Teil 6: Fernrohr

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Die Erforschung des Universums ohne Fernrohre kann sich heute niemand mehr vorstellen. Dabei wurde das Fernrohr erst 1609 durch den holländischen Brillenglasschleifer Lippershey erfunden. Es bestand aus zwei speziellen Brillengläsern. Das Ergebnis: Man sah alle entfernten Gegenstände näher. Die Erfindung war rein pragmatisch zustande gekommen. Das Brechungsgesetz über die Ausbreitung von Licht beim Durchgang durch Medien unterschiedlicher Dichte kannte man damals noch nicht.

Den genialsten Gebrauch von der neuen Erfindung machte zweifellos Galileo Galilei. Mit selbst gebauten Teleskopen entdeckte er die gebirgige Struktur der Mondoberfläche, die vier größten Jupitermonde, die Venusphasen und anderes mehr. Seine Entdeckungen standen im Widerspruch zu der überlieferten und geheiligten Lehrmeinung des Aristoteles und trugen so dazu bei, einen grundlegenden Umbruch des Weltbildes einzuleiten.

 

Fast zeitgleich mit dem Linsenfernrohr, das Johannes Kepler bald verbesserte, betrat auch das Spiegelteleskop die historische Bühne. Hier werden die aus dem Weltall eintreffenden Lichtstrahlen an einem speziell geformten Hohlspiegel reflektiert und erzeugen dann ebenfalls ein Bild des jeweiligen Objekts. Doch während die Linsen Farbverzeichnungen aufwiesen, entfiel dieser Mangel bei den Spiegelfernrohren. Dafür erblindeten die Metallspiegel aber rasch. In einem Wettlauf beider optischer Systeme durch die kommenden Jahrhunderte siegte schließlich das Spiegelteleskop. Glasspiegel mit Durchmessern, die den Linsen aus technischen Gründen versagt blieben, eroberten die Sternwarten.

 

Lange Zeit war der Hooker-Spiegel in den USA mit 2,5 Meter Durchmesser das größte Instrument der Welt. Inzwischen schickt sich die Europäische Südsternwarte, ein Gemeinschaftsunternehmen Europas, an, einen Spiegel mit 42 Metern Durchmesser zu bauen, der aus rund 1000 kleineren Einzelspiegeln besteht. Das gigantische Instrument wird voraussichtlich gegen Ende dieses Jahrzehnts in der chilenischen Atacama-Wüste in Betrieb gehen.

 

Im Monat August begegnet unsere Erde alljährlich einem Strom kleiner Teilchen, die sich aus dem Kometen Swift-Tuttle gelöst haben. Wir beobachten dann das gehäufte Auftreten von Sternschnuppen, weil die kleinen Partikel in großen Höhen unserer Atmosphäre verglühen. Das Maximum dieses Perseidenstromes wird in den Morgenstunden des 12. August erwartet.

 

Venus, der innere Nachbarplanet der Erde, mausert sich zum Morgenstern. Sie steigt nach 2 Uhr über den Horizont und ist dann am östlichen Himmel mit ihrer strahlenden Helligkeit nicht zu übersehen. Schon etwas früher geht der Jupiter auf, der im Sternbild Stier ebenfalls bis zur Morgendämmerung beobachtet werden kann, allerdings deutlich lichtschwächer als die Venus.

 

Am Sternhimmel finden wir jetzt das Sommerdreieck – gebildet aus den hellen Hauptsternen der Bilder Schwan, Leier und Adler – Mitte August gegen 23 Uhr im Süden.

 

Dieter B. Herrmann, Der Zyklop. Kulturgeschichte des Fernrohrs, Braunschweig 2009, 8,99 €

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