Vevais (MOZ) Kunst und Kartoffel, Militär und Muse, Philosophie und Feldzüge: Getreu dem Erhardt-Vers "Vom Alten Fritz, dem Preußenkönig, weiß man viel, doch viel zu wenig" versucht die MOZ in einer neuen Serie eine Annäherung an Friedrich den Großen und stellt die Frage - Was bleibt? Heute an: Inge Müller
Vom Alten Fritz inspiriert: Keramikerin Inge Müller aus Vevais. Das Dorf, in dem sie mit ihrem Mann lebt, erhielt seinen Namen von den aus der französischsprachigen Schweiz von Friedrich II. angeworbenen Kolonisten.
Nicht nur Historiker und Regionalwissenschaftler beschäftigen sich anlässlich des 300. Geburtstages des Preußenkönigs mit seinem Wirken. Auch Keramikerin Inge Müller aus Vevais setzt dem Alten Fritz auf ihre Art ein Denkmal. "Ich muss alles ,vertonen', was mir durch den Kopf geht", lacht sie. So auch Friedrich II., mit dem sie sich seit langem beschäftigt. So findet er sich auf kleinen Medaillons, die ihn als Feldherren, als Flötenspieler oder als Bewohner von Schloss Sanssouci zeigen, oder auf Reliefs, wie er den Anbau der Kartoffeln überwacht. Die größte, zweiteilige Arbeit der 77-Jährigen zeigt ihn als Erscheinung in einem Wolkenbild, darunter das überflutete Oderbruch. "Dass das Oderbruch durch Binnenhochwasser große Schäden erlitt, den Hauseigentümern die Keller voll Wasser liefen und die Bauern unter den Missständen um ihre Ernte bangen mussten, hat mich sehr beschäftigt", sagt Inge Müller. Inspiriert habe sie zu der Arbeit eine Randbemerkung Friedrich II. auf dem Bericht des Generaldirektoriums über die Hochwasserschäden im Oderbruch. "Da hat er in seiner wunderbaren Art deutliche Worte gefunden, die ich in dem Wolkenbild wiedergegeben habe: ,Da mus mit Ernst nach gesehen werden und wohr die Räthe nicht Blei im hindern haben muss der Treibsamste hingeschicket werden umb die arbeit zu accelerieren'."
Die Biografie des Preußenkönigs habe sie stark inspiriert, sich mit seinem Leben zu beschäftigen und dies in ihre Arbeiten einfließen zu lassen. "Sein Leiden als Kind unter dem strengen Vater, der ihn so drangsalierte, hat mich erschüttert", sagt Inge Müller. "Es ist ein Wunder, dass überhaupt ein vernünftiger Mensch aus ihm geworden ist."
Zwar sieht auch sie seine Aktivitäten als Feldherr sehr kritisch, doch dass jeder nach seiner "Facon" glücklich werden sollte, beeindruckt sie. "Das könnte sich manch einer heute noch hinter den Spiegel stecken", lacht sie. Denn man könne ihn nicht nur als Kriegsherren sehen, sondern müsse ihn als ganze Person betrachten. "Es ist ein großes Bild, das er abgibt", sagt die Keramikerin. "Sein Schloss, sein Sinn für Kunst und Philosophie, die Besiedlung des Oderbruchs."
Sie ist froh, dass sich heute alle Facetten des Alten Fritz betrachten lassen. "In der Nazizeit wurde er verherrlicht", erinnert sie sich, "und in der DDR verdrängt." Umso erstaunlicher ist es für sie, wie präsent der Alte Fritz bei den Menschen ist. Gerade erst bekam sie einen Auftrag für einen Grabstein, für den sie, neben den Lebensdaten der Verstorbenen, ein Zitat Friedrichs II. in einem aufgeschlagenen Buch verarbeitet hat.
Doch die gebürtige Bad Freienwalderin, der das Hochwasser 1947 noch in eindrücklicher Erinnerung ist, ist auch entsetzt, wie mit dem Erbe des Preußenkönigs im Oderbruch umgegangen wird. Immer wieder sei entweder von Renaturierung auf der einen Seite oder von noch mehr geplanten Mastanlagen auf der anderen Seite die Rede. "In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns heute", sagt sie traurig. "Ich bin besorgt, wenn ich mir vorstelle, wie sich das Oderbruch dadurch verändern wird."
Weitere Informationen unter www.mueller-vevais.de.
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26.05.2012 08:02:55 Rainer Pick
Übertreibung?
26.05.2012 07:47:15 Frührentner
Nachdenken? ja,bitte!
26.05.2012 07:26:42 einer flog übers kukucksnest
China-Airline fordert rbb-Erklärung...
26.05.2012 07:12:07 Zivilisationskranker
@leser
26.05.2012 07:07:23 Marco Habeck
sie haben recht