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Beim Golzower Filmabend zum Oderhochwasser 1947 wurden aktuelle Sorgen laut

Lehren aus den Katastrophen angemahnt

Ingo Mikat / 10.04.2017, 05:40 Uhr
Golzow (MOZ) Viele Gäste aus der gesamten Oderlandregion, darunter acht Zeitzeugen, nahmen am Freitag an einem Filmabend zum Oderhochwasser 1947 und Dokumentarfilmer Karl Gass teil. Anhand von Landkarten erinnerte Golzows Bürgermeister Frank Schütz zu Beginn an die Höhe der Flutwelle im Frühjahr 1947: "Hier im Golzower Filmmuseum hätte uns das Wasser nicht erreicht. Es liegt mit dem Amt Golzow auf einem kleinen Hügel. Aber schon auf der anderen Straßenseite überschwemmte die Flut alle Felder und Grundstücke", so Schütz.

Eine eben erst angebrachte Flutmarke ermöglicht allen Einwohnern der Gemeinde, besonders Kindern und Jugendlichen, die damalige Hochwassersituation nachzuvollziehen. Der auf dem Wappen des Gewässer- und Deichverbandes Oderbruch (Gedo) vermerkte Spruch: "Wahre und Wehre" sei der wohl wichtigste im Oderbruch. Für ein der Aufführung des Defa-Augenzeugenberichtes über das Oderhochwasser 1947 folgendes Podiumsgespräch begrüßte Schütz Gedo-Geschäftsführer Martin Porath und den erfahrenen Katastrophenschützer Peter Strohbach vom THW.

Den Filmabend habe die Gemeinde organisiert, um die Sensibilität für die im Oderbruch latent drohende Hochwassergefahr wach zu halten, erklärte der Bürgermeister. Er bat den anwesenden CDU-Bundestagsabgeordneten Hans-Georg von der Marwitz, sich weiter für einen umfassenden Hochwasserschutz der Region stark zu machen.

Mit dem zweiten Film des Abends erinnerten die Golzower an den 2009 verstorbenen Filmemacher Karl Gass. Anlässlich seines 100. Geburtstages zeigten sie seinen 1963/64 entstanden Dokumentarfilm "Feierabend" über das Leben der am Aufbau der Erdölraffinerie in Schwedt beteiligten Arbeiter.

Karl Gass, erklärte Schütz, vermittelte dem mit Golzow durch seine Langzeitfilmdokumentation "Die Kinder von Golzow" eng verbunden Filmregisseur Winfried Junge einst die entscheidende Anregung zu dessen Golzower Werk.

In der Gesprächsrunde über das Hochwasser 1947 mahnte Peter Strohbach: "Die Zahl der THW-Helfer in Seelow ist von 35 zur Zeit der Oderflut 1997 auf aktuell nur noch 21 geschrumpft. Wir brauchen dringend mehr Leute, die engagiert mitmachen. Alle sind aufgefordert, weil es nur eine Frage der Zeit ist, dass ein nächstes Hochwasser kommt!"

Auch Martin Porath zeigte sich kritisch: "Es ist eine unbequeme Wahrheit, das Oderbruch ist und bleibt Hochwassergebiet. Die Natur lässt sich nicht auf Dauer in jeder Situation beherrschen. Wir als Gedo bemühen uns täglich, Wasserläufe, Schöpfwerke und Deichanlagen zu erhalten. Doch dabei gibt es aktuell zahlreiche Probleme." Sorgen bereiten Porath vor allem die fehlenden Deichläufer und die anhaltend großen Schäden durch Biber.

Diese Feststellung ergänzte der Golzower Klaus-Dieter Lehmann mit dem Hinweis, dass im Golzower Bereich in den vergangenen zwei Jahren lediglich fünf Biber entnommen worden seien.

Die Gesprächsrunde endete mit dem Dank der Golzower für die seit Jahren gepflegte gute Zusammenarbeit mit dem Deichverband. Einige Zeitzeugen des 1947er Hochwassers, wie Horst Rambusch, Hans-Adolf und Sigrid Fakler, Eberhardt Petschack, Christian Dorn, Günter Guderian, Karl-Heinz Henschel und Walter Schütz, hätten wohl gern im Rahmen des offiziellen Teils ihre Erinnerungen beigesteuert. Doch dazu reichte die Zeit nicht. So sprachen sie später, beim kleinen Saftempfang, noch in Gruppen über ihr Erleben der Hochwasser-Katastrophe von 1947.

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