Freitag, 19. September 2014
ABO-ButtonABO-ButtonABO-Button



Foto: dapd/Sascha Schürmann

Rocker-Szene

Razzien in Berlin und Brandenburg: Im Kampf gegen die Rocker-Szene ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt mit einer neu gegründeten Task Force.

mehr

28.01.2013 16:17 Uhr

themen/rocker/artikelansicht/dg/0/

Berliner Polizei sieht Rocker-Aussteigerprogramm skeptisch

Berlin (dapd) Die Berliner Polizei steht einem Aussteigerprogramm für kriminelle Rocker äußerst skeptisch gegenüber. Innensenator Frank Henkel (CDU) und Behördenchef Klaus Kandt verwiesen am Montag im parlamentarischen Innenausschuss auf zahlreiche andere Instrumentarien, die bereits zum Umgang mit den Motorrad-Gangs zur Verfügung stünden. Kriminaldirektor Uwe Wilhelms warnte vor einem Anspruch des Konzepts, der der Wirklichkeit nicht gerecht werde. Der Polizist ist im Landeskriminalamt für die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität zuständig.

themen/rocker/artikelansicht/dg/0/1/1094698/
Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt  

Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt

© dapd

Das Thema kam auf Antrag von SPD und CDU auf die Tagesordnung. Als Vater dieser Idee gilt Wilhelms' Vorhänger Bernd Finger. Zur Begründung des Antrags sagte Innenexperte SPD-Verfassungsschutzexperte Tom Schreiber, nicht jeder Rocker sei kriminell. Nur ein Prozent der gesamten Szene dürfen zu den sogenannten Outlaws (Gesetzlosen) gezählt werden, jenen Mitgliedern, die geltende Gesetze demonstrativ nicht anerkennen. Daher müsse es für Aussteigewillige ein Konzept geben.

Die Opposition hingegen bemängelte Schreibers Vorstoß als unausgegoren. Linke-Fraktionschef Udo Wolf sprach von einem "kurzfristigen Showeffekt". Was Schreiber dem Ausschuss vorlege, sei ein "Kessel Buntes von Maßnahmen". Polizeipräsident Kandt sagte, die Behörden hätten erfolgreich einen massiven Verfolgungsdruck aufgebaut. Dazu trage auch die gute Zusammenarbeit mit den Polizeikollegen in Brandenburg bei.

Lage durch Task Force im Griff

Wilhelms betonte in seinen Ausführungen, ein "ausformuliertes" Aussteigerprogramm für alle funktioniere seiner Ansicht nach schon darum nicht, weil es sich bei den Rockerclubs nicht um ideologische Vereinigungen handele. Vielmehr liefen dort unterschiedlich ausgeprägte kriminelle Karrieren zusammen. Daher setze die Polizei lieber auf individuell zugeschnittene Ausstiegsszenarien. Schon jetzt trage vor allem die Vernetzung der bei der Staatsanwaltschaft Berlin angesiedelten Task Force Rockerkriminalität "wesentlich zur Beherrschung der Lage" bei.

Bei der Arbeit mit Rockern setze die Polizei stattdessen - und dies mit Erfolg - auf die permanente persönliche Ansprache von bekannten Personen der Szene, ergänzte Wilhelms. Diese Kontakte verunsicherten nicht nur die jeweils gegnerischen Clubs. Mit der ständigen Präsenz würden zudem die Führungsansprüche der einzelnen Club-Chefs systematisch untergraben. "Es gilt, die kriminellen Führungskräfte zu entzaubern." Erste Erfolge seien sichtbar: Seit Mitte 2012 habe es mehrere Aussteiger bei den Bandidos gegeben. Im Ergebnis würden 60 Verfahren gegen Rockerbanden geführt, darunter wegen des Besitzes von Waffen und Drogen.

Pauschales Aussteigerprogramm würde Gangs anerkennen

Der Experte warnte zugleich vor einem pauschalen Aussteigerprogramm. Ein solch öffentliches Konzept würde den Machtanspruch der diversen Führer eher noch bestätigen, weil es sie sinngemäß anerkenne. "Das Programm würde als Aufnahme ihrer Kampfansage gegen den Staat aufgefasst", sagte Wilhelms. Im Übrigen setze die Berliner Polizei bei der Bekämpfung der Rockerkriminalität lieber auf ein "Zusammenspiel" aus Präsenz, Ermittlungen und Auswertungen.

Grundsätzlich sei die Entwicklung der Rockerkriminalität in den vergangenen Monaten weiterhin von anhaltender Gewaltbereitschaft der Clubs untereinander gekennzeichnet, schilderte Wilhelms. Es gebe große Fluktuationen zwischen den führenden Clubs der Szene, Hells Angels und Bandidos. Die Machtverschiebung von den Bandidos hin zu den Hells Angels halte an. Demgegenüber seien die Clubs Rolling Wheels und Gremium weiter eigenständig. Insgesamt hat sich laut Wilhelms die Zahl der Auseinandersetzungen zwischen Rockern aber verringert.

Wilhelms mahnte abschließend, die gesetzeswidrigen Umtriebe von Rockern nicht isoliert zu betrachten. Sie seien immer Teil der Organisierten Kriminalität.

Artikel empfehlen

Artikel kommentieren

Lesezeichen setzen

Seite empfehlen

Nachricht an die Redaktion

Druckversion

Lesen Sie auch...

Regionalnavigator

Landkreiskarte Brandenburg Ostprignitz-Ruppin Potsdam-Mittelmark Brandenburg/Havel

Ort, PLZ oder Redaktion

localnews , moz , '+oms_keyword+'; ,

Neueste Kommentare

19.09.2014 15:45:10 WolLe-11

Hier habt Ihr die...

19.09.2014 15:26:47 Ulli Ziemker

Wofür?

19.09.2014 15:24:11 der Holgo

@Wer auch immer…

19.09.2014 15:23:35 Demokratie auch im Osten

fang an

Regional

© 2014 moz.de Märkisches Verlags- und Druckhaus GmbH & Co. KG