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Foto: dapd/Sascha Schürmann

Rocker-Szene

Razzien in Berlin und Brandenburg: Im Kampf gegen die Rocker-Szene ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt mit einer neu gegründeten Task Force.

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Roland Becker 29.01.2013 10:39 Uhr - Aktualisiert 29.01.2013 11:43 Uhr

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Bandidos-Aussteiger sagt aus: "Ich wollte einfach nur weg"

Hennigsdorf/Berlin (MZV) Ehe sich Daniel N. nach dieser Handgranaten-Attrappe selbst durchgerungen hatte, zur Polizei zu gehen, stand die bereits vor seiner Wohnungstür. "Die wollten sich mit mir darüber unterhalten, ob es mir gut geht." Die Beamten waren nicht etwa einfache Revierpolizisten, sondern Außendienstler des Rockerdezernats. Die Polizisten waren nicht ohne Grund zu Daniel N. gekommen. Ein anderer Rockeraussteiger hatte sie auf dessen Spur gebracht. Ob sie aber damit gerechnet hatten, dass N. derart schnell auspacken würde?

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Angeklagte hinter Panzerglas: Mirko S. (rechts) und Stefan I. waren einst Kumpel des Bandido-Aussteigers Daniel N.  

Angeklagte hinter Panzerglas: Mirko S. (rechts) und Stefan I. waren einst Kumpel des Bandido-Aussteigers Daniel N.

© dapd

Der hatte es sehr eilig. "Ich habe mich angezogen, wir sind zu einem See gegangen und haben uns unterhalten", erinnert sich N. an jenen Abend. Einige Tage später habe er vor dem Landeskriminalamt bestätigt, dass er auspacken wolle. Als Daniel N. im Juni 2011 vernommen wurde, dürfte auch die Zeit gekommen sein, in der die Polizei dem ehemaligen Bandido eine neue Identität verpasste. Wo er jetzt lebt, wie er heißt - all das bleibt vor Gericht verborgen. Um nicht zu zeigen, wie er heute aussieht, trägt er im Gericht eine Perücke.

Der Ausstieg von Daniel N. geht zeitlich in etwa einher mit dem Umzug der Bandidos del Este von Hohen Neuendorf nach Hennigsdorf. Ob der Kronzeuge, der es in dem Chapter bis zum Vize-Präsidenten gebracht hatte, auch noch im neuen Vereinsheim an der Neuendorfstraße mit von der Partie war, blieb am Montag offen. Auf jeden Fall aber betreffen seine Aussagen, die zwei der Angeklagten schwer belasten, auch die Hennigsdorfer Zeit. Der Staatsanwalt wirft dem Trio vor, zwischen 2009 und 2012 bandenmäßig mit Drogen gehandelt zu haben. Unter anderem tauchen in der Anklageschrift sechs Kilo Amphetamine auf. Über einen Drogenhandel in genau dieser Größenordnung sagte gestern auch der Kronzeuge aus.

Dass Stefan I. mit Amphetaminen und Speed Geld machte, will Daniel N. schon zu Zeiten gehört haben, als er noch in einem Supporter-Club der Bandidos Mitglied war. Unter anderem soll Stefan I. einen Geschäftspartner in Potsdam gehabt haben, der den Spitznamen Der Lange trug und mit Speed handelte. Außerdem habe I. zeitweise sowohl in der Landeshauptstadt als auch in Hennigsdorf Probleme mit Dealern gehabt, die ihm sowohl Geld als auch Drogen weggenommen haben sollen.

Die Drogendeals, um die es im Prozess geht, habe Dennis N. eingefädelt. "Eines Tages hat er erzählt, dass er einen kennt, der uns Amphetamine am Kurt-Schumacher-Damm in Berlin besorgen kann. Er wolle ein Geschäft mit Stifte aufbauen." Stifte war unter den Bandidos der Spitzname für Stefan I. Gegenüber dem Kronzeugen soll Dennis N. damals auch darüber geplaudert haben, wie viel Geld er von Stifte für den Drogeneinkauf bekommt und dass ihm 500 Euro Gewinn pro Kilogramm zu wenig sind. Auch Stefan I. habe ihm gegenüber solche Geschäfte mal erwähnt, aber keine Einzelheiten erzählt.

Ob er sich denn keine Gedanken über die Schwere dieser kriminellen Handlungen gemacht habe, wollte Richter Thomas Seifert wissen. Die Antwort des Kronzeugen lässt ahnen, wie egal Mitgliedern von kriminellen Rockerbanden die Gesetze sind. "Ich hatte keine Vorstellung, was das rechtlich bedeutet. Mir war zwar bewusst, dass es schlimm ist, mit einem Kilo Amphetaminen erwischt zu werden. Aber ich habe mir damals keinen Kopf darum gemacht."

Offen blieb, ob der Kronzeuge auch etwas darüber weiß, in welcher Form Mirko S. in den Drogenhandel verwickelt war. Daniel N. konnte zwar berichten, dass S. seine Rockerkarriere beim Supporter-Club Bulldogs Hennigsdorf begonnen haben soll. Doch über kriminelle Machenschaften des Oranienburgers sagte N. am Montag nichts.

Zwei Stunden wurde der Zeuge am Montag vernommen. Zwei Stunden sprach N. flüssig und in ruhigem Tonfall über die Bandidos. Am Mittwoch wird die Vernehmung fortgesetzt.

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01.09.2014 15:38:54 na Hallo

Na dann packen wir´s

01.09.2014 15:20:09 Frank

Benno

01.09.2014 15:18:14 Rosa Linde

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