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Foto: dapd/Sascha Schürmann

Rocker-Szene

Razzien in Berlin und Brandenburg: Im Kampf gegen die Rocker-Szene ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt mit einer neu gegründeten Task Force.

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Roland Becker 15.01.2013 10:54 Uhr
Red. Hennigsdorf, lokales@oranienburger-generalanzeiger.de

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Oberhavel-Bandidos hinter Panzerglas

Berlin/Hennigsdorf (MZV) Unter strengsten Sicherheitsbedingungen hat am Montag am Berliner Landgericht der Prozess gegen drei Rocker der Bandidos Del Este begonnen, denen bandenmäßiger Rauschgifthandel vorgeworfen wird.

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Schwer gesichert: Hinter schusssicheren Scheiben müssen der Oranienburger Mirko S. (vorn) und der vor seiner Inhaftierung in Hennigsdorf lebende Stefan I. die Verhandlung verfolgen. Foto: Axel Schmidt/dapd  

Schwer gesichert: Hinter schusssicheren Scheiben müssen der Oranienburger Mirko S. (vorn) und der vor seiner Inhaftierung in Hennigsdorf lebende Stefan I. die Verhandlung verfolgen. Foto: Axel Schmidt/dapd

© dapd

Hinter Panzerglas müssen der Hennigsdorfer Stefan I. und Mirko S. aus Oranienburg das Verfahren verfolgen. Nur dem Berliner Dennis N. bleibt diese Sicherheitsmaßnahme erspart. Das Trio befindet sich seit der polizeilichen Erstürmung des Bandidos-Vereinsheims in Hennigsdorf vom 7. Juni 2012 in Untersuchungshaft. Von ihren Rockerkumpel aber sind sie nicht vergessen worden. Einige von ihnen scheinen auf der von einem halben Dutzend Polizisten gesicherten Zuschauertribüne Platz genommen zu haben. "Kontaktaufnahmen sind hier nicht gestattet, und Mütze abnehmen!", stellt der Vorsitzende Richter Thomas Seifert gleich zu Beginn klar, wer im Saal den Ton angibt.

Den drei Angeklagten wird vorgeworfen, gemeinsam mit weiteren 22 in diesem Prozess nicht angeklagten Männern zwischen 2009 und Mai 2012 sechs Kilogramm Amphetamine erworben und weiterverkauft zu haben. Die Geschäfte sollen von dem zuletzt im Hennigsdorfer Bandidos-Heim an der Neuendorstraße lebenden Stefan I. organisiert worden sein. Die Staatsanwaltschaft ist der Überzeugung, dass der Drogenvertrieb bandenmäßig ablief und als feste Einnahmequelle der Bandidos Del Este gedacht gewesen ist.

Dabei soll Dennis N. die Drogen auf Geheiß von Stefan I. in Berlin erworben haben. Pro Kilogramm soll er dafür mit 500 Euro entlohnt worden sein. I. wiederum beauftragte andere Clubmitglieder, die Drogen weiterzuverkaufen. Zu diesen Dealern soll auch der Oranienburger Mirko S. gehört haben. Details in der Anklageschrift lassen darauf schließen, wie ausgeklügelt der Handel organisiert war. So soll Clubpräsident Thorsten S. den ihm untergeordneten Mirko S. von einem Großteil seiner Aufgaben bei den Bandidos freigestellt haben, um sich vor allem dem Drogenverkauf widmen zu können.

Letzterer fand schwerpunktmäßig in Oranienburg statt. Nur einige der 118 in der Anklageschrift verzeichneten Verkäufe sollen sich in Velten und Hennigsdorf abgespielt haben. Die Liste der Käufer umfasst 17 Konsumenten. Gedealt wurde unter anderem in Oranienburger Gaststätten, an einer Veltener Tankstelle oder direkt am Arbeitsplatz eines Kunden. Einige der Abnehmer haben mehrmals wöchentlich ihren Drogenbedarf bei S. gedeckt. Eine Oranienburgerin hat neben den Amphetaminen auch Kokain bei Mirko S. gekauft. Woher der Rocker diese Drogen bezogen hat, lässt die Anklage offen.

Offen bleiben dürften so manche Fragen in diesem vorerst auf 28 Verhandlungstage angesetzten Prozess - zumindest die, die sich an die Angeklagten richten. Die beiden derzeit in der Haftanstalt Moabit einsitzenden Stefan I. und Mirko S. sagten zum Prozessauftakt, dass sie schweigen werden. So hatten sie es bereits während der Ermittlungen gehalten. Diese in Rockerbanden übliche Strategie wurde bislang nur von Dennis N. gebrochen. Er hatte sich gegenüber den Vernehmern zumindest dahingehend erklärt, dass er unschuldig sei. Zwar schwieg am Montag auch er. Doch das könnte sich im Laufe des Prozesses ändern. Sein Anwalt sagte in der Verhandlung, dass er seinem Mandanten geraten habe, vorerst zu schweigen. Sollte die Staatsanwaltschaft überhaupt noch darauf hoffen, Erhellendes von den Angeklagten zu erfahren, dürfte sie am ehesten bei Dennis N. Erfolg haben. Dieser soll nämlich, so sagte es ein Gerichtssprecher, mittlerweile nicht mehr Mitglied der Bandidos sein.

Der Prozess wird am 21. Januar fortgesetzt.

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