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Hinter den Wolken

Viola Petersson / 26.03.2017, 20:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) "Sehenswertes an der Sonnenbahn" - zum Tag der Astronomie am Sonnabend hatten die Sternfreunde Eberswalde in ihre Sternwarte eingeladen. Der Blick in den Abendhimmel war allerdings getrübt. Auch die Umweltschutzaktion Earth Hour, an der sich die Stadt beteiligte, konnte daran nichts ändern.

"Mit etwas Glück könnten wir den Merkur sehen", sagt Wolfgang Seyfarth, Mitglied im Verein Sternfreunde Eberswalde. Für etwa eine Stunde sei der Planet jetzt beim Sonnenuntergang sichtbar. Allein: Die Wolken versperren am Samstagabend den Blick. Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Zunächst. Also Warten - und Griff zur "Schlecht-Wetter-Variante". Ein Vortrag über die Raumfahrt, fachkundige Erläuterungen zur Sternwarte selbst. Und Informationen zu einigen Veränderungen. "Wir haben soeben einen neuen Vorsitzenden gewählt", erklärt der bisherige Vereinschef Harald Kothe. Er habe den Posten aus beruflichen Gründen abgegeben. Erster Vorsitzender sei nunmehr Michael Fietz, zweiter Vorsitzender Wolfgang Berein.

"Wir haben gerade zwei kleinere Zuwendungen von der Stadt erhalten", erklärt Fietz, von Hause aus Geograf und beruflich mit der Auswertung von Luftbildern befasst, sogleich. Die Zuschüsse ermöglichen u. a. die Anschaffung eines "Publikumsfernrohrs". Wegen des öffentlichen Interesses wolle der Verein auf der Plattform an der Karl-Sellheim-Schule ein zusätzliches Teleskop für Beobachtungen installieren. Vor allem Schulklassen, die bei den Sternfreunden zur Gast seien, würden davon profitieren. Bedauerlicherweise sei Astronomie heute ja kein obligatorisches, eigenständiges Unterrichtsfach mehr. Dabei vermittle Astronomie Basiswissen sowie Verständnis für "unsere Stellung im Weltall", für ein Begreifen als Teil des Universums, so der Hohenfinower Fachmann.

Das war auch die Überlegung für Wolfgang Seyfarth, der nach dem Vorbild des Serwester Planetenwegs einen für Eberswalde entwickelt hat. Die Elemente sind fertig, stehen an der Sternwarte. "Bislang fehlte die Genehmigung zum Aufbau", so der Eberswalder. Aber jetzt könne er die Strecke markieren. Startpunkt sei das Waldsolarheim - mit der Sonne in der Skulptur von Eckhard Herrmann. Von dort geht es in Richtung Spechthausen. Nach 4,5 Kilometern, so erklärt Seyfarth, erreicht der Wanderer "den äußersten Planeten unseres Sonnensystems, den Neptun". Im Vergleich zur Sonne (Durchmesser 1,40 Meter im Eberswalder Modell) sei der Neptun nur knapp 50 Millimeter groß.

"Planet, das bedeutet auch Wanderer", weiß Julius (9) Bescheid. "Ich habe zuhause eine CD über den Weltraum", erklärt er. Und seine Großmutter fügt hinzu: "Er ist begeisterter Sternenforscher." Fasziniert von Sternen, Planeten und fernen Galaxien ist ebenso Josephine Kaiser (14) aus Finowfurt. Stolz zeigt sie den Sternfreunden ihr T-Shirt mit dem Aufdruck "Forget princess - I want to be an astrophysicist". Kein Werbegag, Josephine will nach Abi in der Tat Astrophysik studieren. "Ich habe deshalb am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt schon ein Praktikum absolviert", so die Schülerin vom Humboldt-Gymnasium.

Die Sonne ist inzwischen fast untergegangen. "Ein tolles Abendrot", schwärmen die Besucher. Nur der Merkur, der ist immer noch nicht zu sehen. Später funkeln dafür ein paar Sterne am Himmel. "Ich seh' nur einen leuchtenden Punkt", erklärt ein Steppke beim Blick durchs Teleskop. Ja, "das ist ein Stern", so Kothe. Es müsste der Beteigeuze im Sternbild Orion sein. Manch anderer behilft sich mit einer App. Sterne und Planeten via Smartphone. So oder so - Aha-Erlebnisse sind garantiert. "Die Venus wird jetzt übrigens zum Morgenstern", entlassen die Hobby-Astronomen die Gäste in die Nacht. Eine Nacht ohne großes Himmelsschauspiel - und trotzdem für die Zuschauer spannend und aufregend.

Sternwarte geöffnet jeden dritten Donnerstag im Monat ab 19 Uhr (im Sommer ab 20 Uhr)

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