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Hochwasser: Dauerregen lässt die Pegel steigen


Im Oderbruch sorgt der anhaltende Niederschlag für hohe Pegelstände. Experten befürchten ein neues Jahrhunderthochwasser wie zuletzt 1997, da sich die Wetterlage gleicht.



Andreas Wendt 01.06.2010 16:45 Uhr

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„Die Anspannung ist belastend“

Frankfurt (Oder) (moz) Die extreme Daueranspannung der Rettungskräfte und Deichläufer beim Oderhochwasser könnte nach Einschätzung von Psychotherapeut Dr. Götz Mundle, Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg, gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. „Nach dem Einsatz tritt nicht etwa ein Hochgefühl auf, sondern es machen sich eher Niedergeschlagenheit und Erschöpfung breit“, sagt Mundle. Schlafstörungen, Angst und Konzentrationsmängel seien typische Symptome, die bei den Rettern nicht nur bei Katastrophen mit Todesfolge auftreten. „Wenn diese Vorzeichen ein oder zwei Wochen anhalten, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen“, rät der Psychotherapeut.

  Professor Dr. Götz Mundle ist Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg. © S.K.U.B. Fotostudio GmbH

Beim Hochwasser an der Oder sind nach Angaben des Potsdamer Innenministeriums Tausende Helfer eingesetzt – Deichläufer, Polizisten, Mitarbeiter des THW, Sanitäter und Feuerwehrleute. „Allein die Anspannung, ob etwas passiert oder nicht, stellt eine Belastung dar“, sagt Mundle aus Erfahrung. Während Verbände und Hilfsorganisationen ihre Kräfte psychologisch betreuen würden, laste auf den Deichläufern eine große Verantwortung. „Wenn ich allein für einen Deichabschnitt zuständig bin, hat das Folgen. Der Körper reagiert auf Dauergefahr mit Dauerstress. Letzte Reserven werden mobilisiert, und das stellt eine Hochbelastung dar, deren Nachwirkungen oft erst in der Entlastungsphase zu spüren sind.“ Deshalb sei es wichtig, vor, während und nach solchen Einsätzen wie jetzt an der Oder Gesprächsangebote zu unterbreiten.

Die Oberbergklinik Berlin/Brandenburg, einer von drei Standorten in Deutschland, hat sich auf die Behandlung ausgebrannter Rettungskräfte spezialisiert. Die Zahl derer, die dort wegen eines Burn-out-Syndroms behandelt werden, nehme ständig zu. Dabei würden auch die zunehmende Belastung und steigender Stress eine Rolle spielen. „Die Polizei ist im Alltag aggressiven Attacken ausgesetzt. Das hinterlässt Spuren“, erklärt Mundle. Kranke würden Anzeichen selbst meist nicht erkennen oder als eigene Fehler interpretieren. „Aber auch bei bester Vorbereitung auf eine Flut reagiert der Körper – das kann selbst den stärksten Mann umhauen“, warnt der Professor. Die Betroffenen würden das Bedrohungspotenzial meist nur auf unbewusste Weise wahrnehmen.

Der Katastrophenstab des Innenministeriums hat nach Aussagen seines stellvertretenden Sprechers Wolfgang Brandt vorgesorgt: Man habe auf eine Gleichmäßigkeit der Belastung geachtet. So seien Einsatzkräfte im Landkreis Oder-Spree nach 24 Stunden abgelöst worden, was auch mit der Freistellung durch die jeweiligen Arbeitgeber zu tun habe. „Das ganze System beruht ja auf Freiwilligkeit. Ein kleines oder mittleres Unternehmen kann aber praktisch lahm liegen und ist handlungsunfähig, wenn die Arbeitnehmer dauerhaft im Hochwassereinsatz sind“, sagt Brandt. Durch die zeitlich begrenzten Einsätze entstehe Brandt zufolge deshalb auch keine akute Stresssituation.

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