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Für Tests von Landungen wird Ersatz-Boden gebraucht

Falscher Mondstaub

Sicher landen: Raumfahrt-Experten testen das vorher in irdischen Sandkästen - wie hier in Bremen.
Sicher landen: Raumfahrt-Experten testen das vorher in irdischen Sandkästen - wie hier in Bremen. © Foto: picture alliance / dpa
Ina Matthes / 23.07.2017, 09:10 Uhr
Frankfurt (Oder) (MOZ) Es gibt nicht nur Fake News. Es gibt auch Fake Dreck. Über den ärgert sich James Carpenter. Der Forscher bei der Europäischen Weltraumagentur ESA befasst sich mit dem Thema Bohren auf dem Mond. Dafür braucht er im irdischen Labor einen Boden, der dem des Mondes ähnelt. Also "Fake-Dreck". Diesen Mondersatzboden bestellte er bei einer Firma in den USA. Was die lieferte, klagt Carpenter im Magazin "Nature", sah nicht im entferntesten nach Mond aus.

Carpenter ist nicht der einzige, der sich über unterirdische Qualität bei nachgemachtem überirdischem Dreck beschwert. Auch in der US-Raumfahrtagentur Nasa gibt es Unmut über die Fakeboden-Branche. Es mischen zu viele mit, die keine Ahnung haben.

Es ist nicht nur fürs Bohren wichtig, wie der Testboden beschaffen ist, auch fürs Landen von Sonden. Je geringer die Schwerkraft auf einem Himmelskörper, desto größer ist der Einfluss des Bodens dabei, sagt Lars Witte. Er simuliert beim Deutschen Luft und Raumfahrtzentrum (DLR) in Bremen solche Landungen. Ihren Dreck machen die Experten hier allerdings alleine - sie entwerfen Rezepte und lassen sich die fertige Mixtur von Firmen liefern. Getestet werden meist nicht nur eine Mischung, sondern einige Varianten. Die Forscher schauen dann, wie ihre Geräte damit klarkommen. Zum Beispiel mit Quarzsand. Oder mit einem Gemisch aus gemahlenem Quarz und Olivin, einem olivgrünen Mineral, das sich wie Mehl anfühlt und gut zusammen pappt. Denn eines unterscheidet außerirdischen Grund vom irdischen: Auf der Erde sind zum Beispiel Sandkörner eher rund. Sie werden von Wind und Wasser abgeschmirgelt. Auf Mond, Mars oder uns bekannten Asteroiden ist das anders: Flüssiges Wasser an der Oberfläche existiert nicht. Dort zerschießen herabstürzende Meteoriten das Gestein zu Staub. Der ist scharfkantig und seine Körnchen verhaken sich gut. Das versuchen die Forscher nachzubilden. "Die exakten Bedingungen kann man nie treffen", sagt Lars Witte. Aber mit Tests im Sandkasten und Simulationen am Computer kommen sie der Sache nahe. Witte hat auch an der die Landung des Roboters Philae auf dem Kometen Tschuri vergangenes Jahr mitgearbeitet. Der Komet hat nur eine Mini-Anziehungskraft, deshalb spielte der Widerstand des Bodens eine recht große Rolle. Zwar lief das Aufsetzen nicht glatt, weil eines der Landetriebwerke von Philae ausgefallen war. Die Bodenbedingungen aber - Staub auf hartem Grund - entsprachen gut dem, was die Forscher berechnet hatten.

Während Kometen oder Asteroiden wenig bekanntes Terrain sind, haben es Weltraumforscher mit Mars und Mond einfacher. Über den rötlichen Mars rollen Rover und durch den Mondstaub sind sogar Menschen gestiefelt. 382 Kilo Staub und Steine haben Astronauten vom Mond zur Erde gebracht. Das meiste lagert unter Verschluss. Für Forschungszwecke. Denn am erdfremden Material interessiert nicht nur, wie ein Lander aufsetzen kann. Spannend ist, woraus es besteht. Und ob sich daraus Ziegel fabrizieren lassen - für ein Dorf auf dem Mond.

Denn das ist die große Vision der Raumfahrt: eine bemannte Station auf dem Mond. James Carpenter, der ESA-Wissenschaftler, arbeitet in Köln an solchen Missionen. Mond-Ersatz-Dreck bestellt er nicht mehr, er sucht inzwischen vor der Haustür. In der Eifel mit ihrem alten Vulkangestein. Das fühlt sich an wie vom Mond.

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