Am vorletzten November-Sonnabend wäre Victoria Kaiserin Friedrich 180 Jahre alt geworden. Die Tochter von Queen Victoria war nicht nur Mutter des letzten deutschen Kaisers, sondern ließ sich in Kronberg einen Altersruhesitz bauen, den heute die Allgemeinheit nutzen kann.

Kein gewöhnliches Luxus-Hotel

Immer noch im Besitz der Nachfahren - aktuell der Hessischen Hausstiftung - ist so im Laufe der Nachkriegsjahre aus Schloss Friedrichshof das Schlosshotel Kronberg geworden. Seit 1954 beherbergt das Fünf-Sterne-Haus Gäste und gehört heute zu „Small Luxury Hotels of the World“, wenngleich es mit insgesamt 61 Zimmern schon zu den großen dieser Kategorie gerechnet wird.

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Natürlich ist das Haus im Taunus alles andere als eine normale Luxusherberge. Lage und Erscheinungsbild unterscheiden sich deutlich von dem, was der betuchte Gast sonst rund um den Globus in dieser Preisklasse geboten bekommt. Allein schon der 58 Hektar große Park, den Besucher und Gäste mindestens zur Hälfte durchqueren müssen, ist die Reise nach Hessen Wert. Denn nicht nur, dass Victoria Gärtner ihrer Mutter vom Buckingham Palace in London hat kommen lassen, das Areal umzugestalten. Als Gastgeschenk für die Hausherrin waren vor allem Pflanzen und Gehölze aus fremden Ländern beliebt. So finden sich heute nicht nur stattliche russische Zedern, sondern auch viele andere Exoten.

Ein-Personen-Haushalt mit Gästezimmern

Und dann ist das Hotel in erster Linie ein Schloss, dazu eines, das einst zum Wohnen und weniger zum Repräsentieren erbaut worden ist. Heinrich Donatus von Hessen, Chef des Hauses von Hessen und Urur-Enkel der Kaiserin, bezeichnet es auch gern mal als einen Ein-Personen-Haushalt mit Gästezimmern. Als Lobby dient heute die englische Halle, früher zentraler Eingangsbereich des Herrschaftsflügels. Dominiert wird dieser Raum von einem großen Kamin und nicht, wie üblich, der Rezeption. Diese versteckt sich rechts und bescheiden hinter einem hoch-repräsentativen Treppenaufgang in die Belle-Etage, wo sich früher die Wohnräume Victorias befanden. Im Erdgeschoss links führt ein langer Gang zu den Gesellschaftsräumen, von denen aktuell zwei als Restaurant und die übrigen als Tagungs- und Veranstaltungsräume genutzt werden.

Nachts im Museum

Neben den rein architektonischen Besonderheiten fällt dem Gast aber vor allem das kulturhistorischen Interieur auf. Ob Möbel, Wandbehänge, Bilder, Statuen oder Läufer - das Wort Museum kommt einem sofort in den Sinn. Und tatsächlich finden sich in den Räumlichkeiten, nicht nur den öffentlichen, sondern auch auf den Zimmern, ausschließlich Originale der Kunstsammlung derer von Hessen. Und da im Fundus noch weit mehr Stücke vorhanden sind, kann der Besucher darauf vertrauen, dass er bei einem erneuten, späteren Besuch durchaus Neues entdecken wird. Darüber hinaus garantiert die Ausstattung ein gewisse Einmaligkeit jedes einzelnen Raumes. Gemein ist ihnen die gehoben-gediegene Ausstattung im englischen Stil mit Sekretär, Anrichten und breiten Sesseln, Marmorbädern, bequemen Betten natürlich.

Charme des nicht immer Perfekten

Der Preisklasse angemessen möchte man sagen, aber nicht perfekt. Dies allerdings darf nicht als Makel verstanden werden. Denn das Schloss als historisches Gebäude hat Eigenarten, die ihm einzigartigen Charme verleihen. Das können Kleinigkeiten sein wie knarrende Dielen, der mitunter in den Gängen vernehmbare Kamingeruch oder die stets leicht zügigen historischen Doppel-Fenster. Und sicher ist der Bell Boy bereit, beim Gepäck zu helfen. Doch entsprechende Wagen findet man nicht. Mehr als ein kleiner, Vier-Personen-Aufzug passte nicht ins Gemäuer, da muss man mit Einschränkungen leben. Dafür wohnt es sich um so mehr nach Schloss statt nach einer dieser stereotyp-durchgestylten Luxusherbergen.

„Schweinerei“ beim Fine-Dining

Keine Frage, in anderen Bereichen kennt man in Kronberg dann aber keine Kompromisse. Neben dem Service natürlich gehört dazu die Küche. Modern und französisch interpretiert mit frischen Zutaten aus der Region wird fürs Fine-Dining-Restaurant gekocht. Das Team an Öfen und Pfannen ist jung und entsprechend kreativ, auch bei der Namensgebung. Ein Menü „Schweinerei“ zu benennen würde wohl nicht sofort jedem gehobenen Koch einfallen. Nebenan, im Roten Salon, wird italienisch serviert und damit Heinrich Prinz von Hessen die Referenz erwiesen. Unter seinem Künstlernamen Enrico d’Assia hatte sich der Blaublüter als Maler im 20. Jahrhundert einen Namen gemacht. Auch wenn die Weinkarte dick wie die Bibel ist und teils Kostbarkeiten aus aller Welt enthält, am liebsten serviert man in Kronberg Prinz von Hessen, typische Rheingau Weine vom eigenen Gut.

Kaiserlich picknicken

Die darf man sich von der Schlossküche auch gern in einen Korb packen lassen und sich ein idyllisches Plätzchen im Park für ein Picknick suchen. Das Hotel bietet in der warmen Jahreszeit diesen Service, das Grün und die exotischen Pflanzen wie einst die Kaiserin zu genießen. Wenn’s draußen kalt und stürmisch ist, wird der Sekt aber auch in der Bibliothek während des English Afternoon Teas serviert - neben einer Auswahl erlesener Tees und einer Etagere very british, von herzhaften Sandwichs hin zu feinsten Schokoladen. Ebenso der unbedingt sehenswerte Rosengarten bei einer Weinverkostung wie auch der Cottage Biergarten sind Orte, an denen man einen kühlen und guten Schluck genießen kann.

Bestes Resort in Deutschland

Rechtzeitiges erscheinen, mitunter unbedingt eine Reservierung, sichert dabei Plätze. Denn nicht nur die Events, generell sind Schloss und Park bei Besuchern sehr beliebt. Da kann es vor allem an Wochenenden auch mal schnell voll werden. Zudem zieht der 18-Loch-Golfplatz, der sich größtenteils durch die Parkanlage schlängelt, nicht nur Mitglieder des Golf- & Land-Club Kronberg e.V. an, sondern auch Gäste von außerhalb. Wer da seine Ruhe haben will, könnte Glück bei der Grotte haben. Einst als Refugium für Victoria erschaffen, Höhle, Wasserfall und viel Natur - heute allerdings auch begehrt bei Hochzeitspaaren.
Der Ansturm auf Schloss und Park ist verständlich, schließlich wurde Kronberg bei den diesjährigen World Travel Awards als „Germany’s Leading Resort“ ausgezeichnet. Zum neunten Mal in Folge bestes Resorthotel in Deutschland, das spricht sich rum. Zu Recht.

Schloss Kronberg: Vom Country Home zum Luxushotel


Das Schloss Friedrichshof diente Victoria Kaiserin Friedrich als Witwensitz nach dem Tode von Friedrich III., dem sogenannten 99-Tage-Kaiser. Erbaut von 1889 bis 1893 vereinte hier der Berliner Hofbaudirektor Ernst Ihne Elemente deutscher und italienischer Renaissance mit englischer Tudorgotik und heimischem Fachwerk. Das Haus verfügte von Anfang an über eine moderne technische Ausstattung wie Elektrizität, Zentralheizung, Fahrstuhl. Dazu hatten alle Gästezimmer eigene Bäder En Suite. Victoria bezeichnete Friedrichshof als ihr komfortables Country Home.

Nach dem II. Weltkrieg diente das Schloss unter dem Namen Country Club Kronberg Castle als Offizierscasino für die US-Streitkräfte. 1953 wurde es an die Erben übergeben, die sich entschlossen, daraus ein Hotel zu machen, um das Haus erhalten zu können. In den 1960-er Jahren dann wurde das Schlosshotel Kronberg auf die heutige Hessische Hausstiftung übertragen.

Website Schlosshotel Kronberg