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Sandra Euent 16.04.2017 05:31 Uhr
Red. Rathenow, redaktion-rn@brawo.de

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Versuchskaninchen für ein Jahr

Rathenow (MOZ) Anfang April war Physikerin und Autorin Christiane Heinicke der Einladung der Buchhandlung Tieke gefolgt und las im Havelrestaurant Schwedendamm aus ihrem kürzlich erschienenen Buch "Leben auf dem Mars". Heinicke hatte als einzige Deutsche an der Simulation eines Mars-Aufenthalts der NASA teilgenommen.

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Christiane Heinicke las in Rathenow.

© Sandra Euent

Von August 2015 bis August 2016 hatte sie mit nur fünf anderen Wissenschaftlern auf einem abgelegenen Lavafeld am Rande eines Vulkanes auf Hawaii gelebt. Ziel des Projekts war es, heraus zu finden, wie sich die Gruppe in der Isolation verhält und verändert und wie mit Stress umgegangen wird. Die Teilnehmer waren also zwölf Monate lang "Versuchskaninchen" der NASA.

Christiane Heinicke kam sehr sympathisch rüber, las flüssig und mit guter Betonung, so dass auch die ein oder anderen Lacher aus dem Publikum kamen. Die Lesung wurde durch Bilder unterstützt, die das Leben der Versuchsteilnehmer unterstrichen.

Die Situation, in die sich die Wissenschaftlerin freiwillig begeben hatte, war aber auch extrem. So berichtete sie von der Enge in dem kuppelartigen Bau, der das Zuhause der Teilnehmer bildete. Sie konnte ohne ins Buch zu gucken noch genau sagen, wieviele Schritte es von ihrem Zimmer zur Toilette oder vom Zimmer in die Küche waren. Jeden Tag mussten sieben Fragebögen ausgefüllt und "Körperproben" - also Haare oder Urin - abgegeben werden. Alles für die Wissenschaft natürlich.

Eindrucksvoll waren Christiane Heinickes Schilderungen, wie sie im Laufe der Wochen und Monate ihr Zeitgefühl verloren hatte. Plötzlich seien eben Geburtstage oder Feiertage nicht mehr wichtig gewesen. Jahreszeiten verschwommen völlig, da die Tage in Äquatornähe immer etwa gleich lang waren. Ihre Planungen hätten sich nur noch von anstehendem Außeneinsatz zu Außeneinsatz oder von einem Küchendienst zum anderen erstreckt. Kommunikation mit "draußen" war den Wissenschaftlern nur per E-Mail möglich - wie es auch auf dem echten Mars der Fall sein würde. Das trug weiter dazu bei, dass Heinicke sich von allem losgelöst gefühlt hätte und sich wie in einer Zeitschleife vor kam.

Nach der Lesung beantwortete Heinicke ausführlich Fragen aus dem Publikum, ließ aber auch ein, zwei Fragen unbeantwortet und verwies lächelnd auf das Buch. So bestätigte Heinicke beispielsweise, dass sie auch an einer echten Mars-Mission teilnehmen würde, aber nur an einer "mit Rückfahrschein".

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